Wie das chinesische Regime Flüsse zur Waffe macht – mit über 87.000 Dämmen

Von 31. Juli 2020 Aktualisiert: 31. Juli 2020 17:58
"Das chinesische Regime macht Wasser zur Waffe", meinen Experten nach jahrelanger Beobachtung in Südostasien. China hat in den letzten 40 Jahren über 87.000 Staudämme gebaut, um die Kontrolle in verschiedenen Regionen zu behalten. Das US-Außenministerium ist alarmiert.

Die chinesische Regierung hat über 87.000 Dämme gebaut, besagt ein Bericht aus dem Jahr 2016. Das indische Nachrichtenportal „Wion“ ging der Frage nach, zu welchem Zweck China so viele Dämme braucht?

Eine von der US-Regierung finanzierte Studie der Forschungs- und Beratungsfirma „Eyes on Earth“ ergab, dass chinesische Staudämme große Mengen Wasser flussaufwärts am Mekong zurückhalten, was im vergangenen Jahr eine schwere Dürre in den südostasiatischen Ländern flussabwärts verschärft hat.

US-Außenministerium: Studie deckt katastrophale Folgen auf

Am 22. April hat das US-Außenministerium seine Besorgnis über das Ergebnis des Berichts geäußert: „Wir brachten unsere Besorgnis über einen wissenschaftlichen Bericht zum Ausdruck, aus dem hervorgeht, dass die von Peking stromaufwärts gelegenen Staudammbauten die Strömungen des Mekong einseitig verändert haben. Der Bericht kam zu dem Ergebnis, dass durch solche Operationen den Mekong-Ländern jahrelang Wasser entzogen wurde. Mit katastrophalen Folgen während der letzten Trockenzeit für die 60 Millionen Menschen, die für Nahrung, Energie und Transport vom Fluss abhängig sind“.

Das Ausmaß der Bauprojekte von Staudämmen wird anhand eines Beispiels ersichtlich. Entlang des Mekang-Flusses hat China mindestens 11 Staudämme gebaut. Dieser Fluss ist einer der längsten und wichtigsten Wasserwege der Welt. Mit einer Gesamtlänge von 4.350 Kilometern versorgt er sechs Länder. Sein Ursprung ist in Tibet. Der Fluss fließt durch Myanmar, Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam. Ungefähr 60 Millionen Menschen sind an dem Fluss als Lebensader gebunden.

Die Studie von „Eyes on Earth“ ergab: Einige dieser 11 Dämme haben den natürlichen Flusslauf stark verändert. Dies führte der Studie zufolge dazu, dass der Untere Mekong während des größten Teils des Jahres einen historisch niedrigen Wasserpegel verzeichnete.

Die Studie verwendete die Daten aus den Jahren 1992 bis 2019. Satellitenmessungen zufolge deuten die Daten der „Oberflächennässe“ in der chinesischen Provinz Yunnan darauf hin, dass die Region von Mai bis Oktober 2019 tatsächlich eine leicht überdurchschnittlich kombinierte Niederschlags- und Schneeschmelze hatte.

Unregelmäßige und verheerende Veränderungen

„Chinas Staudamm-Management verursacht unregelmäßige und verheerende Veränderungen der Wasserstände stromabwärts“, so die in Washington ansässige Denkfabrik Stimson Center. „Unerwartete Staudammfreigaben verursachten einen raschen Anstieg des Flusspegels, der die Gemeinden stromabwärts verwüstet und enorme Schäden verursacht hat, welche die ökologischen Prozesse des Flusses erschüttern“, heißt es in einem Bericht des Stimson Centers vom 13. April.

Was aber beabsichtigt die KP Chinas mit so vielen Dämmen? Kurz gesagt, die komplette Kontrolle der Region. China könnte die Dämme schließen und somit Dürreperioden auslösen. Dies würde die Vegetation entlang der Flüsse komplett töten. China besäße damit „eine Macht, welche sogar Überschwemmungen verursachen könnte“, schreibt „Wion“.

Nach Angaben des indischen Blattes hat die chinesische Regierung von ihrer Macht über das dortige Wasser bereits Gebrauch gemacht. In Thailand beispielsweise wurde eine ungewöhnliche Dürre ausgelöst, deren Folgen verheerend waren. Die Zuckerproduktion hat ein Rekordtief erreicht, was Auswirkungen auf die ganze Welt hatte – Thailand ist einer der größten Zuckerexporteure der Welt.

Peking betrachtet Wasser als souveränes Gut, nicht als natürliche Ressource

Die Forscher von Stimson nannten einen Grund, warum China die Wasserressourcen möglicherweise zurückhält. „Für Peking gilt Wasser als ein souveränes Gut zur konsumtiven Nutzung und nicht als eine gemeinsam genutzte Ressource, die den stromabwärts gelegenen Akteuren auf gerechte Weise zur Verfügung gestellt werden muss“, so die Autoren des Berichts.

Peking behandelt Informationen über den Wasserfluss und den Betrieb von Wasserkraftwerken sogar als „Staatsgeheimnis“, sagten Forscher von Stimson. „Dieser Mangel an Transparenz ermöglichte es China, eine Erzählung über das gemeinsame Leiden aufgrund der Dürre zu fabrizieren und eine gemeinsame Ursache dafür zu finden, damit China seine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den flussabwärts gelegenen Gebieten durch seinen Lancang-Mekong-Kooperationsmechanismus vertiefen konnte.“

Journalist Steven Solomon schrieb 2010 in einem „Forbes“-Artikel, dass China über die „Wasserstürme Asiens“ herrsche. „Es geht jetzt aggressiv und einseitig vor, um sie für seine eigenen Zwecke auszunutzen“, schrieb Solomon vor zehn Jahren mit Blick auf die KP Chinas.

„Angetrieben von seinem unstillbaren Durst nach Macht (…) hat China ein ehrgeiziges neues Programm zum Ausbau der Wasserkraft gestartet“, so Solomon weiter. Chinas Ziel sei es, „die Nutzung des nationalen Wasserkraftpotenzials bis 2020 von einem Drittel auf 60 Prozent zu steigern.“ Und damit sollte Solomon auch recht behalten.

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