Wie die Axt im Teutoburger Wald: Chinas KP-Bonzen „erobern“ Deutschland

Von 26. August 2013 Aktualisiert: 26. August 2013 16:02

Der Prozess um den korrupten chinesischen KP-Politiker Bo Xilai geht derzeit durch die Weltpresse. Doch Chinas Bo Xilais sind auch im Alltag in Deutschland zu finden. Eine chinesischstämmige Dolmetscherin erzählt in der EPOCH TIMES über die Unglaublichkeiten, die ihr mit einem chinesischen Partei-Bonzen in Deutschland passiert sind.

Die neuen Leiden der jungen Übersetzerin

„Können wir uns jetzt gleich treffen? Ich muss Dir vor dem Meeting ein paar Sachen erzählen. Komm alleine …“ – die chinesische Stimme am anderen Ende der Leitung klingt vertraulich – zu vertraulich. Ich verliere beinahe die Fassung. Wenn ein chinesischer Partei-Bonze einen solchen Ton anschlägt, ist klar, was er will. Zumindest einer in China aufgewachsenen Frau wie mir. „Eh…. Ich habe jetzt leider keine Zeit. Vielleicht können Sie mir telefonisch erzählen, worum es geht?“ antworte ich nach einem Moment des Zögerns. Das möchte mein Gegenüber jedoch nicht.

Als an mich herangetragen wird, die Übersetzungen für Herrn C. (Anm.: Name der Redaktion bekannt) ins Deutsche zu übernehmen, scheint anfangs alles noch normal. Herr C. will mit Hilfe eines deutschen Rechtsanwalts eine GmbH in Deutschland eröffnen, zudem beantragt er einen befristeten Aufenthaltstitel für Deutschland. Die bisherige Dolmetscherin sei verhindert, sagt mir der Rechtsanwalt der GmbH und fragt, ob ich ab jetzt dolmetschen könne. Der Kunde sei ein Leiter einer Behörde in einer großen chinesischen Stadt, wird mir gesagt.

„Ich bin´s, hast Du Zeit?“

Dann die Ankunft dieses Herrn in Deutschland. Wenige Stunden, nachdem sein Flugzeug auf deutschem Boden gelandet ist, läutet mein Telefon. Die mir zunächst völlig unbekannte Stimme sagt in überheblichem und vertraulichem Ton: „Ich bin´s, hast Du Zeit?“

Ich bin es gar nicht mehr gewöhnt, dass mich jemand so anspricht – zu lange schon bin ich nicht mehr in dem Umfeld gewesen, in dem die KP-Beamten es als selbstverständlich ansehen, dass jedermann sie kennt. Einmal haben wir vorher telefoniert, und das nur kurz. Wie unhöflich, denke ich mir. Aber kein Problem – ich mache einfach meine Arbeit und damit basta.

In den nächsten Tagen erlebe ich das, worüber ich bis dahin nur in der Zeitung gelesen habe – ich werde von dem Partei-Bonzen schamlos angebaggert.

Der Mann hat damit Erfahrung: Wie ich herausfinden konnte, gab es einen besonderen Grund, warum meine Vorgängerin nicht mehr dolmetschen konnte. Sie war die Geliebte des Partei-Bonzen. Später verschwand sie mit einer Menge Geld aus dem Kapital der GmbH.

Casino-Verluste in Höhe mehrerer Monatsgehälter

Einmal sagte Herr C. so ganz nebenbei: „Gestern Nacht habe ich wieder ein paar Tausend Euro im Casino verloren.“ Zum Vergleich: Sein offizielles Monatsgehalt als Beamter beträgt ein paar Tausend Yuan, sprich ein paar Hundert Euro. Beinahe einen Jahresverdienst in einer Nacht zu verspielen, war für ihn offensichtlich nichts Besonderes.

Auch sonst ging der chinesische Partei-Bonze nicht zimperlich mit Geld um. Alleine die monatlichen Gebühren für eine GmbH in Deutschland betragen schon vier oder fünf Mal so viel wie sein Monatsgehalt. Aber welche Anweisung musste ich an den Rechtsanwalt übersetzen? „Egal, wie viel Geld eingesetzt werden muss, egal auf welche Art, er muss das für mich erledigen!“ Natürlich habe ich das nicht Wort für Wort für den Rechtsanwalt übersetzt, sondern eigens Worte wie „möchten“ und „hoffen“ hinzugefügt. Auch seinen Ton wie gegenüber einem Diener habe ich weicher gemacht. Klar war es trotzdem: ich habe Geld, und zwar viiiiiel Geld, auch eventuell für krumme Wege!

Korruption in Millionenhöhe – für Chinesen nichts Besonderes

Dieser Tage taucht der Name Bo Xilai jeden Tag in den deutschen Medien auf. Mit seinem Namen werden Schmiergeldzahlungen in Höhe von 20 Millionen Yuan (2,4 Millionen Euro) in Verbindung gebracht. Das ist in den Augen von uns Chinesen ein Witz. Wenn wir hören, dass ein chinesischer Beamter 20 Millionen Yuan Schmiergeld genommen hat, wenden wir noch nicht einmal den Kopf, um zu schauen, wer das ist – so sehr haben wir uns an Korruption gewöhnt …

Schließlich habe ich gekündigt. Ganz einfach. Allmählich fiel mir schwer, diese Arbeit zu machen. Nicht, weil ich die Fachkompetenz dazu nicht hatte oder nicht wusste, wie ich seine Worte so übersetzen sollte, dass zwar der Sinn blieb, das Gegenüber sich aber nicht beleidigt fühlte. Nein, ich fragte mich selbst immer öfter: Lohnt es sich wirklich, diesem respektlosen Kerl meinen Service anzubieten, nur um ein paar Euros zu verdienen? Die Antwort fiel mir nicht schwer.

„Ich habe 300 Euro von ihm kassiert!“ – Ein paar Tage später überschlug sich am anderen Ende der Leitung die begeisterte Stimme meines Dolmetscherkollegen. 300 Euro – so viel hatte er dem Partei-Bonzen für seine Dolmetscherdienste im Zuge seines Besuches bei der Ausländerbehörde abgeknöpft. Eigentlich reine Erpressung!

Aber innerlich freute ich mich über diese Erpressung. Zum ersten Mal in meinem Leben.

 

 

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