Zeit sich hinter Chinas unbesungene Helden zu stellen

Von 12. Januar 2009 Aktualisiert: 12. Januar 2009 16:10
Die ehemalige Angestellte einer Universitätsbibliothek in Shanghai sitzt zu Hause vor ihrem Computer. Mit Hilfe von Proxyservern durchbricht Liu Jin Chinas „Great Firewall“, um auf eine Webseite von Falun Gong zu kommen. Sie lädt Berichte von Menschenrechtsverletzungen an Falun Gong-Praktizierenden herunter und fängt an sie auszudrucken.

In kurzer Zeit findet ein Stapel im Untergrund hergestellter Newsletter seinen Weg in die Hände und Briefkästen von Nachbarn, örtlichen Ladenbesitzern und ehemaligen Kollegen. Eine „Materialproduktionsstätte“ ist geboren – eine von Zehntausenden in China, die jene enthüllenden Fakten über Recht und Unrecht in die Hände der Menschen bringt, von Fakten, die von der kommunistischen Partei so unermüdlich zensiert und vertuscht werden.

Für diesen gewaltfreien Akt der Zivilcourage wird Frau Liu grausam bestraft. Wie Associated Press berichtete, wurde sie im Dezember 2008 in einem Prozess, der nicht einmal einen Tag dauerte, kurzerhand zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Schon früher war sie wegen des Praktizierens von Falun Gong verhaftet, gefoltert und zwangsernährt worden, jetzt dürfte ihr ein ähnliches Schicksal bevorstehen – und es könnte sogar noch sehr viel schlimmer enden.

Sechzig Jahre nach Inkrafttreten der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (die VR China gehört auch zu den Unterzeichnern) sind weiterhin Millionen einfacher Bürger in ganz China der Gefahr von willkürlicher Verhaftung, Folter und Tod ausgesetzt. Wofür solch harte Bestrafung? Für nichts weiter als die Ausübung des grundlegenden Rechts auf Glaubens- und Meinungsfreiheit, einem Grundstein der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Über Nacht zum „Kriminellen“ abgestempelt

Als der ehemalige Staatschef Jiang Zemin 1999 in einem politischen Alleingang die „Auslöschung“ von Falun Gong befahl, fanden sich dadurch über Nacht Dutzende von Millionen gewöhnlicher Chinesen zu „Kriminellen“ abgestempelt, allein wegen ihrer friedlichen Überzeugungen. Ein skrupelloser Staatsapparat begann einen Kampf gegen die eigenen Bürger, die einen traditionell-chinesischen Weg zur Körperertüchtigung und spirituellen Erfüllung gehen. Man versuchte, ihr Denken und Sein unbarmherzig auf den Kopf zu stellen.

Rechtliche Wege, die die Verfolgung hätten stoppen können, wurden verwehrt, die staatlich betriebenen Medien wiederholten gebetsmühlenartig verleumderische Anti-Falun Gong-Propaganda, Falun Gong-Praktizierenden wurde der Zugang zu Petitionsbüros verwehrt und Richtern, die in China immer von der Partei ernannt werden, war es kaum möglich, Urteile zu fällen, die von der offiziellen Linie gegen Falun Gong abwichen. Das ist bis heute so.

Nahezu ein Jahrzehnt nach dem Ausrufen der Verfolgung befinden sich immer noch Hunderttausende von Falun Gong-Praktizierenden in Arbeitslagern. Nach Expertenmeinung stellen sie mindestens die Hälfte aller Insassen in Chinas Lagern. Tausende wurden, wie Liu Jin, nach Gerichtsprozessen ins Gefängnis gebracht. Sie werden weiterhin geschlagen, mit Elektroschocks gefoltert und mit Medikamenten traktiert, die häufig zu Lähmungen und oft sogar zum Tod führen. Neuere Untersuchungen ergaben, dass Zehntausende von Praktizierenden getötet wurden, um ihre Organe zu hohen Preisen zu verschachern.

Unzählige wurden mittellos und so zu Flüchtlingen im eigenen Land gemacht. Sie können nicht zu ihren Wohnungen oder Arbeitsplätzen zurückkehren, weil sie Plünderung und anschließende Verhaftung befürchten müssen. Wenn sie ihre Kinder nicht in die Obdachlosigkeit mitnehmen möchten, müssen diese als Waisen aufwachsen.

Zweigstellen des „Büros 610″ – eine Gestapo-ähnliche Organisation, die von Jiang Zemin 1999 geschaffen wurde, um die Kampagnen gegen Falun Gong durchzuführen – sind weiterhin bis in die kleinsten Kommunen in ganz China aktiv, ja sogar in privaten Unternehmen, an Universitäten und Komitees zum Ausspionieren der Nachbarn. Offizielle Berichte über eine Razzia unter Falun Gong-Praktizierenden vor den Olympischen Spielen erschienen auf den Regierungswebseiten aller 31 Gerichte auf Provinzebene. Das Resultat? Allein während der 16 Tage der Olympischen Spiele starben elf Falun Gong-Praktizierende in Folge von Misshandlung in Polizeihaft.

Missbrauch staatlicher Kontrolle

Kommunistische Parteiführer und die staatlich betriebenen Medien behaupten, Falun Gong sei zerschmettert und aufgelöst. Aber warum bleibt dann ein landesweiter Apparat wie das „Büro 610″ aktiv ? Warum füllen sich die Arbeitslager weiterhin mit Praktizierenden? In Wirklichkeit widerstanden die Falun Gong-Praktizierenden in China bis heute den Bemühungen der Partei, sie „auszulöschen“. Sie halten an ihrem Glauben fest, stellen im Untergrund Flugblätter her, hängen Spruchbänder auf, auch wenn diese immer wieder herunter gerissen werden, und lassen die Menschen in ihrer täglichen Umgebung ihren Kummer und ihre Not wissen. Sie klären auf über die Misshandlungen, denen diese Gruppe von stets friedlichen Menschen ausgesetzt ist, informieren aber auch umfassend über die Geschichte der Kommunistischen Partei, die schon seit Beginn ihres Bestehens Verfolgungskampagnen gegen die eigenen Landsleute inszenierte. All dies geschieht in einem Umfeld, in dem Medien staatlicher Kontrolle unterliegen und diese missbraucht, um Falun Gong zu diffamieren und die Meditationspraxis in letzter Konsequenz, dem Befehl des ehemaligen Präsidenten folgend, „auszulöschen“.

Die Bemühungen der Falun Gong-Anhänger beginnen Früchte zu tragen. Sie stehen inzwischen nicht mehr allein in ihrem Kampf gegen die Verfolgung. Eine ganze Reihe von mutigen und inzwischen weltweit bekannten Anwälten hat sich erhoben, um die Praktizierenden zu beschützen. Damit setzen sie ihre eigene Sicherheit aufs Spiel. Auf der Grundlage der chinesischen Verfassung und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte plädieren sie für ihre Klienten auf Unschuld , wie es etwa der Anwalt Mo Shaoping im Falle von Liu tat.

Chinas Lügenkampagnen erkennen

Und doch hält das chinesische Regime kompromisslos an seiner Strategie gegen Falun Gong fest. Verhaftungen und Folter werden weiterhin großflächig und systematisch angewendet. Die Unterstützung der Außenwelt ist jetzt mehr denn je nötig, um dieser Ungerechtigkeit und Brutalität ein Ende zu setzen. Zwei grundlegende und doch einfache Schritte wären hilfreich, um dieses Ziel zu erreichen: Erstens, sich gut zu informieren und dadurch nicht in die Falle der Parteipropaganda zu geraten, deren gefälschte Informationen oft unerkannt ihren Weg in westliche Nachrichten findet; zweitens, dem Beispiel der Praktizierenden folgen und direkt mit Chinesen und anderen Interessierten über die Situation sprechen.

Wir müssen klarstellen, dass es nicht gegen China und seine Menschen gerichtet ist, wenn man Position für die Menschenrecht ergreift, sondern dass es dem Land vielmehr hilft, wieder zu seiner einstigen Größe zurück zu finden.

Praktizierende und ihre Unterstützer riskieren in China ihre Karriere, ihre Freiheit und sogar ihr Leben, wenn sie sich gegen die Ungerechtigkeit zur Wehr setzen. Es ist wohl das Mindeste, was wir tun können, wenn wir uns ihren Bemühungen anschließen und uns für Menschen wie Frau Liu einsetzen.

Gerade um solche Missstände zu beenden, wurde 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ausgesprochen und in Kraft gesetzt.

Levi Browde ist Geschäftsführer des Falun Dafa-Informationszentrums in New York.

 

 

(The Epoch Times)
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