Schon wieder brannte in China eine Chemie-Fabrik. Nachdem die Staatsmedien das Jahrhundert-Inferno von Tianjin so schamlos kleingelogen haben, wittern die Chinesen überall Verschwörung.Foto: Weibo

Zibo-Explosion: Dritter Großbrand in Folge schockiert China

Von und 23. August 2015 Aktualisiert: 23. August 2015 12:33

Schon wieder eine Chemie-Explosion in China – diesmal in der Provinz Shandong: Am 22. August ging um 20.40 Uhr eine Chemiefabrik nahe der Stadt Zhibo in Flammen auf. Mehrere Feuer brachen aus, es gab starke Rauchentwicklung. Die Erschütterung durch die Explosion war 5 Kilometer weit zu spüren.

Die Fabrik sei erst vor kurzem in Betrieb genommen worden, so Anwohner laut der Regionalzeitung Qilu-Abendblatt. Um 21 Uhr sei ein riesiger Feuerball zu sehen und zwei laute Explosionen zu hören gewesen. In der Fabrik wurde unter anderem Hexadinitril hergestellt, und zwar in großem Umfang, 300.000 Tonnen jährlich. Der Stoff wird für die Nylon-Herstellung benötigt und sondert bei Erhitzung giftigen Rauch und Stickstoffmonoxyd ab. 

Ähnlich wie in Tianjin lag die Fabrik nicht einmal 1.000 Meter von Wohngebieten entfernt. Fensterscheiben zerbarsten, auffällige Partikel und beißender Geruch lagen in der Luft. Offiziell ist von einem Toten und von acht Verletzten die Rede, so das lokale Büro der Xinhua. Die Lage sei unter Kontrolle. Qilu berichtete von neun Verletzten.

Video der Explosion:

https://youtube.com/watch?v=h3yS0EoTr1w

Komplott oder Ironie des Schicksals?

Genau am Tag des Unglücks hatte die Stadt Zibo eine Inspektion der Produktionssicherheit angekündigt, um Verstöße gegen Sicherheitsauflagen aufzudecken.

Eine politische Reaktion auf die Ereignisse von Tianjin – Xi Jinping befahl die landesweiten Untersuchungen, die Sicherheitsprobleme in großem Umfang zu Tage förderten: Bei über 100 Unternehmen in sieben Provinzen wurde der Betrieb vorübergehend gestoppt oder komplett eingestellt. Allein in Peking hatten 85 von 124 Firmen Sicherheitsmängel. (Weil dort am 3. September eine riesige Militärparade stattfindet, dürfen bis zum 6. September gar keine Gefahrgüter mehr produziert werden und alle Chemikalien müssen versiegelt gelagert werden. Siehe:

Peking im Ausnahmezustand: Angst vor Terror bei Mega-Militärparade“)

Die Chinesen glauben mittlerweile niemandem mehr – weder den Staatsmedien, noch an den Zufall. Zu schamlos wurde das Jahrhundert-Inferno von Tianjin kleingelogen. Tausende Menschen kamen dabei ums Leben.

(Siehe: Mediensperre über Stadt der Toten: Tausende in Tianjin vermisst)

„Haben die Explosionen mit der großen Parade zu tun?“, spekuliert nun das Volk über mögliche Verschwörungen. Dass die Explosion von Tianjin definitiv ein Terrorakt war, wurde von mehreren chinesischen Auslandsmedien berichtet. Siehe:

Tianjin Terrorakt: Darum wurde Chinas kommende „Wallstreet“ samt Zukunftsplänen zerstört

Drei Großbrände innerhalb von zehn Tagen, das ist auch dem Regime zu viel. (Der zweite war am 16. August. In Qingdao brannte ein Holz- und Gummi-Lager in der Nähe eines riesigen Flüssiggas-Tanks.)

Mit allen möglichen Mitteln wird jetzt versucht, die Infos über Zibo zu löschen. Kleine Staatsmedien schalteten Kurznachrichten und Videos offline, auf Weibo wird zensiert, was das Zeug hält. Doch die Internet-Diskussion ist lebhaft und die Bürgerwut bricht sich Bahn: Auch Zibo sei ein Standort, an dem man in Form von Umweltschäden den hohen Preis für Chinas BIP-Wachstum bezahlt habe.

Mehr Hintergründe hier:

Tianjin Terrorakt: Darum wurde Chinas kommende „Wallstreet“ samt Zukunftsplänen zerstört

Sind Morgan Stanley und Goldman Sachs Schuld an Chinas Börsencrash?

Mediensperre über Stadt der Toten: Tausende in Tianjin vermisst


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