Scheitert Börsenehe Hongkong-Shanghai an der Willkür des Regimes?

Von und 31. Oktober 2014 Aktualisiert: 31. Oktober 2014 17:24

Die Willkür von Chinas kommunistischem Regime hält die internationale Finanzwelt in Atem: Es heißt, der Zusammenschluss der Börsen in Hongkong und Shanghai sei geplatzt und „unbefristet auf Eis gelegt“. Die geplante Börsenehe war „das Baby“ von Chinas Premier Li Keqiang und Teil seiner wirtschaftspolitischen Reformabsichten internationale Investoren setzten große Hoffnungen darauf.

Nun stehen vor allem Hongkonger Wertpapierhändler vor einem Scherbenhaufen von Investitionen, die möglicherweise völlig umsonst waren.

Kommt die Börsenehe doch noch? Oder hat Chinas Regime einmal mehr seine Unberechenbarkeit bewiesen? Das ist die Frage. Denn schon im Jahr 2007 wollte man Hongkong und Shanghai fusionieren – was Peking verhinderte.

Es war schon der zweite Versuch …

Am 26. Oktober erklärte die Hongkonger Börse offiziell, dass die Börsenfusion von Hongkong und Shanghai auf ein unbekanntes Datum verschoben wird. Chinas Staatsmedien beschwichtigten kurz darauf, die Börsenehe sei lediglich aufgeschoben, jedoch nicht aufgehoben. Morgen, am 1. November, werde erneut ein technischer Test stattfinden. Trotzdem reagierten Börsianer deprimiert und die Aktie der Hongkonger Börse rutschte ab.

Chinas Premier Li Keqiang hatte die geplante Börsenehe erstmals im April angekündigt – als wichtigen Schritt für die Öffnung des chinesischen Kapitalmarktes.

Die Börsenaufsichtsräte von China und Hongkong hatten daraufhin eine Fusion mit 6 Monaten Vorlauf angekündigt – circa bis Ende Oktober. Nach einer Reihe von technischen Tests, bei denen die Zusammenlegung des Handels per Computer und weitere Szenarien simuliert wurden, kristallisierte sich der 27. Oktober als mögliches Start-Datum, das allerdings nie offiziell bestätigt wurde. Die Erwartung auf den Start wackelte erstmals am 25. Oktober, als Hongkonger Medien sagten, dass die Fusion unbefristet auf Eis gelegt wurde. Am 26. Oktober kam dafür dann die offizielle Bestätigung der Hongkonger Börse, welche die Börsianer sprachlos machte.

Die Aktie der Hongkonger Börse hatte nach Ankündigung der Börsenehe einen Höhenflug erlebt, sie war innerhalb von 100 Tagen um 41 Prozent gestiegen. Am Tag, als der Widerruf kam, brach sie abrupt um 4,7 Prozent ein. Die Verschiebung der Fusion hat die Träume vieler internationaler Investoren platzen lassen.

Schon jetzt wurde viel Geld verplempert

So eine Börsenehe ist ein riesiger Kraftakt, der allen Involvierten viel Geld und Arbeit abverlangt: Internationale Investoren, Finanzinstitute und Wertpapierhändler müssen die technischen Voraussetzungen schaffen, um daran teilnehmen zu können. Neue Software muss implementiert und neues Personal eingestellt werden. Besonders in Shanghai und Hongkong sind Firmen betroffen, die im Vorfeld hohe Ausgaben hatten. Auch Fondsmanager, Aktieninhaber und Käufer hatten sich bereits auf die Fusion eingestellt.

Ein Fondsmanager, der anonym bleiben wollte und bei einer internationalen Investmentbank arbeitet, sagte zu EPOCH TIMES: „Das kam für uns wie ein Unwetter aus heiterem Himmel. Die meisten internationalen Investmentbanken haben keine Möglichkeit, an der chinesischen Börse Geschäfte zu machen, die aber mit ihrem Kapitalvolumen von 4 Billionen US-Dollar ungemein attraktiv ist. Für sie wäre der Zusammenschluss von Hongkong und Shanghai der einzige Zugang zum chinesischen Markt.

Als die Nachricht vom Zusammenschluss kam, haben viele Investmentbanken, wie zum Beispiel die Deutsche Bank, Credit Suisse, und Citibank viel Geld, Ressourcen und Personal investiert, um den chinesischen Aktienmarkt zu erforschen. Foren, Podiumsdiskussionen und Tagungen wurden arrangiert, um Chinas Aktienmarkt zu diskutieren. Sie organisierten auch Besichtigungsreisen ihrer Kunden bei chinesischen Aktienunternehmen – alles wegen der geplanten Börsenehe.“

China hält uns zum Narren“

Geht es nach diesem Manager, ist die chinesische Regierung diesmal mit „ihren politischen Spielen zu weit gegangen. Der internationale Investmentsektor wurde von der Pekinger Führung zum Narren gehalten“, so der Banker.

Je länger die Fusion verschoben wird, desto größer ist der Verlust für die Wertpapierhändler“, sagt auch der leitende Berater für China bei der Asian Capital Holdings, Ronald Wan. Er schätzt, dass ungefähr 90 Prozent der Hongkonger Wertpapierhändler an der Fusion teilnehmen wollten und jeder von ihnen mindestens 2 Millionen HK-Dollar in technische und personelle Upgrades seines Betriebes investierte.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Demokratischen Partei Hongkongs, Sin Chung-kai meint, dass sich die Pekinger Führung mit der geplatzten Börsenehe ein gewaltiges Eigentor schieße: „Zwei Versuche haben nicht zur Fusion geführt. Jetzt wird kein Mensch mehr der Pekinger Hongkong-Politik trauen.“

Warum stoppte Peking die Börsenehe?

Ein Experte für die Hongkonger Finanzwelt, Liao Shiming analysierte: Der geplante Zusammenschluss war eigentlich ein Schritt im Reformplan von Li Keqiang, aber nun wurde er von Peking gestoppt. Vermutlich hat das Regime Angst, dass durch die Börsenfusion noch mehr Kapital von China ins Ausland fließt, was die Machtbasis der KP weiter schwächen würde – kurz, die KP befürchtet einen Kontrollverlust über Chinas Kapital.

Wird die Finanzwelt daraus lernen?

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Liao meint, das Scheitern der Börsenehe lehre die internationalen Investoren eine weitere Lektion über das Wirtschaftsmodell der chinesischen KP, das eben so gar nicht wie das einer freien Gesellschaft funktioniert, weil seine diktatorischen Strukturen in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen für unkalkulierbare Risiken sorgen. „Das Risiko des Ungewissen ist viel größer als in einem westlichen Land. Und wer in China investieren will, muss bereit sein, dieses große Risiko zu tragen“, so Liao.

In Honnkong propagierten derweil die Peking-treuen Medien, dass die andauernden Proteste der „Regenschirm-Revolution“ Schuld am Scheitern der Börsenehe seien. Hongkongs Finanzminister dementierte dies jedoch am 28. Oktober und erklärte, die Fusion von Hongkong und Shanghai sei nur eine Zeitfrage, früher oder später werde sie kommen.

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