China: Erstmals Börsenausstieg von marodem Staatsunternehmen

Von 9. April 2014 Aktualisiert: 9. April 2014 8:55

In China hat sich vor kurzem erstmals ein Staatsunternehmen wegen anhaltend hoher Verluste von der Börse zurückgezogen: Es handelt sich um die Nanjing Tanker Corperation (NTC), Chinas zweigrößten Erdöl-Transporteur. Obwohl der Handel mit NTC-Aktien schon seit April 2013 unterbrochen worden war, schockierte der Börsenausstieg die chinesische Öffentlichkeit. Einige Anleger verloren durch den Ausstieg ihre kompletten Ersparnisse.

Staatsriese in Schieflage

Die Nanjing Tanker Corperation gehört zur Unternehmensgruppe Sinotrans und schrieb bereits seit 2010 rote Zahlen. Allein im vergangenen Jahr betrug der Verlust über 5 Milliarden Yuan (625 Millionen Euro). Ende 2013 betrug die Vermögensbilanz des Unternehmens -2,097 Milliarden Yuan (rund -262,2 Millionen Euro).

Die Shanghaier Börse hatten den Handel mit NTC-Aktien bereits seit 22. April 2013 vorübergehend ausgesetzt.

NTC war insgesamt 17 Jahre lang an der Börse notiert gewesen. Davon hatte die Firma 13 Jahre lang Gewinne eingefahren, die jedoch insgesamt nur 2,377 Milliarden Yuan betrugen (297,1 Millionen Euro). Der Gesamtverlust der 17 Jahre beläuft sich auf 5,556 Milliarden Yuan (694,5 Millionen Euro).

Wir kam es dazu?

Das Schicksal von NTC ist typisch für das vieler chinesischer Staatsunternehmen, die von Überkapazitäten geplagt werden: Der Tanker-Konzern könnte viel mehr transportieren, als Aufträge vorhanden sind. Als der Markt die Auswirkungen der Finanzkrise von 2008 zu spüren bekam, war das Unternehmen gerade in einer Expansionsphase und investierte ins Nichts. Ein weiteres Problem ist die schlechte Stimmung auf dem Erdöl-Transportmarkt, wo die Wachstumsmöglichkeiten naturbedingt begrenzt sind.

[–Mitarbeiter verdienten fürstlich–]

Sonderbar: Trotz der anhaltenden Verluste reduzierte NTC seine Managementkosten nicht, sondern vergrößerte sie. So stiegen bei den Betriebsausgaben von 2008 bis 2012 die Verwaltungskosten um 117 Prozent und die Vertriebskosten um 2570 Prozent. Laut chinesischen Medien verdienten die Mitarbeiter durchschnittlich 139.000 Yuan im Jahr (17.375 Euro), also über 10.000 Yuan im Monat (1250 Euro). Das monatliche Durschnittseinkommen eines Pekingers lag 2012 bei rund 3000 Yuan (375 Euro).

Anleger und Öffentlichkeit schockiert

Der Börsenausstieg von NTC war ein großer Schock für die chinesische Öffentlichkeit. Es kam der Verdacht auf, dass der Börsenrückzug eine Strategie sei, um den Staat zu entlasten und Schuldenlast auf die 150.000 Anleger abzuwälzen.

In den chinesischen Medien wurden Leute zitiert, die durch den Börsenausstieg von NTC ihre kompletten Ersparnisse verloren haben. Gerade weil er in ein Staatsunternehmen investiert hatte, glaubte Wang Yunhua, ein Aktieninhaber aus der Provinz Jiangsu, sein Geld in Sicherheit: „Anfang 2013 habe ich die Aktien mit meinen Ersparnissen von 100.000 Yuan gekauft. Damals dachte ich, das ist ein Staatsunternehmen, falls etwas schief geht, wird der Mutterkonzern die Firma bestimmt retten.“Die Aktien seien ihre Altervorsorge gewesen, meinte eine anonyme Anlegerin zu chinesischen Medien, die einen Kredit aufgenommen hatte, um die Aktien zu kaufen.

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