China: So platzt die Immobilienblase in Wenzhou

Von 4. November 2013 Aktualisiert: 4. November 2013 8:13
18.000 Wohnungen sollen online versteigert werden China: So platzt die Immobilienblase in Wenzhou

Die Millionenstadt Wenzhou an der chinesischen Ostküste ist die zweite Stadt Chinas, in welcher der Immobilienpreis eine rasante Talfahrt erlebt hat. Wohnungen zahlungsunfähiger Besitzer wurden dort im großen Stil online versteigert.

Einem Bericht der „Chinesischen Börsenzeitung“ zufolge, versteigerte das Bezirksgericht von Wenzhou am 29. Oktober eine Wohnung auf „Taobao“. Chinas größtes Online-Geschäftsportal funktioniert ähnlich wie Ebay. Die Wohnung hatte einen Schätzwert von 1, 4 Millionen Yuan, was umgerechnet rund 180.000 Euro entspricht. Das Anfangsgebot der Auktion lag bei 950.000 Yuan, der Endpreis erreichte mit 1,2 Millionen Yuan circa 160.000 Euro.

Es war nicht die einzige Online-Versteigerung dieser Art: Weitere Gerichtsfilialen der Stadt versteigerten ebenfalls Wohnungen online. Der Grund: Die Besitzer hatten die Zahlungen ihrer Kreditraten für den Wohnungskauf eingestellt.

18.000 Wohnungen stehen zur Versteigerung

Am 2. November berichtete die chinesische Zeitung „Der Wirtschaftsbeobachter“, dass im Juli 2013 insgesamt 18.000 Wohnungen wegen Zahlungsproblemen den Gerichten in Wenzhou zur Versteigerung übergeben wurden. Die Zahl entspricht ungefährt der Menge von Neuwohnungen, die in Wenzhou innerhalb von zwei bis drei Jahren gebaut werden könnten.

Auf der „Immobilienblasen-Rangliste“ steht Wenzhou derzeit auf Platz zwei hinter der Stadt Ordos in Inneren Mongolei: Im März 2012 brach der Immobilien Preis in Ordos bereits um 90 Prozent ein. In Wenzhou ist die Lage noch nicht so dramatisch. Hier sank der Immobilienpreis im Vergleich zu seinem Höchststand durchschnittlich um 30 Prozent. Bei manchen Objekten halbierte sich der Preis.

Eigentlich ist Wenzhou traditionell eine wirtschaftlich starke Stadt: In den 90er Jahren boomten in Wenzhou die Manufakturen und Fabriken für Konsumgüter – von kleinen Haushaltsgeräten bis zu Schuhen und Mode. Großhändler aus ganz China fuhren in die Stadt an der Ostküste, um dort günstig einzukaufen.

Unternehmer sicherten Überleben durch Immobilienverkauf

Durch die Wirtschaftskrise vor fünf Jahren gingen viele Privatunternehmen Wenzhous in Konkurs. Der bekannte chinesische Wirtschaftsprofessor Lang Xianping beschrieb Hongkonger Medien die Lage wie folgt: „Im Jahr 2010 wurden vorallem die Manufakturen in Wenzhou von der Krise getroffen. Zur gleichen Zeit flossen 800 Milliarden Yuan (rund 100 Milliarden Euro) freies Kapital in den Immobilienmarkt. Der Immobilienpreis erreichte dadurch ein künstliches Hoch. Bis 2012 waren 60 Prozent aller Fabriken der Stadt Pleite gegangen. Viele Unternehmer begannen, Immobilien zu verkaufen, um Bargeld zu gewinnen und das Überleben ihres Unternehmens zu sichern. Diese Aktionen verursachten den Preiseinbruch bei den Immobilien in Wenzhou.“

Der Vorstandsvorsitzende des Wirtschaftsverbandes Wenzhou, Ma Jinlong, ist derweil der Meinung, dass die Prognosen für die Wirtschaftslage der Stadt weiterhin düster seien. Es sei wahrscheinlich, dass sich die Situation auf dem Immobilienmarkt von Wenzhou in Zukunft noch weiter verschlechtert.

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