Auf einem Gemüsemarkt in Zhengzhou (Provinz Henan). Laut jüngsten Angaben des nationalen Statistikbüros in China sind die Verbraucherpreise im Mai um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, gestiegen.Foto: ChinaFotoPress/Getty Images

China steht vor Inflation, Arbeitslosigkeit, Umweltschäden

Von 14. Juni 2011 Aktualisiert: 14. Juni 2011 14:40

Peking – Die Preise für Nahrungsmittel haben die Inflationsrate in China im Mai auf 5,5 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren steigen lassen. Im April betrug die Rate 5,3 Prozent, im März 5,4 Prozent. Wirtschaftsexperten hatten die Steigerung erwartet, die Regierung hatte allerdings für dieses Jahr nur eine vierprozentige Inflation der Verbraucherpreise vorhergesagt.

Den am Dienstag vom nationalen Statistikamt veröffentlichten Zahlen zufolge stiegen die Lebensmittelpreise um 11,7 Prozent. Dafür wurden unter anderem Dürre und andere Naturkatastrophen sowie eine steigende Nachfrage verantwortlich gemacht. Um dem Inflationstrend entgegenzuwirken, hat Peking seit Oktober vier Mal die Zinsen erhöht. Unternehmen wurden aufgefordert, die Preiserhöhungen zu dämpfen.

Die bisherigen Einschnitte konnten jedoch den Wirtschaftsboom nur wenig bremsen. So ist die Industrieproduktion im Mai deutlich höher ausgefallen als erwartet. Obwohl sie im Vergleich zum April um 0,1 Prozent gefallen ist, legte sie um 13,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, gab das nationale Statistikbüro in Peking bekannt. Chinas Konjunkturdaten zeigen, dass sich das Wirtschaftswachstum in China in einem langsameren Tempo als erwartet abschwäche, sagten Analysten.

Die Konjunkturdaten sind dennoch kein Indikator für soziale Entwicklung. Hinsichtlich des Bruttoinlandsprodukts (BIP), liegt China jetzt hinter USA an zweiter Stelle und hat damit Japan übertroffen. Obwohl Chinas BIP den von Japan überstiegen hat, liegt Japans pro Kopf Einkommen bei über 33.000-US Dollar im Jahr, während Chinas bei 7.500-US Dollar liegt. Somit liegt China auf Rang 94 in der Welt, weit unter Ländern wie Polen, Argentinien oder Süd Afrika. In China verdienen noch 150 Millionen Menschen weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag, was unterhalb der internationalen Armutsgrenze liegt.

Als Folge der Rücknahme von Investitionen, hoher Arbeitslosigkeit und der Ressourcen-Erschöpfung, könnten in den nächsten Jahren bedeutende wirtschaftliche und soziale Krisen in China ausbrechen. Das sagte der prominente chinesischer Wirtschaftswissenschaftler Sun Minchun in einem kürzlich erschienenen Artikel in der staatlichen „First Financial Daily“. China wird sehr wahrscheinlich seinen bisherigen Vorsprung in der Billig-Produktion mit den steigenden Lohnkosten verlieren. Das könnte zu einer Arbeitslosigkeits-Krise in fünf Jahren führen, sagte Sun.

Zur gleichen Zeit werden 106 Millionen Landarbeiter Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft suchen, sagte Sun, der Haupt-Ökonom bei Daiwa Capital Markets ist, einem Investment Banking Unternehmen in Hong Kong. Die Service-Industrie wird nur 71,4 Millionen Arbeitsplätze in der gleichen Zeitspanne erzeugen und damit keinen Ausgleich erschaffen, schätzt Sun.

Eine Frau trägt eine Maske, um sich vor den dicken Smog in Peking zu schützen. Die Luftverschmutzung in Peking wird von internationalen Organisationen wie die Vereinten Nationen permanent als eine der schlimmsten in der Welt aufgelistet.Eine Frau trägt eine Maske, um sich vor den dicken Smog in Peking zu schützen. Die Luftverschmutzung in Peking wird von internationalen Organisationen wie die Vereinten Nationen permanent als eine der schlimmsten in der Welt aufgelistet.Foto: Goh Chai Hin/AFP/Getty Images


Sun meint, dass das durch Investitionen gesteuerte Entwicklungsmodell Chinas nicht nachhaltig wäre. Abnehmende Investitionen können das Bruttoinlandsprodukt, einen Maßstab für das Wirtschaftswachstum, um mindestens fünf Prozent senken, sagt er.

Wirtschaft beeinträchtigt durch Umweltschäden und schwache Regulierung

Ein beunruhigendes Thema sind die umfangreichen Umweltschäden, die bereits verursacht wurden. Auf einer Pressekonferenz Anfang Juni gaben chinesischen Umweltbehörden zu, dass „die gesamte ökologische Situation immer noch sehr ernst“ sei. Ein Sechstel der großen Flüsse Chinas sind sogar für einfache Bewässerungszwecke zu verschmutzt. Weiterhin bekamen nur 17 von den 471 kontrollierten Städten die höchsten Bewertungen für Luftreinheit, sagte der stellvertretender chinesischer Umweltminister Li Ganjie.

Die Umweltkatastrophen in China könnten den Ruin der Wirtschaft bedeuten, sagen Experten. Der in Singapur ansässige Investor Jim Rogers behauptet, Chinas Wasserkrise könnte den wirtschaftlichen Aufschwung in China beenden. „Das einzige, wovon man sich nicht erholen kann, ist Wasser,“ sagte Rogers kürzlich auf BBC HARDtalk. „Falls China seine Wasserprobleme nicht lösen kann, wird es keine China-Erfolgs-Geschichte geben“.

Die Regierung in Peking hat bisher wenig von ihrer Strategie, diese Herausforderungen zu bewältigen, preisgegeben. Weiterhin verursacht die tief verwurzelte Korruption in der chinesischen Politik, dass Umwelt-Maßnahmen nur teilweise umgesetzt werden.

Laut staatlichen Medien hat die Korruption um die Ausstellung von den sogenannten „Umwelt-Zertifikaten“ die Reglementierung von Umwelt-Maßnahmen behindert. Nach offiziellen Statistiken wurden zwischen 2002 bis 2008, 487 Beamte der Umweltbehörden wegen Korruption angeklagt. Viele hätten ungeeigneten Bauprojekten gegen Bestechungsgelder ein „Umwelt-Zertifikat“ ausgestellt.

Die Abgasvorschriften der Zentralregierung hatten das Wachstum der Schwerindustrie im Jahr 2010 zunächst heruntergekurbelt. Doch das Wachstum erholte sich schnell im ersten Quartal von 2011. Diese Erholung verursachte einen Anstieg des Stromverbrauchs und eine Stromknappheit, berichteten chinesische Medien.

China wurde der weltweit größte Energieverbraucher im Jahr 2010 und überholte damit die USA. Das berichtete die „Statistical Review of World Energy“, jährlich herausgegeben von BP, am 8. Juni. Wenn sich die bisherigen Tendenzen fortsetzen, könnte China seinen Energieverbrauch bis 2020 fast vervierfachen.

 

 

 

 

 

Auf einem Gemüsemarkt in Zhengzhou (Provinz Henan). Laut jüngsten Angaben des nationalen Statistikbüros in China sind die Verbraucherpreise im Mai um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, gestiegen.Auf einem Gemüsemarkt in Zhengzhou (Provinz Henan). Laut jüngsten Angaben des nationalen Statistikbüros in China sind die Verbraucherpreise im Mai um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, gestiegen.Foto: ChinaFotoPress/Getty Images


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