Eine Verkäuferin hebt an ihrem Stand auf einem Markt in Peking Reis hoch. Seit Jahrzehnten haben große Mengen von Kadmium und andere toxische Schwermetalle Chinas Flüsse verschmutzt und durch Bewässerung sind diese auf die Reisfelder gelangt.Foto: Peter Parks/Getty Images

Chinas Problem mit kontaminierten Nahrungsmitteln

Von 10. März 2011 Aktualisiert: 10. März 2011 12:12

Seit Jahrzehnten verschmutzen große Mengen von Kadmium und anderen toxischen Schwermetallen die Flüsse Chinas. Durch Bewässerung gelangen diese dann auf die Reisfelder der Dörfer. Dorfbewohner klagen über Schmerzen in ihren Knochen. Einige essen schon ihren eigenen Reis nicht mehr, sondern verfüttern oder verkaufen ihn, wenn sie können.

Hunag Yunsheng, ein chinesischer Reisbauer, hat von seiner Ernte im Jahre 2010 nicht ein Pfund verkaufen können. „Die Hülsen der Körner sind tief schwarz. Keiner will den Reis kaufen. Wir selbst haben nicht gewagt, ihn zu essen und haben ihn an unsere Hühner und Schweine verfüttert.“ sagte Huang in einem Bericht der ‚Southern Weekly‘ am 6. Januar.

Huangs Unglück begann in den 1950er Jahren, als in der Nähe seines Dorfes in Xiangtan in der Provinz Hunan eine Mangangrube eröffnet wurde. Hunan ist eines der größten Anbaugebiete für Reis. Die Grube verpestete zuerst das Bergdorf mit staubiger Luft und verseuchte dann nach und nach das Wasser und das Erdreich.

Huang erklärte, dass die landwirtschaftlichen Erträge des Dorfes seit vielen Jahren immer mehr zurückgingen. Sein Land erbringt jetzt nur noch die Hälfte von dem, was es vorher erbrachte. Und die Felder, die noch näher an der Mangangrube liegen, erbringen gar nichts mehr.

Nach einem Bericht der Regierung im Jahre 2007 hat der Manganabbau die Flüsse in der Gegend verunreinigt. Doch im Jahre 2009 fanden die Dorfbewohner heraus, dass es sie noch schlimmer getroffen hatte: ihr Reis ist mit Kadmium belastet, einem extrem giftigen Schwermetall, das, wenn es in den Körper gelangt, Nierenschäden, Lungenemphysem, Knochenerkrankung und sogar Krebs verursachen kann.

Aber die Dorfbewohner zogen es vor, die Wahrheit zu verheimlichen, weil sie von irgendetwas leben mussten. Sie verkauften ihren Reis, wenn sie es konnten und kauften dann zu einem höheren Preis Reis für ihren eigenen Konsum aus anderen Gegenden. Das berichtete die ‚Southern Weekly‘.

Huang erklärte, dass die Regierung den Bauern Ausgleichszahlungen gewähre, aber diese reichten nicht einmal, neuen Reis zu kaufen.

Viele Dörfer in Hunan und anderen Reisanbaugebieten haben auch eine schlimme Verunreinigung in ihrem Reis durch Schwermetalle. Nach Aussagen chinesischer Behörden sind Millionen Hektar Ackerland durch Schwermetalle verunreinigt und mehr als 12 Millionen Tonnen Reiskörner sind kontaminiert. Nach einem kürzlich erschienenen Bericht in den offiziellen chinesischen Medien enthalten 10 Prozent des chinesischen Reis, ungefähr 20 Millionen Tonnen, große Mengen von Kadmium.

Die Menschen, die in den kontaminierten Gegenden leben, sind die ersten Opfer der Vergiftung durch Schwermetalle. Li Wenxiang, ein vierundachtzigjähriger Bauer im Dorf Sidi in der Provinz Guangxi, sagte der ‚Century Weekly‘, dass er schon nach einem kurzen Spaziergang unerträgliche Schmerzen in den Beinen und Füßen habe. Viele andere weiterer älterer Bewohner des Dorfes leiden auch darunter, erklärte Li.

Untersuchungen ergaben, dass das Bewässerungssystem des Dorfes schwer durch Kadmium belastet ist. Nach einem kürzlich erschienenen Bericht der ‚Century Weekly‘ ist das der Fall, seitdem sich seit 1960 ein staatseigenes Zinkbergwerk  15 Kilometer stromaufwärts vom Dorf befindet.

Laut Bericht vermuten mehrere Wissenschaftler, dass der Schmerz der Dorfbewohner in ihren Beinen und Füßen ein frühes Symptom der „itai-itai“ Krankheit ist, die zu einer Knochererweichung führt. Diese Krankheit ist in den 1960er Jahren bei Japanern beobachtet worden, die durch Kadmium verseuchten Reis verzehrt haben. Sie wurde so genannt, weil die Patienten immerzu klagten, wenn sie zu Fuß gingen. Das japanische Wort für das Klagen über Schmerzen ist „itai, itai“

Auch Tiere leiden

Hühner im Dorf legten Eier mit weichen Schalen und bei neugeborenen Kälbern wurde die Krankheit Osteomalazie festgestellt-Knochenerweichung.

Eine offizielle Diagnose ist bei den Dorfbewohnern von Sidi nicht gestellt worden und die Dorfbewohner sind nicht in der Lage zu beweisen, dass ihr Leiden auf Kontamination durch Schwermetalle zurückzuführen ist. Aber die Verunreinigung von Reis ist in der Region bekannt, weil in der Gegend viele Untersuchungen durchgeführt wurden. Junge Frauen sind sehr zurückhaltend, wenn sie in das Dorf einheiraten sollen und das staatliche Zentrum für den Aufkauf von Reis kauft den des Dorfes nicht. Das berichteten Anwohner den chinesischen Medien.

Unzureichende Vorschriften und mangelnde Überwachung der Herstellungsverfahren sind der Hauptgrund für die weit verbreitete Verschmutzung. Viele Bergwerke für Schwermetall unternehmen kaum etwas, um die Abfallprodukte korrekt zu entsorgen.

Über eine Arsengrube in der Provinz Yunnan wird zum Beispiel berichtet, dass Hunderte von Tonnen Arsenschlacke offen auf ungenutztem Land lagen, sodass durch den Regen das hochtoxische Arsen ins Grundwasser gelangen konnte. Der Arsengehalt in den Feldfrüchten der nahe gelegenen Regionen war 100 Mal höher als der empfohlene Höchstwert. So berichtete die ‚China Economic Weekly‘ am 21. Februar.

Laut Bericht wird ungeklärtes Schmutzwasser aus Industrieanlagen, das große Mengen von Schwermetall enthält, in die Flüsse und aus das Land geleitet, wo es dann in die Bewässerungssysteme und somit in den Reis gelangt.

Seit Jahrzehnten ist diese Verschmutzung den Bauern, Wissenschaftlern und Behörden bekannt, aber es wurde nicht viel unternommen, um dem ein Ende zu setzen. Wegen der höheren Kosten für „sauberen“ Reis sind viele Bauern gezwungen, ihren eigenen kontaminierten Reis zu verzehren.

Pan Genxing, Professor an der landwirtschaftlichen Universität von Nanjing, erklärte, dass es extrem schwierig sei, die Ressourcen zu bündeln und konzertierte Aktionen vorzunehmen, um dieses Problem zu behandeln, weil China immer mehr Ackerland als Bauland für Wohnungen nutze.

Auch die Politik der Zensur „schlechter Nachrichten“ hat dazu beigetragen, die Bauern über das Problem unwissend zu lassen und so dazu geführt, dass sie den kontaminierten Reis konsumieren und verkaufen.

Laut chinesischen Medien ist das Bekanntwerden der Verschmutzung darauf zurückzuführen, dass örtliche Beamte versuchen, von der Zentralregierung finanzielle Mittel für ihre Maßnehmen gegen die Umweltverschmutzung zu bekommen.

Peking hat einem Plan zugestimmt, der Umweltverschmutzung Herr zu werden, aber es gibt nur wenige Details darüber. Der Minister für Umweltschutz, Zhou Shenxian, teilte dem ‚Central People’s Radio‘ mit, dass die Behörden sich für eine strenge Kontrolle und Überwachung von Chemiefabriken und Produktionsbetrieben einsetzen werden.

Kritiker behaupten, dass die Behörden viel zu wenig tun

Wang Weiluo, ein chinesischer Wissenschaftler, der jetzt in Deutschland lebt, verlangte zu wissen: „Wie geht die chinesische Regierung mit den 10 Prozent des kontaminierten Reis um, der bereits auf dem Markt ist?“

Die ‚Century Weekly‘ berichtete darüber, dass man verhindern müsse, noch mehr Reis in kontaminierten Gegenden anzubauen.

„Solange Reis, der mit großen Mengen Schwermetall belastet ist, weiter wachsen darf, kommt er auch auf den Tisch der Leute und sie werden darunter leiden“, hieß es im Bericht.

Doch bis jetzt ist der Großteil der verseuchten Gegenden, einschließlich des Dorfes Sidi in Guangxi, nicht vom Anbau ausgeschlossen worden.

Die komplizierten Verkaufskanäle und fehlende Infrastruktur machen es den Händlern unmöglich zu entscheiden, ob ihr Reis kontaminiert ist oder nicht.

Dr. Chen Nengchang vom Institut für ökologische Umwelt und Bodenerforschung teilte ‚Southern Weekly‘ mit, dass China einfach kein Testsystem für Getreide habe.

„Niemand ist in der Lage zu sagen, ob durch große Mengen Schwermetall kontaminierter Reis auf den Tischen der Leute serviert wird“, erklärte Chen.

Artikel auf Englisch: China’s Toxic Rice Problem

 



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion