Der Börsengang der Bank of China

Von 6. Juni 2006 Aktualisiert: 6. Juni 2006 0:20
Ein Patient braucht frisches Blut

Ab 18. Mai 2006 debütierte die Bank of China am Hongkonger Aktienmarkt mit dem weltweit größten Börsengang seit sechs Jahren. Am vergangenen Donnerstag sind die ohnehin schon hohen Erwartungen noch übertroffen worden. Die Aktien der zweitgrößten chinesischen Bank legten am ersten Handelstag um 15 Prozent zu. Die Anleger nahmen sie begierig auf. Finanzexperten stehen dem jedoch sehr skeptisch gegenüber: Kurzfristig werde es Gewinne durch die Ausgabe geben, aber die Aussichten seien voller Risiken und viele der in Hongkong gehandelten Aktien problematisch, so die Hongkonger Wirtschaftsexpertin und Chefredakteurin des Hongkonger Open Magazine, Cai Yongmei.

Chinas Staatsbanken suchen ausländisches Kapital, um innere Krisen zu lösen
Die Bank of China plante, weltweit 25,5 Mrd. Aktien zu Preisen von 0,32 bis 0,39 US-Dollar zu verkaufen. Nach Aussage der Bank bringe das mindestens 9,9 Mrd. US-$Dollar ein. Aus der Angst heraus, die Hongkonger Investoren könnten der Sache skeptisch gegenüberstehen, werden nur fünf Prozent der 25,5 Mrd. Aktien direkt in Hongkong verkauft. Die Bank of China ist die zweitgrößte der vier staatseigenen Banken Chinas. Nach der Bank of Communication und der China Construction Bank ist sie nun die dritte Bank, die am Hongkonger Aktienmarkt Kapital finden muss. Im vergangenen Juni war die Bank of Communication für 19 Mrd. US-Dollar als erste von Chinas staatseigenen Banken an den Hongkonger Aktienmarkt gegangen. Im vergangenen Oktober brachte die China Construction Bank Aktien im Wert von 9,2 Mrd. US-Dollar auf dem Hongkonger Aktienmarkt unter. Die größte chinesische Staatsbank, die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), plant in diesem Jahr eine Aktien-Emission mit erwarteten 12 Mrd. US-Dollar.
Chinas staatseigene Banken waren in den letzen Jahren immer wieder von Skandalen überschattet. Zhang Enzhang, Vorstandsvorsitzender der China Construction Bank, wurde im vergangenen März wegen Korruption entlassen; der Präsident der Bank of China, Wang Xuebin und der Verantwortliche für Hongkong, Liu Jinbao, sind wegen Unterschlagung entlassen worden. Nach der Enthüllung eines Wertpapierbetruges in Höhe von 1 Mrd. Yuan  bei der Bank of China kamen weitere Fälle von Betrug von über 300 Millionen Yuan bei der China Construction Bank und ein Kreditbetrug von über 1,5 Mrd. Yuan bei der Agricultural Bank of China ans Licht.
Mehr faule Kredite als Eigenkapital
Die Bank of China schleppt einen Schuldenberg mit sich herum und verlor große Mengen Staatskapital. Experten meinen, die Bank sei quasi insolvent und dem Bankrott nahe. Selbst die Pekinger Regierung erkennt an, dass sich die faulen Kredite in den chinesischen staatseigenen Banken auf 240 Mrd. US-Dollar belaufen und rund 25 Prozent der gesamten Kredite betragen. Im Sonderbericht zu den NPLs (Non Performing Loans), den faulen Krediten des chinesischen Bankwesens, den die internationale Bewertungsfirma Fitch Ratings am 30. Mai veröffentlicht hat, heißt es, dass in den Bilanzen der chinesischen Banken faule Kredite in Höhe von 220 Mrd. US-Dollar schlummern, ein Drittel mehr, als die Banken an Eigenkapital in ihren offiziellen Bilanzen angegeben haben.
Interessant ist auch das erste Ergebnis des Jahresberichts 2005 der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, in dem die faulen Kredite von Chinas Banken auf 911 Mrd. US-Dollar geschätzt wurden und somit 75 Prozent der faulen Kredite weltweit ausmachen würden. Von 358 Milliarden US-Dollar an Problemkrediten war der Bericht allein bei den vier großen Staatsbanken Bericht ausgegangen. Dieser alarmierende Bericht, der kurz von dem Börsengang der Bank of China am 4. Mai veröffentlicht wurde, stieß auf starken Protest der chinesischen Regierung. Ernst & Young gab dem Druck nach und revidierte den Bericht. Er sei „nicht durch den normalen internen Prüfungs- und Billigungsprozess gelaufen“. „Beobachter spekulierten, ob die Wirtschaftsprüfer eventuell ihre Geschäfte in China in Gefahr gesehen und sich deswegen zum Rückzug entschieden haben.“, so das Magazin Der Spiegel.
Risiken auf die ausländischen Märkte abwälzen
Finanzexperten sehen die Börsegänge der chinesischen Staatsbanken als Zeichen für das zusammenbrechende chinesische Finanzsystem. Die Banken versuchen diese schwelende Krise zu lösen, indem sie Kapital außerhalb von China suchen. Die Hongkonger Wirtschaftsexpertin Cai Yongmei erklärte: „Die Banken wären alle bereits bankrott, würde der chinesische Staat sie nicht am Leben erhalten. In China werden viele wirtschaftliche Transaktionen durch den Staat durchgeführt, und man braucht die Banken, um mit dem Geld der Bürger zu arbeiten. Obwohl die Banken noch arbeiten, stecken sie voller Risiken. Der Zweck des Börsengangs in Hongkong ist, die Risiken auf die ausländischen Märkte abzuwälzen. Die endgültige Krise der chinesischen Regierung beginnt wahrscheinlich durch eine Finanzkrise.“ Sie glaubt, der Börsengang sei für die Kommunistische Partei nicht ohne Risiko, da die Bank jetzt Teil des internationalen Finanzverbundes sei. „Jetzt, da sie Teil des internationalen Finanzverbundes ist, verliert sie ihren Rückhalt im Fall einer Finanzkrise. Dann würde nicht nur die Bank, sondern auch die fragile kommunistische Regierung nach unten gezogen.“
Der Vorstandsvorsitzende der Bank of China, Xiao Gang, behauptet, die Bank arbeite gut und habe eine prosperierende finanzielle Zukunft. Frau Cai kann dem nicht zustimmen, sie zweifelt an der Verlässlichkeit  der Zahlen der Kommunistischen Partei und hält dafür, dass die KP den Investoren daher überhaupt keine Sicherheit bieten könne.
Finanzberichte voller Fehler
Die Chefredakteurin der Hongkonger Zeitung fährt fort, dass allen der Einfallsreichtum der KP beim Fälschen von wirtschaftlichen Statistiken bekannt ist. Deren Statistiken seien so einmalig, das sie niemand glaube. Die Zahlen der Bank of China, die diese für den Börsengang herausgab, seien keinesfalls glaubwürdig, der Besitz der Aktie auf längere Zeit sehr risikoreich. Die Finanzberichte strotzten vor Fehlern und könnten keiner unabhängigen Überprüfung standhalten. Da die Firmen aber staatseigen seien, glaubten viele Investoren, dass der Staat sie auch stützen werde. Aber, so Cai, viele ihrer Bekannten hätten beim Investieren in chinesische Staatsbetriebe viel Geld verloren.
Die Wirtschaftsexpertin sieht voraus, dass Chinas Banken wegen der konspirativen Verquickung der Banken mit der kommunistischen Regierung weiterhin Skandale produzieren würden, die Bank of China sei da keine Ausnahme. Als bestes Beispiel nannte sie den ehemaligen Präsidenten der Bank of China, Wang Xuebin. Er unterschlug Staatseigentum in großen Mengen und wandelte es in sein Privateigentum um. Als der Skandal aufflog, wurde er nicht etwa angeklagt, sondern lediglich bei einer anderen Bank „entsorgt“, heute arbeitet er bei der Construction Bank of China.
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