Greenpeace: 400 Millionen Chinesen gefährdet durch Jangtse

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Epoch Times6. September 2010

Ein neuer kurzer Bericht von Greenpeace, „Schwimmen in Gift“ betitelt, analysiert das Vorherrschen von gefährlichen Chemikalien im Jangtse-Fluss und in seiner Fauna. Er zeigt auf, wie die Fische des Flusses mit einer Vielfalt von Giften durchsetzt sind und wie der Fluss ansonsten schwer verschmutzt ist.

Der Jangtse ist der längste Fluss in China und einer der längsten der Welt. Ein Drittel der Bevölkerung Chinas lebt in der Nähe seiner Ufer und bezieht daraus sein Süßwasser, ebenso die 20 Millionen Einwohner Shanghais; seine Gesundheit bezieht die Gesundheit von 400 Millionen Chinesen mit ein, seine Gefährdung ebenso.

Der Strom erhält mehr Abfall als irgendein anderer in China von Fabriken, Schwerindustrie, Düngemitteln, Schädlingsbekämpfungsmitteln und Unkraut-Vernichtungsmitteln.

Studie von Greenpeace

Die Studie von Greenpeace fand gefährliche Chemikalien in fast jeder Karpfen- und Welsprobe. Laut dem Bericht „waren unter den identifizierten Substanzen Chemikalien, die für wasserabstoßende Mittel in Produkten wie Nahrungsmittelverpackungen, Kleidung, Teppiche und Leder verwendet werden. Greenpeace fand auch … Derivate, die in Reinigungsmitteln, Textil- und Lederfinish häufig verwendet werden.“

„Wie man längst bewiesen hat, sind diese künstlichen Chemikalien für lebende Organismen sehr gefährlich. Sie können als ein das Hormonsystem störendes Gift wirken und sich im Körper über lange Zeitspannen einlagern“, stellt der Bericht fest. Die Produktion von einigen der hier entdeckten heimtückischeren Chemikalien wurde in anderen Ländern reduziert, aber in China steigt sie an.

Viele der Ergebnisse sind nicht bahnbrechend. Ein 2006 erschienener Untersuchungsbericht von Chinas Umweltschutzministerium gab bekannt, dass 20.000 chemische Werke in China existierten, fast die Hälfte davon an den Ufern des Jangtse-Flusses.

Wu Lihong, ein Umweltaktivist mit dem Spitznamen „Taihu-Wächter“, hat viele Jahre lang die Verschmutzung im Taihu-See studiert, der in der Nähe des Jangtse liegt. Er sagte der Epoch Times, dass gemäß seinen Schätzungen die Zahl der chemischen Fabriken an den Ufern des Jangtse noch höher sein könnte als offizielle Berichte angeben.

Als Beispiel führte er an, dass es vor 2007 etwa 2.800 chemische Fabriken alleine in der Stadt Yixing in der Provinz Jiangsu gab, einer am Ufer des Taihu-Sees gelegenen Stadt mit 1.6 Millionen Einwohnern. Die Kommunalverwaltung behauptete später, dass sie viele der Fabriken geschlossen hätten, aber laut Wu Lihong wurden nur einige sehr kleine chemische Werke geschlossen, während die Hauptverschmutzer weiterhin arbeiteten.

Die chinesische Regierung verhält sich nach dem System „Behandlung erst nach der Verschmutzung“-Politik, sagte Wu, was bedeutet, dass die Bürgerschaft letzten Endes stillschweigend leidet, außerstande die Verschmutzung zu beenden, bevor sie sich nicht in ein Medienereignis verwandelt hat. „Wegen der im Taihu-See gefundenen extremen Verschmutzung fingen wir stattdessen an, Wasser aus dem Jangtse zu trinken. Wenn das Wasser aus dem Jangtse, wie im Bericht festgestellt wurde, so schockierend schlecht ist, könnten die Ergebnisse sehr schrecklich sein.“

Katz und Maus trotz Umweltkrise

Wu glaubt, dass Umweltverschmutzung in China schwer in den Griff zu bekommen ist, weil die Kommunalverwaltungen ihre eigenen Interessen zu schützen versuchen. Anordnungen, die „von Oben“ gegeben sind, haben wenig Wirkung auf lokaler Ebene. Die Umwelt ist jetzt ein empfindliches politisches Thema auf dem chinesischen Festland: „Wegen der kommenden Konferenz der Vereinten Nationen für die Umwelt in Mexiko und dem Misserfolg, zu einer Übereinstimmung während der letzten Sitzung in Kopenhagen zu kommen, versuchen Festland-Medien, diese empfindlichen Themen zu meiden.“

Wu glaubt, dass das Schließen der untauglichen Fabriken der Schlüssel ist, das Wasserverschmutzungsproblem zu beheben. „Jedoch beim Versuch, politischen und wirtschaftlichen Erfolg zu erreichen, arbeitet die Kommunalverwaltung konträr zur Hauptregierung, in der Tat spielen sie Katz und Maus. Das ist ein sehr kompliziertes Thema“, sagte Wu, und fügte hinzu, dass zurzeit nur über das Verschmutzungsproblem geredet oder während langer Sitzungen diskutiert wird; richtig unternommen wurde nichts.

Ein transparenter Bewertungsprozess der Umweltauswirkungen mit öffentlicher Beteiligung wäre entscheidend: „Welche Umweltbedrohung schafft [ein neues Werk] potenziell für den Jangtse oder Taihu-See? Welchen Einfluss haben sie auf die lokale Umgebung? Wir müssen echte Daten und nicht gefälschte Zahlen sehen, und die Daten müssen öffentlich verfügbar sein.“

Noch vor zwei Jahrzehnten gab es wenig Verschmutzung und das Land hatte kein Bedürfnis nach so etwas wie dem „Umweltschutz-Musterstadt-Preis“. Heute, mit so viel Verschmutzung, sind alle Städte um den See plötzlich eine „Muster-Umweltschutz-Stadt“ geworden. Wu stellte fest, „in dem Versuch, sich in einem günstigen Licht darzustellen, zieht die Regierung Werbeprojekte mit betrügerischen Zahlen auf, die ihren angeblichen Erfolg zeigen sollen; und sie müssen einige Lügen einbauen, um die breite Öffentlichkeit zu täuschen.“ Jedoch weist der Bericht von Greenpeace International klar darauf hin, dass „China in Wirklichkeit in einer Umweltkrise steckt.“

Originalartikel auf Chinesisch: 大纪元 – 长江污染严重 危及186座城市4亿民众

Artikel auf Englisch: Heavily Polluted Jangtse River Endangers 400 Million Chinese

 

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