Kreist der Pleitegeier bereits über China?

Von 11. November 2011 Aktualisiert: 11. November 2011 1:39
Professor Lang Xianping, Wirtschaftsprofessor der Chinesischen Business School in Hongkong, hielt am 22. Oktober in Shenyang, China, einen bemerkenswerten Vortrag über Chinas Wirtschaft. Der Artikel ist eine Zusammenfassung der Rede.

Lang Xianping hat am Beginn seines über dreistündigen Vortrags darum gebeten, dass keine Video- und Audioaufzeichnungen gemacht und dass nicht im Internet darüber geredet werden sollte. Wie ernst das gemeint war, wussten die Zuhörer wohl besser, denn sie stellten bei Youtube einen Mitschnitt ins Netz.

Als Larry Lang hatte Lang Xianping bis Februar 2006 eine viel beachtete Wirtschafts-Talkshow, „Larry Lang Live“ auf Shanghai Cable TV 1 gehalten. Sie wurde aus unbekannten Gründen abrupt abgesetzt. Trotzdem nimmt er kein Blatt vor den Mund und machte sich bei seinem Vortrag in Shenyang mit Sachkenntnis und viel Sarkasmus über Chinas Regierung und deren Medien lustig.

ZITAT: „Schaut mal was unsere Medien jeden Tag berichten: Schuldenkrise in den USA! Wenn die Amerikaner eine Krise haben, berichten unsere Medien das voller Begeisterung. Eurokrise! Habt ihr gesehen? Griechenlandkrise! Unsere Regierung redet noch davon, Griechenland zu helfen…Ich sage dir, jede Provinz von China ist ein Griechenland! Hast du mich verstanden? Die Schulden von Griechenland sind niedriger als die Schulden des Hongkou Distrikts. Ich sage dir, von wegen Griechenland helfen, hilf dir selbst.“

Während sich die chinesische Regierung national und international als Retter Griechenlands und des Euro profilieren will, wächst ihr der eigene Schuldenberg bereits über den Kopf. Mit einem Verschuldungsgrad von 46 Prozent und Schulden in Höhe von 15 Milliarden Yuan (etwa 1,7 Milliarden Euro) schneidet etwa der Minhang Distrikt von Shanghai im Gegensatz zu anderen Stadtteilen noch vergleichsweise „gut“ ab. Der Fengxian Distrikt führt die Statistik mit einen Verschuldungsgrad von 200 Prozent an. Keiner der Distrikte ist in der Lage, seine Schulden zurückzuzahlen. Während die chinesische Regierung über die Rettung von Griechenland schwadroniert, befindet sich in Wirklichkeit jede chinesische Provinz in einer ebenso großen Finanzkrise wie Griechenland.

ZITAT: „…Manche fragten mich: `Professor Lang, warum weiß ich nichts davon?` Das ist der Grund, warum du zu diesem Vortrag gekommen bist… Warum weißt du nichts davon? Außer dem Bildungs- und Fähigkeitsunterschied zwischen uns, die Regierung gab die Anweisung `es darf nicht berichtet werden`. Verstanden?“

Unter der Führung der kommunistischen Partei prognostizierte China für das Jahr 2011 voller Stolz eine Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 9,1 Prozent und eine Inflationsrate von 6 Prozent. Die Zahlen erwecken den Eindruck einer gesunden Wirtschaftsentwicklung, solange sie als glaubwürdig angenommen und nicht genauer studiert werden. Das tatsächliche Wachstum ist die Differenz zwischen den beiden Zahlen und beträgt etwa 3 Prozent. Aber wenn die Inflationsrate Chinas, wie in einem Wirtschaftsforum angekündigt, 16 Prozent beträgt, hat die chinesische Wirtschaft ein negatives Wachstum. Bei genauerer Betrachtung der chinesischen Wirtschaft wird klar, dass die chinesische Wirtschaft alles andere als gesund ist.

Wovon lebt man in China?

Laut offiziellen Berichten hatte China im Jahr 2010 ein BIP von mehr als 39 Billionen Yuan (etwa 4,5 Billionen Euro). Das scheint eine glänzende Leistung zu sein und ist genau das, was die chinesische Regierung der Welt zeigen möchte. Der Erfolg eines chinesischen Beamten wird mit zwei Kennziffern beurteilt: Das „regionale BIP“ und das Volumen an Fremdinvestitionen. Daher interessieren sich die Beamten nicht für Umweltschutz, Verschwendung von Ressourcen oder Rechtsschutz der Mitarbeiter.

Um die Zahlen des BIP positiver darzustellen, werden viele öffentliche Bauprojekte verwirklicht, wie zum Beispiel der größte Verkehrsknotenpunkt der Welt (bestehend aus Regional- und Fernbahnhof, Flughafen, Busterminals und Autobahn), der „Hongqiao-Verkehrsknoten“ in Shanghai. Ob ein solches Bauprojekt überhaupt benötigt wird, kümmert niemanden. Hauptsache, man treibt durch ein so großes Projekt das BIP in die Höhe. Ein staatliches Unternehmen ist zuständig für dieses Projekt. Es hat einen Kredit in Höhe von 20 Milliarden Yuan bekommen und kann nun das Geld nicht zurückzahlen.

„Ich halte mich fern von dieser Sauerei“

Tatsächlich erwächst das chinesische BIP zu 70 Prozent aus staatlich geförderten Projekten wie dem Straßenbau. Diese vielen überflüssigen Straßen bringen aber keinen wirklichen Gewinn. Von den etwa 140.000 Kilometer Mautstraßen, die weltweit existieren, liegen allein 100.000 Kilometer in China. Die durchschnittlichen Mautgebühren betragen mehr als das Dreifache von denen in den USA. Ein Beispiel in den chinesischen Medien zeigt ein Produkt, das von Chongqing nach Xi’an transportiert wurde. 95 Prozent des Verkaufspreises dienen zur Deckung der Transportkosten. Diese Situation ähnelt derjenigen in der Sowjetunion kurz vor dem Zusammenbruch. Damals wurden 70 Prozent des BIP in den Aufbau des Militärs gesteckt und eine solche Investition bringt dem Land ebenfalls keinen Gewinn.

Im Jahr 2010 investierte die chinesische Regierung 27,8 Billionen Yuan in verschiedene Bauprojekte. Die Steuereinnahmen in diesem Jahr betrugen jedoch nur 8 Billionen Yuan. Die Differenz in Höhe von 19,8 Billionen Yuan bekommt die Regierung von den Banken. Aber die Regierung ist nicht einmal in der Lage, die Zinsen zu zahlen. Am 26. April erklärte die Provinz Yunnan als erste ihre Zahlungsunfähigkeit, danach folgten die Provinzen Sichuan und Guangdong und schließlich Shanghai. Ein Beamter aus der Stadt Zhengzhou sagte: „Eigentlich haben wir nicht einmal das Geld, um die Löhne und Gehälter bis Ende des Jahres zu bezahlen. Ich musste dafür Geld ausleihen. Aber egal, ich suche mir im nächsten Jahr eine andere Stelle und halte mich fern von dieser Sauerei.“

Weltfabrik mit minimalen Gewinnspannen

China lebt nicht von seinem glänzenden BIP, sondern von den Steuereinnahmen. 85 Prozent der Steuern stammen von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Ein großer Teil dieser Unternehmen gehört zur produzierenden Industrie. Dabei muss betrachtet werden, dass in China die Gewinnspanne dieser Industrie aufgrund von Dumpingpreisen und Schlüsselkomponentenpolitik sehr gering ist. Nachdem China sich selbst als „Weltfabrik“ definiert hatte, verzichtete es fast vollständig auf Produktentwicklung, Schlüsselkomponententechnik und Logistik (das wurde anderen überlassen) und konzentrierte sich auf die Produktion. Dadurch hat China beinahe jeden Einfluss auf die Preise verloren.

Das kann am Beispiel des iPhone erklärt werden. Das iPhone wird von Apple entwickelt, seine Schlüsselkomponenten werden in den USA, Korea, Taiwan und Japan und der Rest wird in China produziert. Beim Verkauf eines iPhone bekommt Apple 360 US-Dollar, Produzenten der Schlüsselkomponenten bekommen 187 US-Dollar und die chinesische Firma bekommt 6,54 US-Dollar. Nach Abzug der Herstellungskosten bleiben der chinesischen Firma nur noch ein paar Dutzend Cent als Gewinn. Tatsache ist, die chinesische produzierende Industrie hat eine durchschnittliche Gewinnspanne von weniger als 3 Prozent.

Die Krise der kleinen und mittelständischen Unternehmen in China

Die kleinen und mittelständischen Unternehmen befinden sich zurzeit in großen Schwierigkeiten. Obwohl China von den kleinen und mittelständischen Unternehmen lebt, werden solche Unternehmen oft benachteiligt und sehr stark belastet. Im Jahr 2010 zahlten die Unternehmen etwa 70 Prozent ihres Bruttogewinns an die Regierung. Ein kleiner Supermarkt muss beispielsweise 15 verschiedene Arten von Steuern und Gebühren bezahlen.

Die Untersuchung eines Gemüsemarktes in Shanghai macht dieses Problem klar. Die Bauern verkauften ihre Gemüse für 0,3 Yuan an einen Großhändler. Dann wurde das Gemüse an einen Zwischenhändler verkauft, danach folgte ein Einzelhändler. Als das Gemüse zum Kunden kam, kostete es 1,2 Yuan. Aber keiner hat etwas daran verdient, die 0,9 Yuan Differenz waren Verwaltungsgebühren und verschiedene Steuern. Dabei war der Gesamtweg kürzer als ein Kilometer, und das alles geschah innerhalb eines Tages.

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ZITAT: „In der letzten Zeit beschimpfe ich jeden Tag das Statistik-Ministerium. Der Minister war wütend auf mich und widersprach mir eines Tages vor den Medien. Er sagte: `Professor Lang meint, dass wir nichts von Zahlen verstehen`. Er streckte drei Finger aus und sagte, mit fünf Wörtern widerlege ich ihn `Das ist doch alles Quatsch!‘“

Kreditklemme und Wucherzinsen

Nicht nur die hohen Steuern und Gebühren machen den kleinen und mittelständischen Unternehmen das Leben schwer, sie haben auch große Schwierigkeiten, sich zu finanzieren. Die chinesische Regierung hat seit letztem Jahr fünfmal den Zinssatz und zwölfmal die Eigenkapitalreserve von Banken erhöht. Diese Maßnahmen führten dazu, dass die kleinen und mittelständischen Unternehmen sehr schwer an Kredite kommen.

Die Banken in China machten die Situation noch einmal schwieriger, indem sie selbst ein Ranking für Unternehmen erfanden. Zum Beispiel definierte die China Everbright Bank intern, dass nur Unternehmen mit einem Umsatzvolumen von mehr als 20 Millionen Yuan und einem Eigenkapital über 5 Millionen Yuan als kleines oder mittelständisches Unternehmen bezeichnet werden können. Diejenigen, die diese Anforderungen nicht erfüllen, heißen „Miniunternehmen“ und bekommen keinen Kredit. Nach dieser Definition sind 97 Prozent von den mehr als 100.000 Unternehmen in der Stadt Nanpu Miniunternehmen. Dennoch bekommen nur 10 Prozent der Unternehmen, die die Anforderung der Banken erfüllen, einen Kredit. Deshalb sind die chinesischen kleinen und mittelständischen Unternehmen gezwungen, Wucherkredite aufzunehmen und müssen teilweise einen Jahreszinssatz von mehr als 48 Prozent in Kauf nehmen.

ZITAT: „Nachdem ich bis hierher erklärt habe… wie fühlt ihr euch? Seid ihr erschüttert oder verzweifelt? Sind alle geschockt? Ich sage euch, wenn euch bis jetzt nur ein Schauer den Rücken herunterläuft, dann seid ihr noch zu optimistisch. Heute Nachmittag werde ich noch erschreckendere Tatsachen berichten.“

Steigende Personalkosten und Effizienz

Auch steigende Personalkosten spielen für die Schwierigkeiten der Unternehmen eine große Rolle. Kurz nach Erlass des Arbeitsvertragsgesetzes im Jahr 2008 befand sich ein Drittel der produzierenden Industrie in Schwierigkeiten. Nach einem Bericht der Boston Consulting Group haben sich bereits viele amerikanische Unternehmen in China aufgrund steigender Personalkosten entschieden, ihre Produktion in die USA zurückzuverlagern. Zum Beispiel hat Ford bereits 12.000 Arbeitsplätze von China in die USA verlegt, weil die Effizienz der amerikanischen Arbeiter das 4- bis 7-fache von der der Chinesen beträgt.

Durch die Finanzkrise im Jahr 2008 ist die Exportrate von China innerhalb eines Monats von 30 Prozent auf -2,2 Prozent gesunken. Im Jahr 2009 sank der Export im Vergleich mit 2008 um 16 Prozent. Der Binnenmarkt kann aber nur die Hälfte der Produktion aufnehmen. Daher können die Unternehmen ihre Waren nicht mehr verkaufen.

Im Jahr 2008 sind 20 bis 30 Prozent aller kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Provinz Guangdong bankrott gegangen. Im Jahr 2010 begann eine weitere Krise für die chinesische produzierende Industrie. Prognosen zufolge wird bei 40 Prozent aller chinesischen kleinen und mittelständischen Unternehmen bis Ende des Jahres Produktionsstillstand herrschen.

ZITAT: „Im Juli (2010) als Wen Jiabao in Europa war … sagte er: `Korruption plus Inflation wird das Regieren unserer Partei beeinträchtigen`. … Als ich das hörte, bekam ich eine Gänsehaut … Ich bin nicht der Meinung, dass er das Problem von Korruption lösen kann. Ich dachte, dass er gegen Inflation kämpfen wird. Wenn er das tut, wird er die chinesischen Privatunternehmen in einen einmalig kalten Winter bringen.“

Die Finanzkrise und die Inflation

Der Ruin der Steuerzahler, von denen 85 Prozent der Steuern von China stammen, ist nicht das einzige große Problem. Die Kombination von Finanzkrise und Inflation bringt die chinesische Regierung in eine ausweglose Situation.

Im Jahr 2008 investierte die chinesische Regierung 4 Billionen Yuan in den Aufbau der Infrastruktur. Dies diente dazu, damals überschüssigen Stahl und Zement zu verbrauchen und gegen die Wirtschaftskrise anzukämpfen. Die vielen Baustellen zeigten ein täuschendes Bild von boomender Wirtschaft. In Wirklichkeit haben diese Investitionen nur viele leere Straßen und einen Schuldenberg hinterlassen. Seit April sind fast alle Provinzen und Städte in China zahlungsunfähig. Die vielen Investoren können ihr Geld nicht wiederbekommen und als Folge fehlt es an Kapital auf dem Aktienmarkt. Seit April sank der Aktienindex in Shanghai von etwa 3000 auf etwa 2300. Die chinesischen Medien bezeichneten den Grund als „fehlende Liquidität“. Nachdem der Aktienmarkt angeschlagen ist, wird eine Bankenkrise entstehen. Diese Fakten erklären die Entscheidung der Regierung, dass Shanghai das Recht zur Vergabe „regionaler Anleihen“ bekam. Das bedeutet im Prinzip neue Schulden zu machen, um alte Schulden abzubauen. Amerikanische Institute schätzen den Anteil an faulen Krediten bei chinesischen Banken auf bis zu 12 Prozent und sagen voraus, dass mit 60 Prozent Wahrscheinlichkeit im Jahr 2013 eine große Finanzkrise in China ausbrechen würde.

ZITAT: „Ich sehe in nahezu allen Bereichen in China das Problem der Überschusskapazität, bis auf die Nachtklubs. Warum gibt es keinen Überschuss an Nachtklubs? Weil unsere Regierung großen Bedarf an Sitzungen hat und wenn sie Sitzungen haben, gehen sie nachher zum Karaoke.“

Hohe Inflation und Luxuswaren

Die hohe Inflation ist ein weiteres Problem, das die chinesische Wirtschaft lahmlegen kann. Um die vielen Projekte vorantreiben zu können, hat China die Druckerpresse angeworfen. In China sind jetzt etwa 78 Billionen Yuan im Umlauf, das entspricht 12 Billionen US-Dollar und liegt etwa 30 Prozent über der Geldmenge in den USA. Wegen der hohen Inflation ist die Kaufkraft gesunken. Nach einer Umfrage der chinesischen Zentralbank beabsichtigen 80 Prozent aller Verbraucher zu sparen. Andere sind gerade wegen der Inflation bereit zu investieren, um den Wert des Geldes zu sichern.

Tatsächlich sagten 14 Prozent alle Befragten, dass sie mehr Geld ausgeben wollen. Aber wie oben erwähnt, befindet sich die chinesische Industrie in einer sehr schwierigen Lage. Daher wird kein Geld in die Industrie investiert, sondern für Luxuswaren ausgegeben. Zum Beispiel stieg in diesem Jahr der Verkauf von Ferrari um 50 Prozent und von Rolls-Royce um 170 Prozent, während der Markt von Klein- und Mittelklassewagen stark geschrumpft ist. Dieses Phänomen kann in nahezu jeder Branche in China beobachtet werden. Der Markt für Luxuswaren blüht auf und der Markt der mittelständischen Waren schrumpft. Wenn nicht weiterhin in die Industrie investiert wird, wie wird die Zukunft der chinesischen Wirtschaft aussehen?

Durch die zahlreichen Fehlentscheidungen der Regierung befindet sich die chinesische Wirtschaft in einer nahezu ausweglosen Situation. In der Zwickmühle zwischen einer galoppierenden Inflation und einer schwer angeschlagenen Wirtschaft bleibt nahezu kein Handlungsspielraum mehr. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis alle diese Probleme ans Tageslicht kommen und klar wird, dass die chinesische Regierung pleite ist.

ZITAT: „Wenn ich euren Gesichtsausdruck sehe, erkenne ich, dass ihr mich verstanden habt.“

 

Weitere Informationen: Der Link zur Rede

(http://www.youmaker.com/video/svgb-962c22e2919f421b824ef3456c839129001.html)