Gehen die Olympioniken so an den Start? Läufer vor dem Olympiastadion in Peking. (Guang Niu/Getty Images)

Luft in Peking: „Wenn wir den Daten nicht trauen können sind wir alle verloren!…“

Epoch Times8. Mai 2008
Laut einem Pekinger Bericht zur Luftverschmutzung, den der IOC überreicht bekam, sei eine Gefährdung der Sportler während der Spiele ausgeschlossen. Ob den Zahlen zu trauen ist fragten wir den Vorsitzenden der Medizinischen Kom­mission des IOC, Arne Ljungqvist, und den chinesischen Umweltexperten Zheng Yi.

Smog in Peking, Rückstände in Nahrungsmitteln, schwere Menschenrechtsverletzungen, Tibet, Xinjiang (das Land der Uighuren), Falun Gong. Je näher die Olympischen Spiele rücken, umso deutlicher zeichnen sich die Defizite des kommunistisch-diktatorisch regierten Landes vor der Weltöffentlichkeit ab. Für die Sportler selber könnte vor allem die Luftqualität zu einem Problem werden. Peking ist eine der Metropolen mit der höchsten Luftverschmutzung weltweit. Kann Peking, dessen Feinstaubwerte den Jahresrichtwert der WHO derzeit um das vier- bis achtfache übersteigen, über die 16 Spieltage angemessen saubere Luft garantieren?

Laut einem im März veröffentlichen Bericht des IOC wurden Pekinger Luftschadstoffwerte von einer Spezialistengruppe nach internationalen Standards überprüft und man kam zu dem Schluss, dass die Luftqualität in Peking im kommenden August kein großes Problem sein dürfte. Wie der Vorsitzende der medizinischen Kommission des IOC, Arne Ljungqvist, gegenüber Epoch Times Deutschland näher ausführt, habe man dazu das städtische Pekinger Umweltamt um Daten über die Luftqualität gebeten, nicht das Organisationskomitee. „Sie gaben uns die Daten nach einigen Diskussionen, es dauerte eine Weile, aber wir bekamen sie“, so Ljungqvist.

Auf die Frage, ob man den Daten eines chinesischen staatlichen Amtes überhaupt trauen könne, antwortete Ljungqvist: „Das sind Daten vom Pekinger Umweltamt, das ist das erste Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele, dass wir nach den Daten der Luftqualität fragen, weil es so viele Diskussionen darüber gegeben hat. Aber wenn wir den Daten nicht trauen, die wir bekommen, dann sind wir alle verloren. Natürlich trauen wir den offiziellen Ämtern.“

Nimmt das IOC diese Probleme ernst genug? Die Epoch Times Deutschland hat hierzu den Umweltexperten Yi Zheng befragt. (Teil I)

ETD: Laut dem IOC-Bericht soll die Luftqualität in Peking während der Olympischen Spiele keine gesundheitliche Gefahr für die Athleten darstellen. Der Bericht basiert auf Messdaten des Pekinger Umweltamtes. Herr Zheng, wie schätzen Sie die Glaubwürdigkeit der Daten einer staatlichen chinesischen Behörde ein?

Zheng Yi: Die Kommunistische Partei hat schon seit Langem eine Tradition, und diese heißt lügen. Es ist für sie gar nicht mehr möglich, die Wahrheit zu sagen, egal ob es um kleine oder große Angelegenheiten geht. Was die Messdaten der Luftqualität in Peking angeht, in westlichen Ländern läuft das meistens ehrlich ab. Die Leute kommen vielleicht nicht einmal auf die Idee, an diesen Messdaten zu drehen. Die Luft wird vom Messgerät gemessen, die Daten werden ausgewertet und veröffentlicht. So einfach denken die Menschen im Westen. Wenn man immer nur in einer demokratischen Gesellschaft gelebt hat, hat man keine Vorstellung davon, wie umfassend die Gedankenkontrolle eines diktatorischen politischen Systems sein kann.

ETD: Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Zheng Yi: 1999 wurde, um die Olympischen Spiele beantragen zu können, eine Kampagne zur Verbesserung der Luftqualität gestartet. Pekinger Bürger wurden angehalten, die Stadt zu säubern. Es wurden massenweise Blumentöpfe aufgestellt. Es wurde dazu aufgerufen, keine Kohle mehr zu verheizen, viele kleine Straßenimbisse mussten schließen. Kurz nach der Kampagne berichtete die Behörde schon über eine eindeutige Verbesserung der Luftqualität. Sie sei so gut, dass man die Messdaten mit denen vieler großer europäischer Städte vergleichen könne. Aber jeder, der etwas wissenschaftliche Kenntnisse hat, weiß, dass es kaum möglich, in so kurzer Zeit allein durch eine Verwaltungsaktion die Luft zu verbessern.

Später kam heraus, dass die Behörde die Daten manipuliert hatte. Sie hatten 15 Meßpunkte dazugenommen. Zuvor gab es 12 Meßstellen, die sich in der Innenstadt und in Außenbezirken befanden. Der offiziell angegebene Grund, 12 Meßstellen würden zu wenig Fläche abdecken und könnten die Luftqualität nicht vollständig erfassen, klang plausibel. Das Interessante dabei war, dass die neu dazugekommenen Stellen an Plätzen lagen, wo die Luft relativ gut war, beispielsweise im Botanischen Garten in Xiangshan oder in Pekings Vorstädten Changping und Mingyun. Die Olympischen Spiele werden aber hauptsächlich in der Stadt stattfinden. Natürlich sind die Daten durch diese neuen Meßstellen viel besser geworden. Solche Spielchen der chinesischen Behörden können die Deutschen vielleicht nicht gleich durchschauen.

ETD: Der Vorsitzende der medizinischen Kommission des IOC, Herr Ljungqvist, sagte unserer Zeitung, er habe keinen Grund, den Daten nicht zu trauen.

Zheng Yi: Dass die Daten der Pekinger Behörde, wie die Mitglieder des IOC behaupten, nicht anzuzweifeln sind, das glaube ich nicht. Auch wenn sie am Anfang das chinesische Regime nicht so gut kannten, sollten sie doch, nach den ständigen Protesten gegen Chinas Regime aus aller Welt und ihren eigenen Beobachtungen in den letzten Jahren, mittlerweile verstehen, was für eine politische Macht das kommunistische China ist.

Wenn ich die Funktion von Herrn Ljungqvist betrachte, denke ich, dass er nicht die Wahrheit gesagt hat. Die medizinische Kommission ist auch für die Dopingfrage während der Olympischen Spiele zuständig. Diese Stelle hat in etwa den Charakter eines Geheimdienstes. Die Beamten dieser Kommission sollten die Schwächen der Menschen eigentlich kennen, weil sie doch ständig mit Betrug und Lügen konfrontiert sind. Als Vorsitzender der Kommission sollte Herr Ljungqvist diese Fähigkeit schon haben.

Es wird in der internationalen Gesellschaft offen darüber geredet, dass das IOC von der KP Chinas bestochen wurde, sonst würden die IOC-Funktionäre nicht für die KP sprechen. Es ist für die KPCh nicht schwer, die westlichen Funktionäre zu beherrschen, weil jeder Mensch Schwächen hat. In ihrem eigenen demokratischen Land achten sie sehr auf das Gesetz, aber sobald sie in China sind oder mit der KPCh Geschäfte machen, wird die KPCh ihre menschlichen Schwächen herausfinden und sie ausnutzen, um sie einzukaufen. So gewinnt die KPCh meistens das Geschäft.

Das Interview führte Maria Zheng.

Arne Ljungqvist (1931) ist Sportarzt und Vorsitzender der medizinischen Kommission des IOC. Er gilt international als eine der großen Persönlichkeiten im Kampf gegen Dopingkriminalität und Gendoping. Seit Januar 2008 ist er Stellvertretender Vorsitzender der Wada (World Anti Doping Agency). In seiner sportlichen Karriere zählte Ljungqvist in den 50er Jahren als Hochspringer zur europäischen Spitze.
Zheng Yi (1947) ist Autor und Präsident des Independent Chinese PEN Center. 1979 schrieb er sein Erstlingswerk Feng (Roter Ahorn). In den 80er Jahren verfasste er weitere Kurzgeschichten. Ende der 80er führte er Recherchen über Kannibalismus in Shanxi während der Kulturrevolution durch, die er 1993 in Taiwan veröffentlichte. Als aktives Mitglied der Proteste von 1989 wurde er auf eine schwarze Liste gesetzt, woraufhin er während dreier Jahre an ständig wechselnden Orten untertauchen musste. Schließlich gelang ihm die Flucht nach Hongkong, von wo aus er in die USA ausreiste. Aus mehreren seiner Romane wurden in China Filme gemacht, einer davon war einer der bekanntesten Film in China „Laojing (Alter Brunnen)“.
Seit 1997 beschäftigt sich Zheng Yi mit dem Umweltproblem und der Menschenrechtsfrage in China. Nach dreijähriger Forschung gab er 2005 das 600seitige Buch „China’s Ecological Winter“ heraus. Es ist die erste chinesischsprachige Publikation, die die katastrophale Umweltsituation Chinas von den Aspekten des wirtschaftlichen und politischen Systems und der Menschenrechte her systematisch und tiefgreifend beleuchtet.


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