(Peter Parks/AFP/Getty Images)

Olympische Spiele im Smog

Von und 4. Juni 2008 Aktualisiert: 4. Juni 2008 22:14
Noch zehn Wochen bis zu den Olympischen Spielen. Vor allem für die Ausdauersportler wird es nicht nur den Kampf um die Medaillen geben, sie haben sich auch mit heißer, schmutziger Luft und vor allem hohen Ozonwerten auseinander zu setzen.

In einem Bericht der Tageszeitung Die Welt hieß es, dass bereits im Oktober 2004 bei Pekings traditionellem Marathon zwei Läufer auf der Strecke gestorben seien und weitere elf vom Notarzt gerettet werden mussten. Die Olympischen Spiele finden jedoch im August statt, wenn Temperatur und Luftfeuchtigkeit in Peking wesentlich höher liegen. Und schon seit einer Woche hängt eine dicke Dunstglocke über der chinesischen Hauptstadt.

Noch im April schrieb die Tagesschau, vom olympischen „Luftqualitätsverbessserungsplan“ sei nichts zu spüren. Die Luftverschmutzungstabelle, die ein Pekinger Kindergarten täglich von der Stadt bekäme, zeige mehr als 150 an. Ein Wert, den das Pekinger Luftmessamt als gesundheitsschädlich einstuft und die Bevölkerung auffordert, in geschlossenen Räumen zu bleiben. Oder, wie es der IOC-Umweltberater Balderstone, der sich regelmäßig mit den Pekinger Behörden trifft, bereits im Dezember gegenüber der New York Times formulierte: „Viele Jahre hatte die Stadt nur wenige Umweltgesetze. Es sieht so aus, als würden sie bei vielen Maßnahmen hinterherhinken.“

Der Smogschleier aus Stickoxiden und Feinstaub lässt in Peking, vor allem im Sommer, oft nur eine Sichtweite von unter fünf Kilometern zu. Im offiziellen Bericht des Pekinger Organisationskomitees für die Olympischen Spiele steht, die Anteile an Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Kohlenmonoxid in der Luft wären seit 2001 zurückgegangen. Umweltphysiker der Universität Bremen konnten hingegen anhand von Satellitenaufnahmen nachweisen, dass die Konzentration an Stickstoffdioxid über den industrialisierten Gebieten im Osten Chinas von 1996 bis 2007 auf das Dreifache anstieg. „Stickstoffdioxid ist eine Vorläufersubstanz des Ozons“, erklärt Andreas Richter von der Bremer Universität. Wenn ab Ende Juli alle Erd- und Betonarbeiten eingestellt werden und Chemie- und Zementwerke ihre Produktion vorübergehend stoppen, könne man die Stickstoffdioxid-Konzentration deutlich senken, sagt Richter. „Das wird schnell ausgewaschen aus der Atmosphäre“. Sehr viel schwieriger sei es, die Ozonwerte kurzfristig zu senken. „Das Ozon ist im Gegensatz zu den Stickoxiden sehr langlebig und kann auch über weite Strecken transportiert werden“, erklärt der Experte. „Da kann noch viel aus den Vormonaten übrig sein“. Eine vorübergehende Reduktion des Autoverkehrs auf Pekings Straßen im Sommer 2007 führte denn auch zu keiner relevanten Absenkung der Schadstoffbelastung.

Im März gab die medizinische Kommission des IOC einen Bewertungsbericht zur Luftqualität während der Spiele heraus. Dieser hätte, wie der Medizinische Direktor Patrick Schamasch es formulierte, ergeben, dass die Umweltbedingungen „im Großen und Ganzen“ keine gesundheitliche Gefahr für die Athleten darstellen. Lediglich bei schwersten körperlichen Anstrengungen von über einer Stunde Dauer, wie sie beim Marathon, Mountainbike-Wettkampf oder im Triathlon vorliegen, könnten Risiken bestehen. Der Bericht basiert auf Luftmessdaten vom 8. bis 29. August 2007, die man vom Pekinger Umweltamt angefordert habe, wie der Kommissionsvorsitzende Arne Ljungqvist gegenüber der Epoch Times Deutschland näher ausführt: „Sie haben uns die Daten nach einigen Diskussionen gegeben. Es dauerte eine Weile, aber wir haben sie bekommen“.

Die Epoch Times konnte bis dato keine Einsicht in die Studie bekommen, auf einer öffentlichen Webseite des chinesischen Ministeriums für Umweltschutz werden jedoch täglich die Werte über die Luftqualität von 86 Großstädten veröffentlicht. Dabei werden die einzelnen Schadstoffe, darunter Stickstoffdioxid, Feinstaub (PM10) und Ozon, in einem Luftverschmutzungsindex zusammengefasst. Dieser lag im besagten Testzeitraum vom 8. bis 29. August 2007 fast durchgängig über 100. Den Hauptanteil bildete jeweils der Feinstaub, der um das zwei- bis vierfache über dem von der Weltgesundheitsorganisation WHO genannten Tages-Richtwert von 50 µg/m³ lag. Laut New York Times führte der kanadische Olympia-Funktionär und Umweltphysiologe Kolb am 5. August 2007 seine eigenen Messungen rund um Pekings Sportstätten durch und kam auf einen PM10-Wert von 200µg/m³.

Am 27. Mai 2008 wurde Peking erneut von einem Sandsturm heimgesucht, bereits dem dritten und stärksten in diesem Jahr. Der Schadstoffindex auf der Webseite des Umweltschutzministeriums stieg auf 463, der PM10-Wert auf 563 µg/m³. Die Pekinger Behörden sagen zwar, im August würde es keine Sandstürme gegen, aber schon in den vergangenen Jahren traten diese Stürme immer später und häufiger auf.

Text erschienen in Epoch Times Deutschland Nr. 23/08

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