Schwierige ökologische Situation in China

Von 9. Juni 2011 Aktualisiert: 9. Juni 2011 2:39
Laut Chinas Umwelt-Jahresbericht 2010 bleiben die Gewässer in China stark verschmutzt.

Die gesamte ökologische Situation in China sei „sehr ernst“, sagte Li Ganjie, stellvertretender Minister des chinesischen Ministeriums für Umweltschutz, in einer Pressekonferenz am 3. Juni. Chinas Umwelt-Jahresbericht 2010 wurde am 3. Juni veröffentlicht. Besonders die Wasserqualität der Gewässer in China ist stark betroffen. Fragen auf Auswirkungen des „Drei-Schluchten-Staudamms“ auf die anhaltende Dürre in China wies Li jedoch zurück.

Li sagte, dass die Wasserverschmutzung im ganzen Land gravierend sei. China benutzt ein Sechs-Grad-Einstufungssystem, um die Wasserqualität verschiedener Gewässer zu messen. Grad 1 entspricht der höchsten und saubersten Wasserqualität; bis Grad 3 kann das Wasser noch als Trinkwasser benutzt werden; mit Grad 6 eingestuftes Wasser kann nicht einmal zur Bewässerung benutzt werden.

204 Flüsse und insgesamt 209 Kontrollstellen in weiteren Gewässern wurden im letzten Jahr gemessen. 60 Prozent der Flüsse wurden mit Grad 3 oder besser eingestuft, 24 Prozent erhielten die Note 4 oder 5 und 16 Prozent verfehlten jegliche Einstufung.

Die sieben großen Wasser-Systeme in China sind die Flüsse Yangtze, Songhua, Huai, Hai und Liao, sowie der Gelbe Fluss und der „Pearl River“. Insgesamt sei die durchschnittliche Verschmutzung gering, hiess es in dem Bericht. Der Gelbe Fluss und Liao-Fluss zeigen jedoch mittlere Verschmutzung an, und der Huai Fluss ist stark verschmutzt.

Die Eutrophierung von Seen und Wasser-Reservoirs stellt noch immer ein großes Problem dar und wurde in 11 der 26 getesteten Gewässer gefunden. Eutrophierung bedeutet eine Anreicherung von Nährstoffen, zum Beispiel von Düngemittel-Abfluss, was dazu führt, dass Algen sich vermehren und somit Sauerstoffmangel in einem Ökosystem entsteht.

Die Qualität der Küstengewässer in China stösst auch auf Bedenken. Die durchschnittliche Belastung in den vier großen Küstengebieten – das Gelbe Meer, „South China Sea“, Bohai-Meer und „East China Sea“- sei niedrig, sagte Li. Allerdings bekamen über 23 Prozent der Küstengebiete die relativ schlechte Note von 4.

„Die Qualität der Küstengewässer am Gelben Meer und am „South China Sea“ ist gut, die am Bohai-Meer ist schlecht, und die am „East China Sea“ ist sehr schlecht“, sagte Li. Jedoch lieferte er keine Erklärung zu diesen Angaben.

Dieses Jahr leidet der untere Teil des Yangtze-Flusses unter der schlimmsten Dürre seit 50 Jahren. Li Ganjie gab in der Pressekonferenz zu, dass die Provinzen Hubei, Hunan und Jiangxi derzeit von einer schweren Dürre getroffen sind. Die Wasserstand-Werte von mehreren großen Seen, darunter der Poyang, Dongting und Hong-See, haben ihre niedrigsten Ebenen erreicht.

Die größte Freisetzung von Wasser im Jahr 2010 aus einer Schleuse des Drei-Schluchten-Staudamms, nachdem sintflutartige Regenfälle die Gebiete um den Yangtze Fluss trafen.Die größte Freisetzung von Wasser im Jahr 2010 aus einer Schleuse des Drei-Schluchten-Staudamms, nachdem sintflutartige Regenfälle die Gebiete um den Yangtze Fluss trafen.Foto: AFP/Getty Images
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Seit der Fertigstellung des Drei-Schluchten-Staudamms im Jahr 2006 haben die mittleren und unteren Teilen des Yangtze jedes Jahr unter einer Dürre gelitten. Auf die Frage, ob der Drei-Schluchten-Damm zu der Schwere der diesjährigen Trockenheit beigetragen habe, gab Li keine Antwort.

Gao Jianguo, ein Wissenschaftler am Institut für „Geologie der China Erdbeben Verwaltung“, sagte, dass der Yangtze das Wasser von einigen Seen ableitet. „Der Betrieb des Drei-Schluchten-Projekts zerbrach die vorhandenen Wasser-Strömungs-Muster“, sagte Gao.

„Nehmen wir den Poyang See als ein Beispiel. Der Drei-Schluchten-Stausee speichert jedes Jahr im Oktober Wasser, zur gleichen Zeit trocknet dieser See in der Provinz Jiangxi aus“, sagte er. „Der Poyang See braucht unbedingt Wasser in dieser Zeit, bekommt  aber keines zugefügt. Zusätzlich zieht der niedrige Wasserstand des Yangtze das Wasser aus dem See und trocknet ihn weiter aus.“

Der renommierte deutsche Hydraulik-Experte Wang Weiluo, der in den 80er Jahren an der Durchführbarkeitsstudie des Drei Schulchten Staudamm Projekts teilnahm, sagte, dass die große Dürre in den unteren Teilen des Yangtze-Flusses im März dieses Jahres begann. Die Hauptursache war der Mangel an Regen, aber der Betrieb des Drei-Schluchten-Staudamms beschleunigte die Dürre.

Hydraulik-Experten in Hunan, Jiangxi, und anderen Provinzen haben auf Probleme mit dem Ausgleich der Wasserstände zwischen Poyong Lake und Lake Dongting hingewiesen. Durch den Drei-Schluchten-Staudamm wurde das ökologische Gleichgewicht gestört. Die Natur habe selbst-eingebaute gegenseitige Widerherstellungs-Mechanismen, aber sie wurden durch das Drei-Schluchten-Projekt zerstört.

Chinas staatlich-kontrollierte Medien verkündeten, dass das die Regierung die Freigabe von Wasser aus dem Drei-Schluchten-Reservoir befohlen habe, um die Trockenheit zu lindern. Wang Weiluo glaubt jedoch, dass man die Freigabe von Wasser beauftragt hätte, um einer zukünftigen Flut vorzubeugen. Laut den Operations-Plänen für den Drei-Schluchten-Staudamm muss das Reservoir seinen Wasserstand auf 145 Meter über dem Meeresspiegel Anfang Juni senken, um eventuelle Überschwemmungen zu vermeiden, die im Laufe des Monats eintreten könnten.

Mehrere Personen sitzen am 6. Juni auf einem Fabrikgebäude fest und warten darauf, gerettet zu werden. Starkes Hochwasser hat das Gebäude in Jiujiang, in der chinesischen Provinz Jiangxi, umgeben.Mehrere Personen sitzen am 6. Juni auf einem Fabrikgebäude fest und warten darauf, gerettet zu werden. Starkes Hochwasser hat das Gebäude in Jiujiang, in der chinesischen Provinz Jiangxi, umgeben.Foto: ChinaFotoPress/Getty Images

Am Montag verursachten starke Niederschläge schwere Überschwemmungen entlang des Yangtze in den südlichen und zentral gelegenen chinesischen Provinzen Guizhou, Jiangxi, Hunan und Hubei. Staatliche Medien berichten von 52 Tote.

Der Wangmo Landkreis in Guizhou, wo bislang 21 Todesfälle gemeldet wurden, wurde am schwersten getroffen. Laut staatlichen Medien-Berichten am Mittwoch mussten rund 100.000 Menschen evakuiert werden, als das Hochwasser das Gebiet am Montag überflutete. 30 Menschen werden noch vermisst.

Bis jetzt haben die Überschwemmungen in China fast 7.500 Häuser zerstört und 255.000 Hektar Ackerland unter Wasser gesetzt. Nach offiziellen Angaben werden die direkte Verluste auf 4,92 Milliarden Yuan (521.000.000 Euro) geschätzt.

Trotz den starken Niederschläge in einigen Gebieten entlang des Yangtze wütet die Dürre in anderen Gebieten weiter. Für Millionen von Menschen besteht die Gefahr, an Trinkwassermangel zu leiden. Weiterhin sei der Wasserstand des Yangtze-Flusses noch unterhalb der Normalgrenze.

Foto: Peter Parks/AF/Getty Images