Die neue Freihandelszone in Shanghai startet am Montag - doch wie "frei" ist sie wirklich?Foto: Getty Images

Shanghais Freihandelszone: So gut wie sie klingt?

Von 27. September 2013

In der neuen Freihandelszone in Shanghai ist das Umwechseln von Yuan in andere Währungen ebenso frei wie der Zugang zu Facebook und Twitter – beide Webseiten sind für Festlandchinesen aktuell geblockt.

Doch von Hoffnung auf wahre wirtschaftliche und politischen Veränderung ist China weiterhin weit entfernt: Kritiker sehen in dem Freihandelszonen-Projekt eine fehlgeleitete Policy, die nur zu einer weiteren Verschärfung der finanziellen Nöte führen und zu einem weiteren Anreiz für korrupte Geschäfte werden könnte.

Die im August eröffnete Freihandelszone erstreckt sich zehn Quadratkilometer weit über Shanghais Finanzdistrikt Pudong, den Hafen Yangshan und einen internationalen Flughafen. Das kommunistische Regime will durch die Abschaffung von Import- und Exportzöllen ausländische Investoren anlocken, die ihr Kapital sonst in Richtung Südostasien bewegen würden.

Um ausländische Investoren jedoch tatsächlich anziehen zu können, müssen die Bedingungen vor Ort auch dem entsprechen, was die internationale Community gewöhnt ist.

„Falls sie auch hier nicht auf Facebook oder die New York Times zugreifen können, werden sie sich natürlich fragen, wie frei die Freihandelszone wirklich ist.“

In Internet-Foren sorgte die Ankündigung, dass blockierte Webseiten in der Freihandelszone öffentlich zugänglich sind, für einiges Aufsehen. Einer der bekanntesten Blogger Chinas mit dem Nutzernamen „Beijing Cook“ schrieb: „Zuerst hat uns die Kommunistische Partei alle unsere Grundrechte genommen und nannte das „den sozialistischen Weg gehen“. Jetzt gibt sie uns diese Rechte zurück und nennt das „der Reform und Öffnung folgen“.“

Kein großer Sprung nach vorn

Chinas Premier Li Keqiang nennt die Freihandelszone ein ökonomisches Experiment, für das “Shanghai die benötigte Qualifikation und Grundlage” besitze. “Um sich den Herausforderungen der Globalisierung zu stellen, sollte China durch institutionelle Reformen Innovation wagen. Die asiatisch-pazifischen Unternehmenszentralen multinationaler Konzerne sollten sich von China angezogen fühlen. Das ist eine schwindende Gelegenheit”,  sagte Li in einem Bericht des staatlichen Sprachrohrs Xinhua.

Aber nicht jeder sieht in der Freihandelszone den großen Wurf.

Cheng Xiaonong, chinesischer Wirtschaftsexperte und Redakteur des Magazins Modern China Studies, nannte die Idee, dass ausländische Investitoren in die Freihandelszone stürmen würden  „überholt”, denn das meiste Geld würde sowieso aus China selbst hinein und hinaus fließen.

Um eine Kapitalflucht aus anderen Teilen Chinas zu verhindern, die durch den freien Umtausch in Yuan stattfinden könnte, haben die chinesischen Behörden eine Regelung erlassen, die verbietet, dass Firmen innerhalb der Freihandelszone ihr Kapital nicht nach China oder zurück bewegen können, so Chen.

Freihandelszone als "Tor zur Korruption"?

Der chinesische Wirtschaftsexperte Frank Xie ist der Ansicht, dass chinesische Geschäftsleute und ihre Bevollmächtiger Wege und Mittel kennen, solche Regeln zu umgehen. Die Zone könnte ein Tor sein, das Korruption und Gewinnsucht der Beamten noch weiter verstärkt, findet er.  Gäbe es eine Kapitalflucht aus anderen Landesteilen Chinas, könnte diese die Geldknappheit der Staatsbanken verschärfen und einen destabilisierenden Effekt auf Chinas Finanzsystem haben.

“China würde besser in die Weltwirtschaft integriert, wenn die Währung frei umtauschbar wäre. Es würde die Handelsbeziehungen entspannen und  und westliche Besorgnisse hinsichtlich Währungsmanipulation mildern. Die Teilreform auf 10 Quadratkilometern wird dieses Ziel jedoch nicht erreichen. Gleichzeitig benutzt das Regime die Wirtschaftskontrolle, um Stabilität zu wahren und die politische Macht im Griff zu behalten. Dass sie viel Kontrolle fallen lassen und Staatsmonopole wirksam abschaffen ist also sehr unwahrscheinlich”, sagte Xie zur EPOCH TIMES.

Der chinesische Analyst Liao Shiming meint: „Auch wenn die Entwicklungen in Shanghai scheinbar Hongkongs Position als Wirtschaftsmetropole Nummer 1 gefährden, wird Shanghai auch in 30 Jahren nicht in der Lage sein, das Top-Zentrum von Chinas Finanzwelt zu werden – zumindest, solange Hongkong seine unabhängige Justiz und grundsätzliche Freiheit beibehält.“



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