Chinesische Produktionsstätte.Foto: iStock

Wie abhängig ist Deutschland von China? Corona-Krise als Anlass zur Suche nach Alternativen

Von 15. Mai 2020 Aktualisiert: 17. Mai 2020 15:48
Die Corona-Krise hat auf eine wenig angenehme Weise darauf hingewiesen, wie stark Deutschland von China als Partner in Produktion und Lieferkette abhängig ist. Eine Rückverlagerung der Produktion wäre in vielen Fällen extrem teuer. Alternativen gäbe es dennoch.

In einer ausführlichen Analyse für die „Welt“ zeigen Benedikt Fuest und Tobias Kaiser anhand von Berechnungsbeispielen für vier Alltagsprodukte auf, wie stark sich Deutschland – ähnlich wie eine Reihe weiterer europäischer Länder – von Produkten abhängig gemacht hat, die in China hergestellt werden.

Deutschland hatte infolge der Aufnahme der Kommunistischen Partei Chinas in die Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2001 vor allem davon profitiert, dass sein Maschinenbau die Industrie ausstatten konnte, die das Regime kontrolliert entstehen ließ und für die wirtschaftliche Komponente seiner Expansionspolitik nutzbar machte.

Textilindustrie schwört auf „Professionalität und Effizienz“

Auch der Verbraucher hatte etwas von der Zusammenarbeit. Wer eine Damen-Strickstrumpfhose des Allgäuer Unternehmens Wilox erwirbt, die 50 Millionen Strümpfe und Strumpfhosen im Jahr herstellt, bezahlt dafür als Endkunde zehn Euro – inklusive Handelsmarge und Mehrwertsteuer. Würde das gleiche Produkt ausschließlich in der EU hergestellt, würde der Endpreis 23,78 Euro betragen. Verantwortlich dafür sind deutliche Unterschiede bei den Materialkosten in der Herstellung und deutlich geringere Produktionskosten.

Zwar werde ein Teil der Produkte auch in der Türkei oder Bulgarien hergestellt, so Wilox-Chef Malte Daun, und dort könne man sogar noch billiger produzieren – die „Professionalität und Effizienz“ der Maschinen und Fabrikationshallen spräche jedoch für China.

Bei einem Stofftier des Herstellers Heunec wird der Unterschied noch deutlicher spürbar: Dort betragen bereits die Materialkosten in China knapp die Hälfte dessen, was in Deutschland anfallen würde, die Produktionskosten wären mehr als das Dreifache – statt bei 11,95 Euro läge bei einer heimischen Herstellung der Endkundenpreis bei 34,95.

Kopfhörer wäre dreimal so teuer

Dem Deutschen Verband der Spielwarenindustrie zufolge werden drei von vier vermeintlich deutschen Spielzeugen in China produziert – auch solche von Markenanbietern wie Steiff oder Playmobil. Potenziell gesundheitsgefährdende Weichmacher, Gifte und Kleinteile, wie sie in Spielwaren Made in China immer wieder festgestellt werden, haben bis dato wenig an der Begeisterung für die Fertigung im totalitären KP-Staat ändern können.

Die Herstellung des Qualitäts-Kopfhörers von Sennheiser HD 599 in Deutschland würde bezüglich der Materialkosten bei 24 bis 30 Bauteilen mit 100 Euro mehr als das Vierfache als in China betragen und bei den Produktionskosten sogar fast das Zehnfache. Das Endprodukt wäre mit 600 Euro mehr als drei Mal so teuer wie das für 199 Euro angebotene, das in China gefertigt wurde.

Zwar steigen auch in China mittlerweile die Löhne, was eine kostenbedingte Produktionsverlagerung etwa nach Vietnam oder Bangladesch als attraktiver erscheinen ließe. Dass die Unternehmen dennoch in China bleiben, dafür sorgt das Regime mit Deregulierungen, zinsfreien Darlehen, Subventionen, Steuervergünstigungen oder – in Deutschland undenkbar – niedrigen Energiepreisen. Im Fall der deutschen „Energiewende“ waren die Bedingungen für viele Solarunternehmen so attraktiv, dass sie, nachdem sie über mehrere Jahre in Deutschland Subventionen abgegriffen hatten, nicht nur ihre Produktion, sondern auch ihre Firmensitze nach China verlegten.

Hoffnungen auf Öffnung Chinas nicht erfüllt

Das McKinsey Global Institute hat berechnet, dass die Weltwirtschaft vor der Corona-Krise dreimal abhängiger von China war als im Jahr 2000 – und mehr als ein Drittel aller Industrieprodukte weltweit in dortigen Fabriken produziert werden.

Nun beginnen nicht nur in den USA Politiker, den Nutzen der Verflechtungen mit dem totalitären Großreich infrage zu stellen. Die in liberalen wie konservativen Think-Tanks geäußerte Hoffnung, die Öffnung Chinas, die Aufnahme in die WTO oder der größere Wohlstand würden auch politische Reformen im Land nach sich ziehen, hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Das KP-Regime in China hat seine Macht innen- wie außenpolitisch ausgebaut und nutzt die Wirtschaft, um seine Doktrin zu exportieren und den Westen in die Enge zu treiben. Beispiele dafür sind die Expansionsstrategie von Huawei oder der Export von Technologie zur Überwachung von Regimegegnern in Länder wie Usbekistan, wo man ebenso wie in China Religionen verfolgt.

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire will die Abhängigkeit vom kommunistischen Riesenreich vermindern. Deutschland müsse seine Konzerne besser vor zweifelhaften Investoren aus dem Ausland schützen, meint Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Mittlerweile müssen sich auch in Deutschland Unternehmen kritischen Fragen stellen – etwa VW, das eine Fabrik in der Provinz Xinjiang gebaut hat, wo mehr als eine Million Muslime vom Regime in Umerziehungslager gesperrt wurden und Folter ebenso wie willkürliche Verhaftungen an der Tagesordnung sind.

Elektrogeräte aus freien Ländern teurer, aber langlebiger

Die Unterbrechung der Lieferketten infolge der Corona-Krise und die Vertuschungspolitik des Regimes wird auch in europäischen Staaten für einige Entscheidungsträger zum Anlass, nach möglichen Alternativen Ausschau zu halten. Vorhanden wären sie je nach Branche – von Bangladesch über Indien oder Taiwan und Japan bis hin zu Bulgarien, der Türkei oder Israel, vor allem im Bereich der Pharmaprodukte oder auch der Technologielösungen.

Zudem bleibt auch Qualität und Haltbarkeit der Produkte ein Thema, das bei der Frage eine Rolle spielt, ob man aus China importieren sollte. Ein US-amerikanisches oder südkoreanisches Werkzeug oder Elektronikgerät mag in der Herstellung wie im Verkaufspreis deutlich teurer sein als ein chinesisches – in den meisten Fällen ist die Haltbarkeit jedoch deutlich länger und das Geld, das investiert wird, kommt der Freiheit zugute und nicht dem Kommunismus.

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Gerade im lebenswichtigen Bereich der Antibiotika ist etwa beim Präparat Gentamicin der Endkundenpreis des in Deutschland hergestellten Produkts gerade einmal fünf Euro höher als der des in China gefertigten. Dies liegt vor allem daran, dass weder beim Wirkstoff, der auch aus Slowenien erlangt werden könnte, noch in der Produktion noch gravierende Unterschiede in den Kosten bestehen.

Nicht mehr von China abhängige Antibiotika-Herstellung würde 55 Millionen Euro jährlich kosten

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie erklärt, dass allein in der Corona-Ursprungsprovinz Hubei die Wirkstoffhersteller für 136 verschiedene Arzneimittel ihren Sitz haben. Auch in Indien wird eine Vielzahl an Präparaten hergestellt.

Der Wechsel eines Wirkstoffherstellers zieht allerdings eine Reihe von Folgekosten nach sich – und vor allem gibt es nur wenige Antibiotika, die zumindest teilweise noch in Europa hergestellt werden. Ein ausschließlich in Europa produziertes Antibiotikum würde dem Wirtschaftsberatung Roland Berger zufolge die Hersteller und das deutsche Gesundheitswesen mindestens 55 Millionen Euro im Jahr kosten.

Eine Investition, bezüglich derer man eine Entscheidung treffen müsste, ob die Beseitigung der Abhängigkeit von einem totalitären KP-Regime gerade in einem elementaren Krisenfall die Mehrkosten nicht aufwiegen würde. Zumal es weltweit noch eine Vielzahl ausreichend technologisierter freier Staatswesen gäbe, in denen sich ein Teil der Produktion auch kostengünstig bewerkstelligen ließe.

 

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