Wie Überproduktion und Dumpingpreise Chinas Stahlindustrie killen

Von 15. November 2013 Aktualisiert: 15. November 2013 8:57

Chinas Stahlindustrie steckt in einer existentiellen Krise: Die gesamte Branche erzeugt zwar die Hälfte der weltweiten Stahlproduktion, doch wegen sinkender Nachfrage leiden sowohl Stahlhersteller wie auch Stahlhändler derzeit unter winzigen Gewinnspannen, die immer weiter sinken. Mehr als zehn Stahlhändler haben wegen der schwierigen Geschäftssituation bereits Selbstmord gegangen.

Das chinesische Radio-Portal www.cnr.cn brachte am 14. November ein Interview mit dem Generalsekretär der Stahlhandelskammer der Kreisstadt Zhouning der Pronvinz Fujian im Süden Chinas.

Überkapazitäten und Preisverfall

Chinas Stahlpreise befänden sich seit drei Jahren im ständigen Abwärtstrend, sagte Herr Zhou dem Sender. Die Produktion im Inland steige weiter, während sich der Bedarf auf dem nationalen und internationalen Markt stetig reduziert. Dazu wäre es immer schwieriger für die Branche, Bankkredite zu bekommen. Bei machen Händlern sei die Kapitalkette durchbrochen. Auch müssten immer mehr Stahlhändler Verluste machen. Im Moment sehe die gesamte Wirtschaftslage so schlecht aus, dass praktisch jeder chinesische Stahlhändler vor dem Aus stehe.

Verschuldete Händler begehen Selbstmord

Ein Stahlhändler notierte bereits über zehn Selbstmorde von Kollegen. Sie hätten sich umgebracht, weil die Banken ständig Druck auf sie ausgeübt hätten, ihre Kredite zurückzuzahlen. Jeder der Einzelnen von ihnen stand bei den Banken mit mehreren zehn Millionen Yuan in der Kreide (mehrere Millionen Euro) und sah keinerlei Hoffnung, seine Kredite noch tilgen zu können.

Als einer der wichtigsten Stahlmärkte hatte Shanghai vor dem Jahr 2011 mehr als 6000 Handelsunternehmen für Stahlprodukte in und um die Stadt. Die Hälfte davon kam aus der Provinz Fujian. In den letzten drei Jahren gingen 50 Prozent der Stahlhändler in Fujian in Konkurs. Generalsekretär Zhou war selbst 12 Jahre lang im Shanghaier Strahlgeschäft tätig gewesen. Er sprach von einem Gesamtverlust von 60 Millionen Yuan (ca. 7,5 Millionen Euro) den er habe schultern müssen. Allein im Jahr 2013 lag sein Minus bei über 10 Millionen Yuan (über 1 Million Euro). Bankkredite im Wert von über 40 Millionen Yuan konnte er nicht zurückzahlen, weshalb er von der Bank angeklagt wurde. Zhou sagte, dass ein Händler heutzutage an einer Tonne Stahl nur 10 bis 20 Yuan ( 1 bis 2,5 Euro) Gewinn machen könne und sich die Situation weiter zuspitzt.

1 Tonne Stahl bringt eine Flasche Cola

Bei den Strahlherstellern sieht die Lage nicht besser aus: Der Generalsekretär des chinesischen Strahlindustrie-Verbandes Zhang Changfu gab den Medien ein Beispiel: An einer Tonne warmgewalztem, geripptem Stabstahl verdiene man derzeit nur 4,81 Yuan (in Euro: 60 Cent), wofür man in China gerade mal eine Flasche Cola bekommt.

Im Jahr 2009 hatte die chinesische Regierung über vier Billiarden Yuan (500 Millionen Euro) investiert, um aus der globalen Wirtschaftskrise herauszukommen. Dadurch entstand in vielen Branchen Produktionsüberschuss – besonders signifikant in der Strahlindustrie.

Horror-Zahlen der Verschuldung

Im März 2013 sagte der CEO des Hengte Strahlkonzerns der Provinz Shandong in einerm Interview mit der BBC, dass diese Überproduktionskapazität der Strahlbranche in China in den nächsten Jahren viele Betriebe in die Pleite treiben wird.

Chinas Strahlindustrie hat schätzungsweise eine Produktionskapazität von einer Milliarde Tonnen pro Jahr. 2012 wurden jedoch insgesamt nur 720 Millionen Tonnen hergestellt.Nach offiziellen Angaben erlitt Chinas Strahlindustrie 2012 einen Gesamtverlust von 28,9 Milliarden Yuan (ca. 3,7 Milliarden Euro).

Im Juni 2013 teilte der Strahlhersteller Pingte in der Provinz Jiangxi offiziell seine Pleite mit: Der Pingte-Chef und sein Geschäftsführer hatten 200 Millionen Yuan (25 Millionen Euro) aus der Betriebskasse gestohlen und waren damit untergetaucht.

Die Gesamtverschuldung von Chinas Strahlindustrie (Hersteller und Händler) wird auf 3 Billionen Yuan (377,4 Milliarden Euro) geschätzt. Eine Pleitewelle in der chinesischen Stahlbranche ist deshalb nicht zu vermeiden.

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