Zehntausende bangen um ihr Geld

Von 30. September 2008 Aktualisiert: 30. September 2008 12:37
Obwohl es in China verboten ist, dass Unternehmen von Privatpersonen Kapital sammeln, fördert die lokale Regierung der Stadt Jishou trotzdem das illegale Geschäft. Funktionäre und Beamte beteiligen sich aktiv daran; 80 bis 90 Prozent der Einwohner wurden ermutigt, dabei mitzumachen. Das riskante Geschäft stößt mittlerweile an seine Grenzen. Funktionäre zogen ihr Einlagen schon längst zurück, zehntausende Bürger bangen nun um ihr Geld.

Vor dem Regierungsgebäude in Jishou stehen hunderte Polizisten und Paramilitär. Ihnen gegenüber mehrere zehntausend Demonstranten. Die Konfrontation hatte schon vor einer Woche begonnen und eskalierte, als am 26. September 20 Menschen von der Polizei zusammengeschlagen und festgenommen wurden. Mehrere Supermärkte wurden geplündert. Aus Angst verbarrikadierten Banken und die meisten Geschäfte ihre Türen. Damit keine Informationen nach außen dringen, schaltete die lokale Regierung das Internet ab. Die Stimmung in der Bevölkerung ist von Wut und Hoffnungslosigkeit gezeichnet und die von der Epoch Times befragten Menschen vor Ort befürchten, dass die angespannte Lage jeder Zeit weiter eskalieren kann.

Jishou ist eine Kreisstadt in der südostchinesischen Provinz Hunan mit rund 180.000 Einwohnern in der Stadt und weiteren 100.000 auf dem Land.

Reizvolle Geldanlage

Auslöser der Proteste waren die Folgen eines Programms der lokalen Regierung von Jishou zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region. Der Bevölkerung wurde geraten, ihr Geld bei den örtlichen Unternehmen anzulegen und sollte dafür monatlich zwischen 5 Prozent und stattlichen 10 Prozent Zinsen bekommen. Auf diesem Wege konnten die lokalen Unternehmen schnell Kapital erwerben, um sich zu entwickeln – anderseits sollte die Bevölkerung an dem wachsenden Reichtum beteiligt werden. Diese Form der Geldanlage erschien reizvoll, denn alle Seiten schienen daraus Gewinn erzielen zu können.

In China ist diese Art von Kapitalsammlung gesetzlich verboten. Dennoch förderte die lokale Regierung seit 2003 den Kapitalerwerb von Privatpersonen. Innerhalb der letzten sechs Jahre haben über 50 lokale Unternehmen, vorwiegend aus dem Immobilien- und Tourismussektor, von mehreren zehntausend Privatpersonen über zehn Milliarden Euro gesammelt. 80 bis 90 Prozent der gesamten Haushalte der Stadt Jishou und Einwohner der Nachbargemeinden sollen davon betroffen sein. Viele sind in völlige Abhängigkeit geraten, weil sie nicht nur ihre lebenslangen Ersparnisse angelegt haben, sondern zusätzlich mit niedrigem Zinssatz geliehene Gelder.

Während der Olympischen Spiele stieß das riskante Geschäft schließlich an seine Grenzen. Anfang August verbreitete sich die Nachricht, dass ein Teil der beteiligten Unternehmen die Zinsen und das Kapital nicht mehr auszahlen konnten. Einige Unternehmen kündigten an, die Zinsen zu reduzieren und die Auszahlungsfrist zu verlängern, andere Unternehmen standen vor der dem Konkurs. Ohne Erfolg verlangte die durch diese Nachrichten stark verunsicherte Bevölkerung die Auszahlung ihrer Zinsen und Geldanlagen. Am 4. September versammelten sich 20 bis 30tausend Demonstranten im Hauptbahnhof. Mit Sitzstreiks legten sie einen ganzen Tag lang den Eisenbahnverkehr lahm, um die Aufmerksamkeit der Zentralregierung auf sich zu ziehen. Daraufhin wurden über 10.000 Polizisten und paramilitärische Polizei in die Stadt verlegt.

Die Situation beruhigte sich erst, nachdem die Regierung die Einwohner dahingehend eingeschüchtert hatte, dass sie weder Geld noch Zinsen bekommen würden, wenn sie weiterhin demonstrieren, beziehungsweise mit Medien Interviews machen würden.

Großes Finanzloch

Medienberichten zufolge hat die Regierung der Region Xiangxi, in der die Kreisstadt Jishou liegt, am 7. September Arbeitsgruppen in die betroffenen Unternehmen entsendet, um die illegale Kapitalsammlung zu stoppen und das Unternehmensvermögen zu untersuchen. Außerdem sollen sie dabei helfen, einen Auszahlungsplan zu machen. Um die Bevölkerung zu beruhigen, hat die lokale Regierung der Bevölkerung versprochen, die Unternehmen ihrer finanziellen Situation entsprechend zu unterstützen und sie aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um die Krise innerhalb von drei Monaten gründlich zu lösen.

Schon im vergangenen Jahr plante die Regierung der Provinz Hunan 50 Millionen Euro aufzuwenden, um das Problem zu lösen. Das Finanzloch war jedoch zu groß, als dass diese Summe ausgereicht hätte.

Dreiste Funktionäre

Auch die lokalen Funktionäre und Beamte hatten sich an diesem illegalen Geschäft beteiligt, was die normalen Bürger ermutigte dabei mitzumachen. Die Funktionäre gehören jedoch nicht zu den Verlierern, weil sie schon früh über die wirtschaftliche Lage der Unternehmens informiert waren und sich ihre Gelder und Zinsen längst haben auszahlen lassen. Anfang September berichtete die Hongkonger Zeitung „Apple Daily“, dass die lokalen Funktionäre mindestens 30 Millionen Euro, die sie bei dem Immobilienunternehmen Fuda angelegt hatten, bereits im Juli 2008 wieder abgezogen haben.

Es handelt sich bei ihnen um die gleichen Funktionäre, die jetzt am lautesten forderten, die illegale Kapitalsammlung hart zu ahnden. Die Dreistigkeit der Funktionäre empört etliche Unternehmer, die nun Geheimnisse an die Bevölkerung weiter verraten, die sie bei internen Arbeitssitzungen mit der Regierung gehört haben. In Folge der daraus resultierenden großen Verunsicherung lassen sich zehntausende Menschen ihre Guthaben bei den Banken auszahlen.

Frau Liao aus Jishou sagte gegenüber der Epoch Times: „Die Lage ist noch äußerst angespannt. Viele Polizisten werden aus anderen Städten in unserer Stadt verlegt.“ Manche Leute hätten mehre Millionen Yuan investiert und jetzt alles verloren. Einige von ihnen hätten sogar Selbstmord begangen.

Video: Massenprotest vor dem Regierungssitz in der Kreisstadt Jishou


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