Symbolbild.Foto: China Photos/Getty Images

Der Ex-EU-Diplomat und Chinas roter Traum der Weltherrschaft (Teil 3)

Von und 21. Februar 2020 Aktualisiert: 24. Mai 2022 19:03

 

 

Der Ex-EU-Diplomat und seine Kontakte (Teil 1)

Der Ex-EU-Diplomat und die geheimnisvolle Chinesin (Teil 2)

Der Ex-EU-Diplomat und Chinas roter Traum der Weltherrschaft (Teil 3)

Ex-EU-Diplomat: Spionageverdacht für China nicht nachgewiesen (Teil 4)

Ein hoher EU-Diplomat, steht im Fokus der Generalbundesanwaltschaft, die Ermittlungen gegen ihn aufgenommen hat. Eng verwoben mit dem Fall scheint eine chinesische Frau zu sein, mit der der Mann auch privat zusammenlebt.

Zunächst wurde sogar ein Haftbefehl von der Bundesanwaltschaft beantragt. Dieser musste jedoch wieder zurückgezogen werden. Waren hier möglicherweise die Beziehungen des Ex-Diplomaten am Werk? Und wer ist diese chinesische Frau, die ihm wie ein Schatten seit vielen Jahren folgt? Es gibt viele Fragen und ungelöste Rätsel in dem Fall.

Die Frau folgte ihm mutmaßlich nach Seoul, wo er EU-Botschafter war und später abgezogen wurde, weil er offenbar vertrauliche Dokumente an die Frau weitergegeben hatte. Sie folgte ihm mutmaßlich auch nach Berlin, wo er nach seinem Ausscheiden aus der EU als Lobbyist tätig war. Hier suchte das Pärchen auch Kontakt zur chinesischen Dissidenten-Gemeinde.

Was ein ehemaliger China-Diplomat und Ex-Spion über den Fall sagt

Yonglin Chen war ehemals Erster Sekretär und Konsul für politische Angelegenheiten im chinesischen Konsulat in Sydney, Australien. Er spionierte für die KP bis 2005, dann trat er an die Öffentlichkeit und deckte die Spionage auf. Da Australien ihm und seiner Familie kein politisches Asyl gewähren und China sie zurückholen wollte, versteckten sie sich zunächst mithilfe von Unterstützern. Chen hat seine ganz eigene Geschichte mit der Kommunistischen Partei, die seinen Vater während der Kulturrevolution umgebracht hatte. Die Familie war im Zuge der Verfolgung zerbrochen. Doch dafür habe er sich noch zutiefst dankbar fühlen müssen, getreu der Partei-Logik, so Chen.

Die Epoch Times sprach mit dem ehemaligen chinesischen Diplomaten und Ex-KP-Spion.

Mehrere Medienberichte beschäftigen sich mit dem Fall des verdächtigten Ex-EU-Diplomaten – und auch die chinesische Frau wird immer wieder mal am Rande erwähnt. Doch gerade sie scheint eine zentrale Rolle in dem mutmaßlichen Spionagefall zu spielen. Als die chinesischsprachige Epoch Times Yonglin Chen zu dem Fall interviewte, wurde auch die Rolle dieser ominösen Chinesin angesprochen.

KP-Geld auf ganz legalem Wege?

Nach Chens Informationen habe der ehemalige EU-Diplomat die junge Chinesin während ihres Praktikums in der Europäischen Union kennengelernt. „Er war zu der Zeit bereits ein hochrangiger Diplomat. Später wurde sie seine Partnerin und folgte ihm nach Südkorea.“ Hier soll der Mann vertrauliche Akten mit seiner Begleiterin aus Festlandchina geteilt haben, so Chen. Jedoch: „Die Europäische Union entdeckte den Fall und hob den Sicherheitszugang für vertrauliche Akten auf“, erklärte der Ex-KP-Agent.

Der Ex-Diplomat sei dann zum Rücktritt gezwungen worden und einer Lobbyfirma beigetreten. Deshalb habe ihn die Kommunistische Partei Chinas weiterhin nutzen können.

Gleichzeitig ist er Gastprofessor an der Sichuan-Universität, was auch dazu dienen kann, Geld ganz ‚legal‘ entgegenzunehmen.“

(Yonglin Chen, Ex-Diplomat)

Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz hatte offenbar festgestellt, dass der deutsche Ex-EU-Diplomat sich in China mit Vertretern der Staatssicherheitsbehörde getroffen hatte. Zudem habe er zwei weitere Verdächtige eingestellt, um der Kommunistischen Partei Chinas Informationen zu liefern.

Die „zufällige“ EU-Praktikantin

Die Rolle seiner chinesischen Partnerin sei außergewöhnlich, meinte Chen. „Sie war absichtlich für ein Praktikum in der EU, lernte S. kennen und folgte ihm dann nach Südkorea. Sie brauchte nicht einmal den Sicherheitsschrank aufzubrechen, um erfolgreich an die vertraulichen Akten der EU zu gelangen.“

2016 wurde sie nach Informationen der offiziellen chinesischen Webseite für Auslandschinesen www.chinaqw.com bei einer groß angelegten Werbeveranstaltung der chinesischen Botschaft in Südkorea sogar als „Ehefrau des Botschafters“ aufgeführt.

Zuvor, 2015, nahm sie als „PhD (Dr. der Philosophie) University of Wellington, Neuseeland“ am sogenannten Internationalen Runden Tisch des Europäischen Forschungszentrums der Sichuan-Universität teil. Das Hauptthema war: „Wie kann das Projekt der KP Chinas, die ‚Neue Seidenstraße‘, in Europa durchgesetzt werden?“

An diesem Runden Tisch nahmen mindestens fünf EU-Professoren des offiziellen EU-Programms „Jean-Monnet-Projekt“ teil, so Chen. „Die KPCh hat auf eine sehr kluge und raffinierte Weise die finanziellen Mittel des ‚Jean-Monnet-Projekts‘ ausgenutzt, um ihren Einfluss in der EU zu fördern.“

Akademische Forschung sei laut Yonglin Chen ein guter beruflicher Hintergrund und Deckmantel für Spionage, genauso wie bei dem neuseeländischen Abgeordneten Jian Yang. Das Eintreten der Frau für die Kommunistische Partei Chinas und die Förderung der „Neuen Seidenstraße“ (Belt and Road, One Belt – One Road) ähnele auffallend der Karriere von Jian Yang, erinnert sich Ex-Agent Chen.

Das rote Traumprojekt „Two Centenaries“ – Was steckt dahinter?

Als Chinas KP-Chef Xi Jinping 2012 auf dem 18. Parteitag die Funktion des chinesischen Spitzenführers übernahm, wurden auch die „Two Centenaries“ schriftlich festgelegt, eine Reihe von ehrgeizigen Zielen Chinas auf dem Weg zur Weltmacht im Jahr 2049 (2049 ist der erste große Meilenstein, 100 Jahre nach der Staatsgründung der Volksrepublik China).

„Der globale Strategieplan der Kommunistischen Partei Chinas hat nie aufgehört: ’seine Stärken verbergen‘, einen ‚Unterschied machen‘, ‚proaktiv sein‘ und sogar zu drohen, ‚chinesische Weisheit und chinesische Lösungen zum Aufbau einer menschlichen Schicksalsgemeinschaft beitragen‘. Jeder weiß es“, erklärte Chen und warnt:

Die westlichen Demokratien können nicht weiterschlafen. Das Eindringen der KPCh in das westliche Lager ist direkt proportional zu ihrer wirtschaftlichen Stärke.“

(Yonglin Chen, Ex-Diplomat)

Der Weg zur globalen Herrschaft

In den letzten mehr als zehn Jahren hatte die Kommunistische Partei Chinas zur Steigerung ihrer internationalen Anerkennung kleinere und mittlere Länder der Welt unterstützt, wie Chen erklärte [Anm.: Dies geschah auch im Hinblick der Stimmengewinnung in großen internationalen Institutionen, wie UNO, WHO, etc.]. Mit diesen hatte China diplomatische Beziehungen aufgenommen und mehrere Billionen Dollar an Hilfen gewährt [zum Vergleich: Chinas BIP von 2010 bis 2019 umfasste rund 104 Billionen Dollar].

Gleichzeitig schickte die KP Chinas eine große Anzahl Spione und Einheitsfrontpersonal in die westlichen demokratischen Länder, um komplexe Spionagenetzwerke zu bilden. Militärische und High-Tech-Informationen waren das Ziel.

Yonglin Chen, der ehemalige politische Konsul, meinte: Chinas wirtschaftliche Entwicklung habe von der Nutzung nationaler Macht profitiert, um Ressourcen zu beschaffen und die fortschrittliche ausländische Technologie zu stehlen.

Die Infiltration hochrangiger politischer Kreise in westlichen Ländern ist genau die Vorbereitung auf die globale Herrschaft. Die Kommunistische Partei Chinas infiltriert seit vielen Jahren die Europäische Union und Deutschland und sie verfügt über ausreichende finanzielle Mittel, um westliche Politiker zu verschlingen.“

(Yonglin Chen, ehemals politischer Konsul)

Zwei weitere ehemalige Botschafter ebenfalls verdächtig

Das Mittel sei, direkt durch Kanäle der Immigration einzudringen, mit Geld zu locken, schöne Frauen zu treffen oder anderes. „Zum Beispiel verführten chinesische Geheimdienstmitarbeiter 2005 einen Mitarbeiter des japanischen Konsulats in Shanghai mit einer Frau und baten ihn, vertrauliche Informationen zu liefern. Das zwang ihn schließlich zum Selbstmord“, sagte Chen.

Zudem seien die ehemalige schwedische Botschafterin in China, Anna Lindstedt, und der ehemalige kanadische Botschafter in China, John McCallum, verdächtig. Sie sollen offenbar von der Kommunistischen Partei Chinas gekauft worden sein, sagte der Ex-KP-Diplomat im Interview.

Das nächste Groß-Ziel: 5G mit Huawei

Als die Reporter Yonglin Chen nach dem ​Zweck fragten, warum die Kommunistische Partei in China diese hochrangigen Politiker einsetzt, erhielten sie eine überraschende Antwort:

Vor nicht allzu langer Zeit sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer in einer Welle globaler Besorgnis über die Sicherheitsrisiken von Huawei, dass er ohne Huawei kein 5G-Netzwerk aufbauen könne. Das will der chinesische Einfluss erreichen!“

(Yonglin Chen, ehemals Erster Sekretär, China-Konsulat in Sydney)

Um zum mutmaßlichen Spionagefall des Ex-EU-Diplomaten zurückzukommen: Es könnte auch ein großer Zufall sein, dass die Lobbyfirma, bei der er nach seinem EU-Ausscheiden gearbeitet hatte, laut dem europäischen politischen Blog „B2 Bruxelles“  in Shanghai eine Tochtergesellschaft und ein Büro in Peking hatte. Ein weiterer Zufall scheint, dass selbige Firma auch laut der tschechischen Online-Zeitung „Aktualne“ den chinesischen Telekommunikationsriesen Huawei vertrete, der aktuell wegen Spionage und 5G im Gespräch ist.

Nachdem die Anschuldigungen gegen den Ex-EU-Diplomaten publik wurden, entfernte die Lobbyfirma schnell sein Konterfei aus dem Geschäftsführerprofil und entzog ihm seine Posten. Nach Angaben der Webseite „Lobbypedia“ sei der Schwerpunkt der Firma die „Interessenvertretung von Unternehmen und Verbänden gegenüber den Institutionen der Europäischen Union in Brüssel und in den EU-Mitgliedsstaaten“. Die Firma nutze gerne ehemalige Politiker als Türöffner für ihre Lobbyarbeit, heißt es weiter, und, dass es „wiederholt Berichte über fragwürdige Lobby-Methoden“ gegeben habe.

Laut Yonglin Chen enthülle der Fall um den Ex-EU-Diplomaten „nur die Spitze des Eisbergs des Einflusses der KPC in der EU und in Deutschland“. Die Kommunistische Partei Chinas betreibe ihr Netzwerk in Europa seit mehr als zehn Jahren leise und sorgfältig, „und ihr Einfluss und ihre Tentakeln waren sehr tief greifend“, versichert Insider Chen.

Warnungen vor Huawei

Im Fall von Huawei scheint Deutschland jedoch leichtsinnig zu sein. Warnende Töne werden überhört. Ex-Bundesverfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen beispielsweise hält den Einsatz von Huawei-Technik beim 5G-Ausbau für „sehr gefährlich“:

Das 5G-Netz wird das Rückgrat unseres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens werden. Wir begeben uns mit der Firma Huawei in die politische Abhängigkeit vom Wohlwollen der chinesischen Regierung, die sich im Zweifel nicht an Zusagen halten wird, wenn es in ihrem nationalen politischen Interesse ist.“

(Hans-Georg Maaßen, Ex-BfV-Präsident)

Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) sieht Huawei als Sicherheitsrisiko und würde lieber auf Partner setzen, zu denen man mehr Vertrauen hat, wie den finnischen Telekommunikationskonzern Nokia und das schwedische Unternehmen Ericsson.

Die EU hat aber offenbar keine größeren Bedenken: „Jeder Ausrüster, ob europäisch oder nicht, wird in Europa unter der Bedingung willkommen sein, dass er die europäischen Sicherheitsregeln respektiert“, sagte EU-Industriekommissar Thierry Breton vor zwei Wochen im EU-Parlament.

Die Fraktion von CDU und CSU folgt der EU und damit auch dem Bundeskanzleramt und dem Bundeswirtschaftsministerium. Für die USA ist Huawei ein trojanisches Pferd. Auch Australien und Neuseeland wollen 5G nicht mit dem chinesischen Konzern aufbauen.

Dies könnte andeuten, dass die Strategie Chinas zur Einflussnahme in Europa aufgegangen und das kommunistische Regime Pekings einen Schritt in seinen globalen Plänen weiter gekommen ist.

Anmerkung der Redaktion:
Das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit wurde im November 2020 von der Generalbundesanwaltschaft gem. § 170 Abs. 2 StPO eingestellt, da sich der Verdacht nicht mit der erforderlichen hinreichenden Sicherheit bestätigt hat und weitere Ermittlungsansätze nicht erkennbar waren.



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