Die Hongkonger Jugend demonstriert gegen die Einflussnahme der KP Chinas.Foto: Billy H.C. Kwok/Getty Images

Die Hongkonger Jugend jagt einer Hoffnung nach – der Freiheit unter Pekings autoritärem Griff

Von 19. August 2020 Aktualisiert: 20. August 2020 9:16
Die Hoffnung der jungen Aktivisten in Hongkong ist nicht erloschen. Dennoch ist die massive Einflussnahme der Kommunistischen Partei Chinas in der ehemaligen britischen Kronkolonie ein schwerer Schlag für die Bemühungen der jungen Menschen, die schwindende Demokratie in ihrer Stadt am Leben zu erhalten.

Als Simon Cheng die Nachricht erhielt, über Nacht zu einem Fahndungsobjekt geworden zu sein, war er geschockt – aber auch stolz. Cheng ist ein ehemaliger Mitarbeiter des britischen Konsulats und Hongkonger im Exil. „Jetzt bist du in den Schlagzeilen“, schrieb ihm ein Freund.

Cheng erhielt weder einen Brief der Behörden noch eine offizielle Erklärung seitens der Regierung von Hongkong. Aber „CCTV“, der staatliche Sender der Kommunistischen Partei Chinas, bestätigte, dass die Hongkonger Polizei die Verhaftung von Cheng angeordnet habe. Cheng ist ein pro-demokratischer Befürworter, der sich im Ausland für Hongkong einsetzt. Er ist einer von sechs Demokratieaktivisten, von denen die pekingtreue Hongkonger Regierung behauptet, sie hätten das neue „Nationale Sicherheitsgesetz“ verletzt. Der Vorwurf lautet „Sezession“ oder „Kollaboration mit ausländischen Streitkräften“. Die Verstöße werden mit bis zu lebenslanger Haft geahndet.

Cheng, der nach Großbritannien geflohen ist und politisches Asyl erhalten hat, wies die wie er es nennt „haltlosen Anschuldigungen“ zurück. „Ich habe nichts getan, wofür ich ein schlechtes Gewissen haben müsste“, sagte der 29-jährige Aktivist The Epoch Times. Er sagte auch: „Es gibt jetzt keinen Weg mehr zurück. Ich muss weitermachen.“

Auf der Abschussliste der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) zu stehen, sei für ihn eine Errungenschaft. „Es ist mir eine Ehre, mich für die Demokratie zu opfern“, betonte Cheng.

Wegen des wachsenden Einflusses der KPC haben vergangenen Sommer die pro-demokratischen Proteste in Hongkong begonnen. Seitdem hat die Polizei in der ehemaligen britischen Kolonie rund 9.700 Festnahmen durchgeführt. Über 2.000 Personen wurden strafrechtlich verfolgt. Etwa 40 Prozent der Festgenommenen waren „Sekundar- und Postsekundarschüler“. In Hongkong beginnt die Sekundarschule im Alter von 13 Jahren. Mindestens 24 Jugendliche sind seit Inkrafttreten des neuen Sicherheitsgesetzes am 1. Juli verhaftet worden.

Droh-Mail: „Chinesische Agenten werden dich finden und zurückbringen“

Der Haftbefehl kam etwa ein Jahr, nachdem chinesische Agenten Cheng während einer Geschäftsreise auf dem chinesischen Festland entführt und für 15 Tage in Haft genommen hatten.

Cheng sagte später, er sei gefesselt, geknebelt und wiederholt gefoltert worden. Damit habe die Polizei versucht, Informationen über die Protestbewegung in Hongkong zu erhalten. Einen Tag, nachdem er sein Schweigen gebrochen und seine Erfahrungen den britischen Medien mitgeteilt hatte, strahlte Chinas englischsprachiger staatlicher Fernsehsender „CGTN“ ein Geständnisvideo aus, in dem sich Cheng zu Prostitutionsanschuldigungen seitens chinesischer Behörden bekannte. Cheng reichte daraufhin eine Klage bei der britischen Rundfunkaufsichtsbehörde gegen „CGTN“ ein wegen Verletzung der Privatsphäre und unfairem Verhalten.

In London sagte Cheng, er werde verfolgt. Mindestens dreimal habe er bemerkt, dass ihm verdächtige Personen gefolgt seien. Am 10. August veröffentlichte er einen Screenshot einer an ihn gerichteten Droh-E-Mail, mit der Betreffzeile: „Chinesische Agenten werden dich finden und zurückbringen.“

Hilfe zur Flucht aus Hongkong auf „Haven Assistance“

Trotzdem macht Cheng weiter. Er hat eine Plattform mit dem Namen „Haven Assistance“ ins Leben gerufen. Dort wird Dissidenten aus Hongkong bei der Flucht in andere Länder geholfen. Hongkong ist in eine neue Phase eingetreten, seit Peking das neue Sicherheitsgesetz durchgesetzt hat.

Die lokalen Behörden haben ihre Aggressionen intensiviert. Sie haben unter anderem die Verwendung eines populären Protestslogans und einer inoffiziellen Protesthymne kriminalisiert und zwölf pro-demokratische Kandidaten für die Legislative von der Teilnahme an den Wahlen ausgeschlossen. Danach wurde die Wahl ganz abgesagt und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben Kritiker der KPC nannten dies eine Taktik, um eine peinliche Wahlniederlage für das pekingfreundliche Lager zu vermeiden.

Wegen Einträgen in den sozialen Medien wurden Menschen verhaftet, die Redaktion einer pekingkritischen Zeitung wurde durchsucht und es wurden Haftbefehle gegen Cheng, der US-Bürger ist, und andere Dissidenten aus Übersee erlassen.

Die scharfen Maßnahmen in Hongkong, die eine Folge des Einflusses der Kommunistischen Partei Chinas sind, sind von Regierungen auf der ganzen Welt heftig kritisiert worden. Die USA haben elf lokale Beamte wegen ihres harten Vorgehen gegen die Hongkonger sanktioniert. Darunter auch Carrie Lam die Regierungschefin von Hongkong.

„Niemand hasst die Kommunistische Partei Chinas von Geburt an“, sagte Cheng. Er fügte aber hinzu, dass sich viele gemäßigte Hongkonger Jugendliche wegen der Brutalität der KPC nun auch lautstark gegen Peking ausprächen.

Die KPC hat „die jungen Leute dorthin gedrängt, wo sie jetzt sind“. Peking habe sich durch sein eigenes Handeln so viele Feinde gemacht, sagte er.

Die Identität Hongkongs verteidigen

In Causeway Bay, einem beliebten Einkaufsviertel in Hongkong, verteilt der 19-jährige Zack Ho Flyer mit kreativen Texten. Damit will er die Menschen an Hongkongs politische Notlage erinnern und gleichzeitig lokale kulturelle Bräuche fördern: von Hongkongs Verwendung der traditionellen chinesischen Schrift im Gegensatz zur vereinfachten Version, die auf dem chinesischen Festland verwendet wird bis hin zu den berühmten cremigen Eiertorten.

Die Idee sei, die Menschen zu erreichen, „die keine richtige Meinung über die aktuelle politische Situation der Stadt haben, da sie zu sehr in der Eintönigkeit ihres Alltagslebens gefangen sind“, sagte Ho, der Gründer der Studenten-Aktivistengruppe „Inspidemia“.

Seine Flugblätter verwenden absichtlich Phrasen, mit denen neue Verbote der Behörden umgangen werden können. Mit dem Wort „Nachhongkongzeiten“ wird beispielsweise auf das Ende von „ein Land, zwei Systeme“ hingedeutet. 1997 versprach Peking den Bürgern in Hongkong volle Souveränität. Auch werden Teile des Slogans „es gibt keine Randalierer, nur eine tyrannische Regierung“ durch Leerzeichen ersetzt, um das neue Gesetz zu umgehen.

„Wir versuchen, nur Wortspiele zu verwenden“, sagte Ho in einem Telefoninterview. „Wir können nicht sagen, ‚ein Land, zwei Systeme‘ ist tot, [und] wir können auch nicht sagen, die Autonomie Hongkongs ist tot (…) also versuchen wir, ihnen das leise mitzuteilen.“

„Versuche, nicht verhaftet zu werden“

Die Straßen sind nun viel ruhiger als im vergangenen Jahr, als die Angst vor einer weiteren Einflussnahme Pekings herrschte. Der Vorschlag der Regierung, das Auslieferungsgesetz mit Peking zu verschärfen, brachte damals Millionen auf die Straße. Unter Berufung auf die Besorgnis über die Ausbreitung von COVID-19 und auf das Sicherheitsgesetz nahm die Polizei in diesem Jahr rasch Verhaftungen vor, um aufkeimende Anzeichen von Protesten zu unterdrücken. Oft seien die Menschen, die an seinem Stand vorbeigingen „ruhig“ oder „ignorieren“ den Stand, sagte Ho. Denn in der Nähe patroullierten immer Polizeibeamte und ihre Zahl steige stetig.

Selbst das Drucken der Materialien war keine Kleinigkeit: Von 50 Druckereien, mit denen Ho sprach, war nur eine Handvoll bereit, seine Flugblätter zu drucken denn viele führten ihre Druckarbeiten auf dem Festland durch und wollten nicht riskieren, die Behörden zu provozieren, sagte er.

Ho hofft, in Zukunft eine politische Karriere einzuschlagen und den örtlichen Gemeinden als Bezirksratsmitglied zu dienen. Er lasse sich durch das Sicherheitsgesetz nicht abschrecken. „Wir wollen nur unsere Denkweise zum Ausdruck bringen“, sagte er, „deswegen sollten die Menschen nicht den Mund halten.“

Doch im August, als mehrere junge pro-demokratische Aktivisten wegen des Verstoßes gegen das neue Gesetz verhaftet wurden, zwang die eskalierende Unterdrückung Ho dazu, seinen Einsatz zu überdenken. Er fragte sich: „Was soll ich von nun an sagen (…) damit ich meine Arbeit sicherer fortsetzen kann?“ Die erste Regel, so entschied er, lautete:  „Versuche, nicht verhaftet zu werden“ und ein langfristiges Spiel zu spielen.

Trotz der Risiken verglich Ho, genauso wie Cheng, die jüngsten Verhaftungen mit einem Ehrenabzeichen. „Weil wir für Gerechtigkeit stehen. Wir stehen für die wahren Werte Hongkongs“, sagte er.

Die Jagd nach der Hoffnung

Die Aktivisten in Hongkong verspüren ein Gefühl der Verzweiflung und Frustration. Der Grund: Die Auswirkungen des neuen Gesetzes. Beispielsweise sind alle Symbole, die mit der Bewegung in Zusammenhang standen, vernichtet worden: Parolen, Protestlieder, Kundgebungen und Lennon Walls alles wurde entfernt. Entweder freiwillig, um sich der Kontrolle der Behörden zu entziehen, oder durch Verbote der Polizei.

„Es fühlt sich ein bisschen einsam an, dort wo wir jetzt stehen. Wir sind ganz allein“, sagte Ventus Lau, der 2019 mehrere große Proteste organisierte, kürzlich in einem Telefoninterview. Der 26-Jährige war einer der pro-demokratischen Kandidaten, die bei den Wahlen im September disqualifiziert wurden. Lau sieht sich im Zusammenhang mit den Protesten im vergangenen Jahr ebenfalls mit Krawallanklagen konfrontiert.

Für die junge Generation die treibende Kraft der pro-demokratischen Proteste sei die neue Realität am schrecklichsten. „Es ist eine Zukunft, die unter Pekings autoritärer Herrschaft steht“, sagte er. Lau sieht noch keinen Ausweg. Er glaubt aber, dass solange die Hongkonger einen Hoffnungsschimmer bewahren, die Lösung auftauchen werde „vielleicht nur nicht jetzt“.

„Wir dürfen niemals aufgeben. Wir müssen das für die nächste Generation tun“, sagte er. „Wir müssen bis zum letzten Moment kämpfen.“ Das sei der einzige Weg. Die Zukunft werde nur besser, „wenn wir weitermachen“, sagte Lau. Damit zeigten sie der Welt, dass Hongkong nach wie vor Freiheit verdiene.

„Wir kämpfen nicht, weil wir Hoffnung gesehen haben. Wir kämpfen, weil wir der Hoffnung nachjagen, und Hoffnung wird durch menschliche Anstrengungen gemacht“, sagte Ho unterdessen. Und der dunkelste Moment, sagte Cheng, „ist auch der hellste“. „Denn wir können den massiven Wandel, der kommen wird, miterleben.“

Dieser Artikel erschien im Original auf The Epoch Times USA unter dem Titel: Hong Kong Youth Chase Hope, Freedom Under Beijing’s Authoritarian Grip (deutsche Bearbeitung so)



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Viele bezeichnen ihr berufliches oder soziales Umfeld metaphorisch als „Schlachtfeld“ – doch für die KP China bedeutet es Krieg im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Partei, die die Regierung Chinas stellt, vertritt den Grundgedanken der „uneingeschränkten Kriegsführung“: „Einfach ausgedrückt, Schwarzkopf [Oberbefehlshaber der multinationalen Streitkräfte des Golfkriegs] + Soros + Morris [Schöpfer des Morris-Wurm-Computervirus] + bin Laden? Das ist unsere wahre Karte, die wir ausspielen“, so zwei chinesische Oberste, die „Erfinder“ der „Uneingeschränkten Kriegsführung“.

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