Erster Arzt-Todesfall durch Coronavirus in China – Frankreich will Landsleute aus Sperrgebiet holen

Epoch Times25. Januar 2020 Aktualisiert: 27. Januar 2020 21:21
Es war eine Frage der Zeit, bis das Coronavirus Europa erreicht. Nun ist die vom Erreger ausgelöste Lungenkrankheit erstmals in der EU aufgetreten. Die Zahl der Todesopfer und Infizierten steigt in China rasant an. Am chinesischen Neujahr wurde offiziell der 1. Todesfall eines Arztes an diesem Virus gemeldet.

Das chinesische Staatsfernsehen berichtete am Samstag von neuen Todesopfern und steigenden Erkrankungen, rund ein Drittel mehr als noch am Vortag.

Laut dem Staatsfunk gehörte zu den jüngsten Opfern der Lungenkrankheit auch ein 62-jähriger Arzt, der sich während der Arbeit in einem Wuhaner Krankenhaus infiziert hatte. Er starb am chinesischen Neujahrstag, dem 25. Januar.

Das aus China stammende Coronavirus lässt immer mehr Menschen an einer neuen Lungenkrankheit sterben und hat inzwischen auch Europa erreicht. Als erstes Land der EU bestätigte Frankreich Infektionen.

Drei Patienten befinden sich in Frankreich derzeit unter Quarantäne im Krankenhaus, wie das französische Gesundheitsministerium mitteilte. Ein Fall trat demnach in Bordeaux auf, die anderen beiden Lungenerkrankungen wurden in Paris diagnostiziert. Alle Patienten hätten sich zuvor in China aufgehalten, hieß es. Jeder, der in engem Kontakt mit den drei Infizierten stand, solle überprüft werden. Die Regierung werde alles unternehmen, um eine Ausbreitung des Erregers einzudämmen, sagte Gesundheitsministerin Agnès Buzyn. „Wir müssen eine Epidemie behandeln wie einen Flächenbrand.“

In Bordeaux handelt es sich den Angaben zufolge um einen 48-jährigen Mann, der über Wuhan aus China zurückgekehrt war. In der chinesischen Millionenmetropole waren in Dezember 2019 die ersten Fälle der neuen Lungenkrankheit aufgetreten.

Weitere Fälle außerhalb Chinas

Bestätigte Fälle wurden zuletzt auch aus anderen asiatischen Ländern wie Japan, Thailand, Vietnam, Nepal, Singapur und Taiwan gemeldet. Aus den US-Großstädten Seattle und Chicago wurde bis Freitag jeweils eine Erkrankung gemeldet.

Am Samstag bestätigte dann auch Australien einen Fall der vom neuen Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit: Der Erreger sei bei einem Chinesen nachgewiesen worden, der vergangene Woche aus China nach Melbourne gereist und zuvor in Wuhan gewesen sei, sagte Gesundheitsministerin Jenny Mikakos.

Frankreichs Gesundheitsministerin Buzyn rief zur Achtsamkeit auf und appellierte an alle aus China zurückkehrenden Reisenden, genau darauf zu achten, ob sie Lungenprobleme oder Fieber bekämen. Im Fall der Fälle sollten sie unter keinen Umständen einen Arzt oder Notdienst aufsuchen, sondern den Notdienst kontaktieren. Dieser würde die Betroffenen zu Hause abholen und direkt ins Krankenhaus bringen.

Busdienst bringt Franzosen aus Wuhan

Buzyn schloss bereits am frühen Abend nicht aus, dass es noch weitere Fälle geben könnte. Die bisher Erkrankten seien aufgrund der effektiven Schnelltests zügig identifiziert worden. Man werde nun täglich über die laufenden Entwicklungen informieren. Frankreichs Außenministerium erklärte, in Wuhan werde ein Busdienst eingerichtet, mit dem französische Staatsbürger die Großstadt verlassen könnten.

Um die Ausbreitung des Virus zu bremsen, hat China den 43 Millionen Bewohnern von zwölf Städten in der schwer betroffenen Provinz Hubei drastische Restriktionen auferlegt. Nah- und Fernverkehr wurden gestoppt, Ausfallstraßen gesperrt. Zudem sollen in der Öffentlichkeit Schutzmasken getragen werden. In Wuhan gibt es besonders viele Infektionen, weil das Virus dort – vermutlich auf einem Markt – von einer Wildtierart auf den Menschen übersprang.

USA zieht Personal aus Generalkonsulat Wuhan ab

Die USA kündigten an, das Personal ihres Generalkonsulats und deren Familien aus Wuhan abzuziehen. Die Anordnung erfolge wegen der Ausbreitung des Coronavirus, der logistischen Probleme durch Verkehrseinschränkungen und der „überwältigten Krankenhäuser“ der Stadt, sagte ein Botschaftssprecher.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts relativierte die länderübergreifende Gefahr durch das neue Virus. „Außerhalb Chinas gibt es bisher keine großen Infektionsketten“, sagte Lothar Wieler am Freitagabend im „Heute Journal“ des ZDF. Allerdings betonte der Mikrobiologe, man könne die Schwere der dadurch verursachten Erkrankung noch nicht genau beurteilen. „Wir haben keine vollständigen Informationen“, sagte Wieler.

Die weltweiten Vorsichtsmaßnahmen begründete er unter anderem damit, dass der neue Erreger dem SARS-Virus genetisch sehr ähnlich sei und über die Atemwege verbreitet werde. An SARS (Schweres Akutes Atemwegssyndrom) waren 2002/2003 etwa 800 Menschen nach offiziellen Angaben gestorben. Die Dunkelziffer lag schon damals höher.

Deutsche Politiker fordern Sicherheitsmaßnahmen

Politiker forderten Behörden und Kliniken in Deutschland auf, sich für eine Ausbreitung des Coronavirus auch hierzulande einzustellen. „Wichtig ist, dass deutsche Kliniken sich bereits jetzt darauf vorbereiten, solche Patienten behandeln zu können“, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Erwin Rüdel (CDU), der „Rheinischen Post“. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der Zeitung, derzeit seien Fiebermessungen bei China-Reisenden auf deutschen Flughäfen zwar noch nicht sinnvoll. „Grundsätzlich sollte aber ein solcher Einsatz der Messungen vorbereitet werden“, empfahl Lauterbach. Denn das könne „in den nächsten Wochen notwendig werden“.

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Ärzte in Wuhan äußerten den Verdacht, dass sich dort schon wesentlich mehr Menschen angesteckt haben dürften als offiziell angegeben. Auch sei offenkundig weitaus mehr Krankenhauspersonal betroffen als jene 15 Beschäftigten, von denen bislang offiziell die Rede sei. „Es lassen sich infizierte Krankenhausmitarbeiter in fast allen größeren Krankenhäusern in Wuhan finden“, sagte ein Arzt der Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“.

Chinesische Staatsmedien berichteten, in der elf Millionen Einwohner zählenden Provinzhauptstadt Wuhan werde ein neues Krankenhaus mit 1000 Betten errichtet – in nur sechs Tagen. Der Gebäudekomplex wird demnach aus vorproduzierten Bauteilen zusammengesetzt. Das Krankenhaus soll Anfang Februar die ersten Patienten aufnehmen. (dpa/yz)