So kauft China Deutschlands Top-Unternehmen auf!

Epoch Times30. Juni 2015 Aktualisiert: 30. Juni 2015 21:59
"Europäische Unternehmen sind aufgrund der Krise momentan günstig", sagt Edward Tse von der Unternehmensberatung Booz in Shanghai. Beliebte Übernahmeziele in Deutschland liegen im Chemiebereich, dem Fahrzeug- und Maschinenbau.

"Made in Germany" war einmal, jetzt heißt es besser: "Made in China". Und das auch im Bereich der Weltmarktführer, der Autoindustrie und dem Maschinenbau, auf die Deutschland so stolz war.

In der ersten Jahreshälfte 2015 wechselten europäische Firmen im Wert von 134,2 Milliarden Dollar (121 Milliarden Euro) ihre Besitzer, vor allem nach China und Nordamerika. Neue Daten einer Studie von der Finanzagentur Bloomberg zeigen weiterhin, dass die Fusionen und Übernahmen (M&A, Mergers & Acquisitions) um 58 Prozent zum Vorjahr gestiegen sind.

Unter M&A werden Unternehmenseinkäufe, -verkäufe und –zusammenschlüsse verstanden. In Europa wurden im Jahr 2014 M&A Deals im Wert von insgesamt rund 901,4 Milliarden US-Dollar durchgeführt.

"Europäische Unternehmen sind aufgrund der Krise momentan günstig", sagt Edward Tse von der Unternehmensberatung Booz in Shanghai.

„Zou Chu Qu", zu deutsch: "Schwärmt aus!" war der Auftrag der chinesischen Regierung zum WTO-Beitritt Chinas 2001 an die Unternehmer

Westliche Unternehmen und deren Technologien zu übernehmen ist ein Ziel der chinesischen Regierung. Jedoch gibt es ein Ungleichgewicht: der chinesische Staat bindet westliche Unternehmen, die in China investieren wollen, an konkrete Auflagen. Chinesische Unternehmen hier haben jedoch meist freie Hand.

"Die Asymmetrie aus vergleichsweise freien Märkten in Deutschland und dem großen Regierungseinfluss in China trägt dazu bei, den chinesischen Staatskapitalismus stärker zu machen", sagt Stieler (Unternehmensberatung STM in Shanghai).

Das hat die deutsche Wirtschaft im Bahnbereich schmerzhaft gespürt: Siemens, Alstrom und GE agierten gemeinsam mit chinesischen Unternehmen.

Die Aufgabe war Technologietransfer – dafür bekamen sie Zugang zum chinesischen Markt. Heute zeigt sich der hohe Preis, da China nun nicht mehr nur "billige" Technologien anbietet, sondern sehr gute Qualität a la "Made in Germany" auf dem Weltmarkt anbietet. China hat nicht nur die Hochtechnologie des ICE übernommen – sondern gleichzeitig auch die Struktur des deutschen Patentwesen.

China hat anfangs nur insolvente Unternehmen in seinen Besitz gebracht. Seit Anfang 2012 veränderte sich diese Strategie, seither sind die Ziele hauptsächlich die sogenannten Hidden Champions, das sind Unternehmen, die in speziellen Marktbereichen Weltmarktführer sind.

Die letzte Übernahme, die China durchführte, ging am 19. Juni durch die Medien. Daimler verkaufte seine ostdeutschen Niederlassungen an Lei Shing Hong. Der Mischkonzern mit Sitz in Hongkong kaufte Ende letzten Jahres bereits den Mercedes-Standort Erfurt. Mit 120.000 verkauften Pkw ist er der größte Mercedes-Händler der Welt. 

SAP und die Falle Huawei

In den USA läuft das etwas anders. Ein Geheimdienstausschuss hat z.B. die Regierung aufgefordert, Übernahmen amerikanischer Firmen durch die Konzerne Huawei und ZTE zu untersagen, da diese zu nah am Staats- und Militärapparats Chinas sind und ein Sicherheitsrisiko darstellen. Sie haben einen sehr schlechten Ruf.

SAP, der nach Umsatz größte europäische Softwarehersteller mit Sitz in Walldorf / Baden-Württemberg, ist jedoch gerade mit Huawei eine Partnerschaft eingegangen, um ihre Software in Asien zu verbreiten. Anders als in anderen Ländern liegen die SAP-Daten nicht auf eigenen Servern, sondern auf denen des Staatskonzerns China Telecom. Ebenso ist die Sicherheit der Router und die „chinesische Firewall“ ein Riesenproblem.

Beliebte Übernahmeziele in Deutschland liegen im Chemiebereich, dem Fahrzeug- und Maschinenbau

Wieso gerade diese?

Zum einen leiden viele der deutschen Firmen an einer Unterfinanzierung durch die Banken. Der Markt in Europa ist gesättigt, sie haben somit als zweites mit einer Nachfrageschwäche zu tun. Als drittes spielt die Nachfolgeproblematik eine Rolle, Georg Stieler von der Unternehmensberatung STM in Shanghai sagte: "Viele Erben verkaufen lieber, als das Unternehmen weiterzuführen." 

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Chinesische Firmen „… sind in aller Regel eher längerfristig orientiert und nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung und Mitnahmeeffekte aus", erklärt Roman Zitzelsberger, Chef der baden-württembergischen IG Metall.

Hier finden sie EINIGE deutsche Firmen, die von China übernommen wurden oder an den China große Beteiligungen hält (Quelle)

Weitere Firmenübernahmen – auch Übernahmen innerhalb von Deutschland oder durch Unternehmen anderer Länder – sind auf der Webseite wer-zu-wem.de aufgelistet.

Winkelschleifer-Hersteller Flex Elektrowerkzeuge GmbH (Schwaben / von Chervon übernommen)
Hilite, Autozulieferer Motoren und Getriebe (Marktheidenfeld / von AVIC übernommen)
Avancis, Dünnschicht-Photovoltaik-Modulen – CIS-Module (Torgau / übernommen vom Baustoff- und Glaskonzern CNBM (China National Building Materials Group Corporation) mit Sitz in Peking.
CSG Solar, Photovoltaikmodule  (Thalheim / von Suntech Power übernommen, 2013 geschlossen)
Sunways, Solarzellen (Konstanz / vom Solarkonzern LDK Solar übernommen)
Scheuten Solar, Modulproduktion (Gelsenkirchen / von Aiko Solar Energy Technology Co. Ltd. Scheuten Solar übernommen)
Solibro, Dünnschichtsolarmodule (Thalheim / von Hanergy Holding Group übernommen)
Asola Solarpower (Erfurt / von  Elektronikhersteller STGCON übernommen)
Conergy Solarmodule (Hamburg / Frankfurt/Oder, von Astronergy, einer Tochter des chinesischen Industriekonzerns Chint übernommen)
Kunststoff-Sparte ZF Friedrichshafen (Damme / Bonn / Simmern von Zhuzhou Times New Material Technology (TMT) übernommen)
Löschfahrzeughersteller Ziegler (Giengen/ vom Logistik-Konzern CIMC übernommen)
Nähmaschinenhersteller Pfaff (von der Beteiligungsgesellschaft SGSB Group übernommen)
Aweco Hausgerätezulieferer, Kühlschränke (Süddeutschland / vom Mischkonzern Zhejiang Sanhua übernommen)
MAG Group, fünftgrößter Werkzeugmaschinenhersteller Deutschlands (Göppingen / vom chinesischen Staatskonzern Sinomach und der japanische Komatsu-Konzern übernommen)
Kion, Gabelstaplerhersteller (Wiesbaden / Weichai Power , Weichai gehört zum chinesischen Baumaschinenproduzenten Shandong Heavy Industry)
Tailored Blanks, lasergeschweißte Autobleche – Ende August 2012 war im Gespräch, das der fünftgrößte Stahlhersteller der Welt, Wuhan Iron and Steel (Wisco), interessiert ist
Schwing, Baumaschinenherstellter (Heme, NRW / vom Maschinenbaukonzern XCMG übernommen, größter Baumaschinenhersteller weltweit)
Kiekert, Weltmarktführer von Pkw-Schließsystemen und Erfinder der modernen Zentralverriegelung (Standorte in Deutschland, Tschechien, USA, Mexiko und China / vom Automobilzulieferer Lingyun (Peking) übernommen)
Putzmeister, Betonpumpen (Aichtal bei Stuttgart / vom Baumaschinenkonzern Sany Heavy Industries übernommen)
Preh, Automobilzulieferer für Bedienelemente für Navigation, Autotelefon und TV- und Radioempfang (Preh Unterfranken / von  Joyson Investment Holding übernommen)
Saargummi, Dichtungsspezialist (Büschfeld / vom staatseigenen Mischkonzern Chongqing Light Industry & Textile Holding (CQLT) übernommen)
KSM Casting, Zulieferer von Aluminiumfelgen, Autoindustrie (Hildesheim / von CITIC Dicastal Wheel Manufacturing übernommen)
Kelch Werkzeuge, (Weinstadt / von Harbin Measuring & Cutting Tool Group übernommen)
Sellner, Automobilzulieferer Spezialist für Oberflächen im Innenraum (Neuendettelsau / von Ningbo Huaxiang Electronic (NBHX) übernommen)

Seit dem Jahr 2000 haben chinesische Unternehmen für 46 Milliarden Euro in Europa Firmen gekauft

Die chinesischen Investitionen in Europa nehmen immer weiter zu. Von 2000 bis 2014 gab es mehr als 1000 Neugründungen, Übernahmen und Fusionen im Umfang von 46 Milliarden Euro.

Das interessante und begehrteste Land für China’s Unternehmen ist derzeit Großbritannien, danach kommen Deutschland und Frankreich. Großbritannien gilt für China als einer der offensten Märkte der Welt, sie nutzen Londons Rolle als Finanzzentrum und die Sprache, bevor sie weitere Länder Europas heimsuchen. Viele Chinesen sprechen sehr gut Englisch.

Eine Beispiele aus Großbritannien:

– Royal Docks im Osten Londons: sie sollen zu einem Businesspark für asiatische Firmen werden

– die alte Ram-Brauerei in London wird vom Immobilienkonzern der Stadt Shanghai, der Greenland Holding, in ein neues Wohn- und Shoppingquartier umgewandelt

– nach Angaben der Bank of China haben Investoren aus China Anteile an den Flughäfen Heathrow und Manchester, am Müsliproduzenten Weetabix, der Pizzakette Pizza Express und an Ölanlagen in der Nordsee

– die Bohrinsel "Golden Eagle“ (Eröffnung 2014) gehört der chinesischen Cnooc Limited mit Hauptsitz in Peking

Und in Zukunft?

Paulo Pereira, Partner bei Perella Weinberg Partners in London formuliert es so:

„Unternehmen aus den USA und Asien, die über viel Liquidität verfügen, suchen nach Möglichkeiten, um außerhalb ihrer Heimatmärkte zu expandieren – und Europa ist eine Region, in der sie interessante Anlagen finden können“.

Vikas Seth, Chef für M&A Europa, Naher Osten, Afrika und globale Schwellenmärkte bei der Schweizer Credit Suisse in London  sagt:

„Viele europäische Unternehmen hatten seit der Finanzkrise ein ‚Zum Verkaufen‘-Schild aushängen … Doch erst seit kurzem fühlen sich weltweite Käufer sicher genug mit Blick auf die Aussichten der Region – und sie nutzen die Lage aus, die eine einmalige Gelegenheit sein könnte, um strategische Vermögenswerte hinzuzukaufen.“

(ks)

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