Warum China die Weltwirtschaft nicht retten kann

Epoch Times10. September 2015 Aktualisiert: 10. September 2015 14:51
Erst überzogene Erwartung, nun globale Enttäuschung: „War doch absehbar, dass China die Weltwirtschaft nicht als Wachstumsmotor retten kann!“, so He Qinglian. In diesem Blog-Artikel analysiert die Dissidentin und Wirtschaftsexpertin detailliert, warum.

Lang hat es gebraucht: Eine pessimistische Sicht auf die chinesischen Wirtschaft entwickelte die internationale Gemeinschaft erst vor kurzem – doch das kollektiv. Die Gründe für den Pessimismus variieren: Manche glauben, dass Xi Jinpings Anti-Korruptions-Kampagne zu politischer Instabilität und damit wirtschaftlicher Rezession führte; andere denken, dass der Eingriff des chinesischen Regimes in den Aktienmarkt die Wirtschaftskrise verursachte.

Doch fast nie ziehen Leute ernsthaft in Betracht, dass es Chinas Wirtschaftssystem selbst ist, das der Erhaltung von Wohlstand im Weg steht. Die „Arche Noah“ zur Rettung der Weltwirtschaft ist China trotz allen Wunschdenkens nie gewesen.

„Der chinesische Traum“

Witze über „den chinesischen Traum" haben jetzt Hochkonjunktur: Er sei „reine Illusion“ heißt es angesichts grassierender Arbeitslosigkeit und eines wirtschaftlich härter werdenden Lebens in Chinas Mittel- und Unterschicht.

Wenige Chinesen sind sich indessen bewusst, dass auch im Ausland ein „chinesischer Traum“ geträumt wurde, der überall von Europa, Amerika bis Afrika der gleiche war: Regierungen hatten die Phantasie, das chinesische Regime werde seinen großen Geldsack öffnen und durch Investitionen in ihre Länder Wirtschaft und Beschäftigung voranbringen …

China hat tatsächlich große Auslandsinvestitionen getätigt. Daten von der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) zeigen, dass China zum weltweit drittgrößten Auslands-Investor im Jahr 2013 aufstieg – gleich hinter den USA mit ihren 338, 3 Milliarden Dollar und Japans 135,7 Milliarden. Ab 2005 bis zur ersten Jahreshälfte 2014 betrugen Chinas Foreign Direct Investments (FDI) 515,3 Milliarden US-Dollar. Weiteres Engagement in Höhe von 355,1 Milliarden USD war geplant.

Chinas Investitionen in den USA, Großbritannien und Deutschland wuchsen rasant: Zwischen 2007 und 2013 vervielfachte sich Chinas Investitionsvolumen in den Vereinigten Staaten um das 14-fache. 80.000 Arbeitsplätze wurden geschaffen, in 35 von 50 US-Bundesstaaten waren Chinesen aktiv. New York, Kalifornien und Texas belegten die ersten drei Plätze. Die Investitionen fanden auf verschiedensten Gebieten statt: Energie, Immobilien, Industrie, Finanzen, Dienstleistungen, Informationsverarbeitung, Elektronik, Biotechnologie, Nachhaltigkeit und anderen.

Auch Deutschland wurde zum Hot Spot chinesischer Investitionen: Im Jahr 2012 entfielen 38 Prozent der chinesischen FDI-Projekte in Europa auf Deutschland – dies war mehr, als in Großbritannien und Frankreich zusammen.

Laut Daten aus deutschen Statistiken, gründete China bis Ende 2014 in Deutschland 2.500 Unternehmen, wodurch 12.000 Arbeitsplätze entstanden.

Auch das internationale Investment-Banking profitierte vom chinesischen Markt: Im Jahr 2014 verbuchte es im Reich der Mitte den Rekordumsatz von 6 Milliarden US-Dollar. Daraufhin verstiegen sich das deutsche Merics China Research Center und die US-Gruppe Rhodium zur Vorhersage, dass China bis 2020 der weltgrößte Cross-Border-Investor werden würde.

Meine Antwort auf diesen Optimismus: Je höher die Erwartung, desto größer die Enttäuschung! Nur weil die Erwartung global überzogen war, trübt Chinas Rezession jetzt weltweit die Stimmung.

„Das chinesische Jahrhundert“

Derzeit gelingt es Peking nicht, die chinesische Wirtschaft zu retten. Gleichzeitig will das chinesische Regime unbedingt Weltmacht Nummer 2 werden. Doch dafür stehen die Zeichen schlecht.

Als Xi Jinping und Li Keqiang die Macht übernahmen, waren Böden, Flüsse, Seen, Meere und Luft stark verschmutzt und die drei wichtigsten Säulen der wirtschaftlichen Entwicklung, die seit fast 30 Jahren geboomt hatten, lagen darnieder.

Analysten, die im 21. Jahrhundert das „chinesische Jahrhundert" sahen, akzeptierten die Tatsache nicht, dass ein Land nur unter zwei Bedingungen nachhaltiges Wachstum erleben kann:

Erstens muss es über einen enormen Ressourcenvorsprung verfügen, gepaart mit Sparsamkeits-Bewusstsein und zeitgemäßen Industriesystemen, wie es zum Beispiel in den USA und Kanada der Fall ist.

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Und zweitens ist Spitzentechnologie nötig, wie sie aktuell in den USA oder in Großbritannien vor dem Zweiten Weltkrieg vorhanden war.

Sowohl Großbritannien als auch China wurden „Weltfabrik" genannt: Die Briten wegen ihres technologischen Vorsprungs während der industriellen Revolution; China war dagegen nur ein Montagewerk, das mit dem einstigen britischen Status kaum verglichen werden kann. Sobald Arbeit und Grundstücke in China teurer werden, wird das internationale Kapital zu billigeren Produktionsstandorten fließen.

Chinas Blüte als „Weltfabrik“ setzte ganz auf diesen Kostenvorteil, nämlich billige Grundstücke und Arbeitskraft. Um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben, plünderte man rücksichtslos Rohstoffe und Ressourcen – mit dem Ergebnis, dass Wasser, Boden und Luft stark verschmutzt und Mineralien verbraucht wurden. Nach Statistiken der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission gibt es in China 118 Städte, deren Ressourcen vollständig erschöpft sind. Etwa 18 Prozent aller Städte und 154 Millionen Menschen sind davon betroffen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist: China hat nur deshalb so viel Geld für Auslandsinvestitionen, weil Peking das Geld druckt. „Die größte Gelddruckerei der Welt“ ist deshalb Chinas zweiter Spitzname.

Eine statistische Analyse des 21st Century Business Herald untersuchte Anfang 2013 die Entwicklung der Geldmenge M2 der weltweit wichtigsten Notenbanken für die Jahre 2008 bis 2012.

Dabei kam heraus, dass die Geldmenge der chinesischen Zentralbank seit 2009 die Japans, der USA und der Eurozone übertraf. China war zum größten Geldautomaten der Welt geworden. Im Jahr 2012 stieg die weltweite Menge an Neugeld um 26 Billionen Yuan (3,64 Billionen Euro), fast die Hälfte davon kam aus China.

Willkommen in der Rezession

Vor knapp 40 Jahren öffnete sich China der Welt. Und bis 2008 träumten alle entwickelten Länder von China als ihrem Investitionsparadies und größtem Absatzmarkt. Doch nachdem sie entdeckten, dass die Investitionsumgebung dort alles andere als ideal war, gingen sie einer nach dem anderen.

Nach der Finanzkrise hofften viele Länder wieder auf China – diesmal darauf, dass es als Wachstumsmotor die Weltwirtschaft retten würde. Dabei ignorierten sie absichtlich die Tatsache, dass China im Vergleich zur „rettungsbedürftigen“ EU, Neuseeland oder Südafrika ein viel ärmeres Land ist, in dem 800 Millionen Menschen von weniger als zwei Dollar pro Tag leben. Und das bei extremer Umweltverschmutzung und wenig oder gar keiner Sozialhilfe.

Am 22. Januar 2015 träumte das chinesische Wall Street Journal unter dem Titel „Chinas Kapital in Bewegung“ wieder den alten Traum, indem es schrieb: „Wir brauchen ein drittes Bretton Woods, um das globale Wachstum anzukurbeln – China sollte die Mittel bereitstellen und die USA wieder einen wesentlichen Teil davon aufsaugen … "

Ein völlig absurder Traum, erleben wir doch gerade, wie die chinesische Wirtschaft in eine langfristige Rezession abrutscht.

Dies ist eine gekürzte Übersetzung eines Artikels, den He Qinglian auf ihrem Blog veröffentlichte. Die prominente chinesische Autorin und Ökonomin lebt in den USA und schreibt regelmäßig über Chinas zeitgenössische soziale und wirtschaftliche Fragen.

Mehr von ihr: Börsenmanipulation in China: So melkt das Regime die Anleger

(deutsch von rf)

Artikel auf Englisch:

http://www.theepochtimes.com/n3/1745727-china-is-not-saving-the-world-economy/