„Wirtschaftszweig“ Organraub: Transplantations-Touristen strömen nach China

Von 14. März 2019 Aktualisiert: 15. März 2019 11:56
Organtransplationen in China boomen – obwohl die Anzahl an freiwilligen Organspendern im Reich der Mitte minimal ist. Gesetze in Taiwan und Israel beweisen: Verbote von Transplantation von Organen ohne Einwilligung des Spenders könnten die Transplantationsindustrie in China eindämmen.

Organtransplantationen sind in China zu einem rentablen Wirtschaftszweig geworden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs die Anzahl der vorgenommenen Transplantationen exponentiell. Heute ist China für Transplantationstouristen das Nummer-1-Ziel aus aller Welt. Trotz der Tatsache, dass die Anzahl der Organspender in China minimal ist, gibt es reichlich Organe. Die Wartezeiten liegen zwischen einigen Tagen und zwei Monaten. Das gibt es in keinem anderen Land.

Patienten berichteten, dass ihre Transplantationen im Voraus geplant wurden. Der israelische Herz-Chirurg Jacob Lavee war erschüttert, als er  2005 von dieser Vorgehensweise erfuhr. Ein Patient berichtete ihm, dass er für eine Herztransplantation nach China reist. Die Operation war bereits für einen bestimmten Termin geplant.

Dr. Lavee war rasch klar, dass dies nur das Ergebnis einer erzwungenen Organentnahme sein konnte. Er setzte sich in der Folge vehement für die Ausarbeitung des israelischen Organtransplantationsgesetzes ein, das 2008 in Kraft trat. Damit wurde im Wesentlichen der Kauf und der Verkauf menschlicher Organe verboten.

Laut einer im Dezember 2012 im „American Journal of Transplantation“ veröffentlichten Studie hatte dieser Schritt erhebliche Auswirkungen. Der Transplantationstourismus in Israel wurde reduziert. Ähnliche Gesetze werden derzeit in Kanada vorbereitet.

Organe gesunder, junger Spender auf Abruf in China verfügbar

Ein Bericht von Organs Watch, einer Organisation mit Sitz an der Universität von Kalifornien, ermittelte Transplantationstouristen aus Kanada als führende Organkäufer der Welt.

Der Leiter des Nierentransplantations-Zentrums am St. Michael´s Hospital in Toronto, Dr. Jeff Zaltzman, dass mindestens 50 seiner Patienten für Transplantationen nach China gereist waren. Auf einem Forum über erzwungene Organentnahmen im Jahr 2014 berichtete er, dass das, was in China geschieht, eine dritte Art von Spender erschaffen habe, die in entwickelten Ländern wie Kanada nicht zu finden sei. Er nennt sie „lebende tote Spender“:

Sie sind am Leben und danach werden sie getötet. Das ist die einzigartige Beschreibung für die Situation in China.“

„Killing to Live: The Dark Side of Transplant Tourism in China“ (Töten um zu leben: Die dunkle Seite des Transplantationstourismus in China), ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2017, der in ausgewählten Fernsendern in Korea ausgestrahlt wird, zeigt, dass schätzungsweise 3.000 Koreanern pro Jahr seit dem Jahr 2000 in China Organe transplantiert wurden.

Der Dokumentarfilm handelt von einer Untersuchung des Organtransplantationszentrums Frist Central Hospital in Tianjin, China. Das Krankenhaus garantiert, dass die Organe von „gesunden, jungen Spendern“ auf Abruf bereitgestellt werden.

Transplantationen ohne Pause

Das Krankenhaus mit 500 Betten für ausländische Transplantationspatienten verfügt über drei Etagen. Der Operationssaal ist 24 Stunden am Tag in Betrieb.

In China ist es einfach, an Organe zu kommen. Ich weiß nicht, woher sie kommen. Es dauert nur zwei Stunden, bis sie die frischen Organe hierher gebracht haben“,

sagte eine Oberschwester den Filmemachern. Sie fügte hinzu, dass eine Leber 130.000 US-Dollar kostet.

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Auch Patienten aus anderen Ländern reisen nach China, um Organe zu erhalten. Auf der Website des Zhongshan Hospitals in Shanghai heißt es, dass das Krankenhaus Patienten aus mehr als 10 Ländern und Regionen behandelt, darunter die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Japan, Kanada, Südkorea, Hongkong, Macao und Taiwan.

Die Quelle der Fülle an menschlichen Organen, die Chinas lukrative Transplantationsindustrie ernährt, wurden von dem in Winnipeg ansässigen internationalen Menschenrechtsanwalt David Matas und dem ehemaligen Staatssekretär für den Asien-Pazifikraum David Kilgour entdeckt.

Sie veröffentlichten zwei Untersuchungsberichte in den Jahren 2006 und 2016. Diese zeigen, dass religiöse und politische Gefangene, vor allem aber wegen ihres Glaubens festgehaltene Falun Gong-Praktizierende der Zwangsentnahme von Organen ausgesetzt sind. Mit anderen Worten gesagt: Sie werden für ihre Organe getötet.

„Ich wusste nicht, dass der Spender getötet wird“

In dem Buch „Bloody Harvest / The Slaughter: An Update“ („Bloody Harvest: Organentnahme von Falun-Gong-Praktizierenden in China, überarbeiteter Bericht) – berichten Matas und Kilgour gemeinsam mit dem Investigativjournalisten und preisgekrönten Chinaanalytiker Ethan Gutmann über einige der Fälle von Menschen, die zu Organtransplantationen nach China reisten.

Viele reisen in Gruppen, die von Kontaktpersonen organisiert werden. Im Februar 2001 reiste eine Gruppe von neun Patienten aus Südostasien ins Taiping Hospital. Alle neun Transplantationen wurden in zwei Tagen beendet, darüber hinaus vier weitere.

Eine Gruppe von sieben Patienten, die wegen Nierentransplantationen von Hongkong nach China reisten, wurde am selben Tag operiert. Alle konnten nach einer Woche wieder nach Hause zurückkehren. Eine Patientin aus Taiwan, die für eine Nierentransplantation nach China reiste, berichtete, dass sie mindestens 10 andere Patienten sah, die auf eine Transplantation warteten oder sich nach erfolgter Operation erholte.

Einige Transplantationsempfänger entdeckten, dass der „Spender“ für sie getötet wurde. Sie müssen nun mit dieser Erkenntnis leben.

Die Taiwanesin Rourou Zhuang, der in China eine Niere eingesetzt wurde, sagte im Bericht „Human Harvest“:

Ich war entsetzt, als ich hörte, woher die Organe stammen. Ich empfinde es als bedrückend, dass ich daran teilgenommen habe. Ich möchte meine Geschichte erzählen, damit die Menschen davon erfahren.“

Xiusong Tu, eine weitere Patientin, berichtete unter Tränen:

Als ich zur Transplantation fuhr, wusste ich nicht, dass der Spender getötet würde.“

Der Japaner Hokamura Knichiro war überrascht, wie einfach es war, ein Transplantat zu erhalten. Nur 10 Tage, nachdem er einen japanischen Vermittler in China kontaktiert hatte, lag er bereits auf dem OP-Tisch in einem Krankenhaus in Shanghai und erhielt eine neue Niere.

Es ging so schnell, dass ich Angst bekam“,

sagte er. Der Preis für das Organ betrug 80.000 US-Dollar.

Ausweislich des Berichts aus dem Jahr 2016 ist Hokamura einer von Hunderten gut betuchten Japanern, die die Reise nach China für Nieren-, Leber- oder Herztransplantationen unternommen haben.

Acht Organe – als Ersatz für einen Patienten

Der Bericht enthält viele Fälle, in denen mehrere Organe für denselben Patienten beschafft wurden – entweder aufgrund von Organabstoßung oder als Reserve. In einem Fall wurden acht Ersatzorgane für den gleichen Patienten beschafft. Die Ermittler sagen, dass jedes Jahr 60.000 bis 100.000 Transplantationen in China stattfinden. Die meisten Organe kommen von Falun Gong-Praktizierenden.

Falun Gong, auch Falun Dafa genannt, ist eine traditionelle spirituelle Praktik. Bis Ende der 90er Jahre hatte sie schätzungsweise 70 bis 100 Millionen Anhänger. Aus Angst vor seiner immensen Popularität leitete der damalige Führer der Kommunistischen Partei Chinas, Jiang Zemin, im Juli 1999 eine Verfolgung gegen Falun Gong ein.

Die Forscher fanden heraus, dass es zwar in vielen Ländern Missbrauch von Transplantaten gibt. Der Unterschied in China besteht jedoch darin, dass es vom Staat sanktioniert wird und der Staat davon profitiert.

Das Kanadische Gesetz über den Organhandel

Am 29.Oktober 2014 diskutierten die Teilnehmer des Forums zur erzwungen Organentnahme im Toronto General Hospital über das Thema Transplantationstourismus. Dr. Zaltzmann beschrieb einen Patienten, der für eine Transplantation nach China gegangen war:

„Ich hatte einen jungen Mann, der zwei Narben hatte. Die erste Niere, die in China transplantiert wurde, funktionierte nicht. Innerhalb weniger Tage wurde ihm eine weitere Niere transplantiert. So etwas würde in Kanada nie passieren.

Einige Ärzte wissen zwar, dass ihre Patienten der Auslöser für einen Mord in China sein könnten, aber sie wissen nicht, was sie dagegen tun können.

Einige Länder, darunter Spanien, Taiwan, Italien und Israel, haben Gesetzte erlassen, die verhindern sollen, dass ihre Bürger für Transplantationen ins Ausland reisen, berichtet „Minghui.org“.

Der kanadische Senat verabschiedete am Internationalen Tag der Menschenrechte, am 10. Dezember 2018, in einer zweiten Anhörung des Unterhauses den Gesetzentwurf S-240. Dieser Entwurf sieht vor, dass es eine Straftat darstellt, ein entnommenes Organ ohne Zustimmung des Spenders zu erhalten. Bei Verstoß können bis zu 14 Jahren Gefängnis verhängt werden. Weiter verbietet das Gesetz die Einreise von Personen als Einwanderer oder Flüchtling, die in den illegalen Organhandel verwickelt sind.

Die Abgeordneten stimmten über die Leitlinie des Gesetzes ab und übermittelten den Entwurf zur Prüfung an den Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten und internationale Entwicklung. Bereits im Oktober war der Entwurf S-240 im Senat verabschiedet worden. Der nächste Schritt ist eine dritte Anhörung, nach der das Gesetz in Kraft treten wird, sobald es die königliche Zustimmung erhalten hat.

Matas: Gesetzgebung sehr einflussreich auf Organtourismus nach China

Der Ausschuss hörte per Telefonverbindung den kanadischen Menschenrechtsanwalt David Matas an, so „Minghui.org“. Darin berichtete Matas, dass Länder ähnliche Gesetze erlassen hätten. Dadurch war ein deutlicher Rückgang des Organtourismus nach China zu verzeichnen.

„Nachdem die israelische gesetzgebend Gewalt ein diesbezügliches Gesetz verabschiedet hatte, kam der dort stark ausgeprägte Transplantationstourismus nach China fast ganz zum Erliegen“, so Matas. „Seit nun [Taiwan] ein Gesetz hat, ist der Transplantationstourismus nach China auch dort stark rückläufig. Die Gesetzgebung in diesen beiden Ländern ist also sehr einflussreich.“

Dr. Zaltzmann würde das Gesetz, wenn es in Kanada verabschiedet würde, unterstützen, damit das Dilemma der Ärzte gelöst wird. Er sagt:

„Das wäre ein großer Schritt nach vorne.“

Das Original erschien in The Epoch Times (USA) (deutsche Bearbeitung von sua)
Originalartikel
Forced Organ Harvesting: Overseas Patients Flocking to China for Transplants