Mediale Berichterstattung: Seit Chemnitz werden Ursache und Wirkung vertauscht

Von 20. September 2018 Aktualisiert: 20. September 2018 19:28
Derzeit findet eine mediale Verschiebung der Begriffe und Bedeutungen statt, stellt Roger Letsch fest. Seit dem Mord in Chemnitz würden Ursache und Wirkung offenkundig verdreht werden. Da gebe es neuerdings "No-Go-Areas" für Migranten und Schulen, an denen man seine Kinder vor den "Rechten" schützen müsse.

Ob die Regierenden merken, dass ihnen die Zeit davonläuft? Ist das vielleicht der Grund, warum sie im aktuell auf molekularer Ebene stattfindenden Bürgerkrieg jetzt gleich mal ein paar Gänge höher schalten? Und wer eskaliert eigentlich mehr, die Politik, die jetzt auch noch die letzten Kritiker in den eigenen Reihen standrechtlich um die Ecke bringt? Oder die Medien, die mit aufgerissenen Mäulern am Rand stehen, und nur mühsam ein bellendes „Kreuziget ihn“ unterdrücken können? Maaßen hat der Kanzlerin widersprochen, brüllen sie – und das darf bekanntlich niemand.

Das Autocafé bei „Anne Will“ am 16.9.2018 konnte ich mir nicht ansehen. Nicht wegen der Zeit, nein, ich wollte einfach nicht Zeuge eines Prozesses sein, dessen Ausgang, Urteil und Strafmaß von Beginn an feststand und von dessen anwesenden Richtern ich lediglich Petra Pau für charakterlich integer halte – und die kommt aus einer ideologischen Ecke, vor der mir inhaltlich schon prinzipiell graust. Was sagt das wohl über Habeck, Schulz und den Rest des Tribunals?

Mir genügten am Tag nach der Sendung einige Video-Schnipsel von wenigen Sekunden, um einen hinreichenden Eindruck vom Prozess zu bekommen. Mehr als ein paar Sekunden hat das Antifa-Video aus Chemnitz schließlich auch nicht gedauert und es wird offenbar ausreichen, um den Chef unseres Inlandsgeheimdienstes aus dem Amt zu kegeln – wozu also überhaupt noch irgendwo genauer hinsehen? Maaßen hat Merkel widersprochen, Maaßen muss gehen. Merkel beugt seit Jahren Recht, ist aber noch da. Aber das ist wohl etwas vollkommen anderes.

Das applaudierende und kommentierende Medienpräkariat war aber nicht zufrieden mit dem Ausgang des Prozesses bei Will. Viel zu zahm das Ganze. Denn Christoph Twickel, der die braunen Horden schon um den Reichstag tanzen sieht, schreibt auf SPON:

An dieser Stelle hätte die Debatte bei Anne Will Fahrt aufnehmen können, man hätte sich fragen sollen: Ist das nicht ein entscheidender Durchbruch der radikalen Rechten? Wenn ein Behördenchef ungestraft die Hatz auf migrantisch aussehende Menschen abstreitet? Dass Teile von Deutschland für Menschen, die vom biodeutschen Phänotyp abweichen, inzwischen No-go-Areas sind, ist schon empörend genug – dass ein Verfassungssschutzchef die Gewalt eines rechten Mobs zur Fake News erklärt und dafür ministeriale Deckung erhält: Das kann die neue rassistische Front von AfD bis Neonazis nur als sehr grundsätzliche Ermutigung verstehen.“

Paradigmenwechsel in der Berichterstattung

Diese Aussage eines Leichtmatrosen auf der sinkenden MS „Sturmgeschütz“ sollte man Wort für Wort genießen und gut archivieren, denn sie belegt den deutlichen Paradigmenwechsel in der Berichterstattung, der mit dem Mord in Chemnitz sein mediales Initial der Verdrehung von Ursache und Wirkung feierte.

Maaßen äußerte Zweifel, mehr nicht. Das darf, so Twickel, nicht ungestraft bleiben. Maaßen stritt nichts ab, doch die Wortwahl Twickels ist hier verräterisch: Abstreiten ist nämlich etwas, dass ein Angeklagter tun kann – und nichts anderes ist Maaßen. Angeklagt der Majestätsbeleidigung, denn er hat, oh Frevel, der Kanzlerin widersprochen. Fake News wie behauptet hat er nie verbreitet – anders als der Spiegel, der (und hier wird die Verdrehung von Tatsachen besonders krass) No-go-Areas kurzerhand zu unsicheren Gebieten für „migrantisch aussehende Menschen“ erklärt.

Wo sind diese Areas? Reden wir hier von den No-go-Areas in Berlin, Dortmund oder Bremen, in denen Clans und Friedensrichter die Gesetze machen? Die kann man nämlich mit Straßennamen und Hausnummern nennen. Wo sind die Viertel, wo der dumpfe Nazi in tribalisierten Großfamilien Faustrecht ausübt, Richter einschüchtert und Polizisten krankenhausreif prügelt? Adressen bitte! Doch schwups, hat man den Begriff „No-Go-Area“ auch noch nach rechts verschoben und in die Verantwortung dafür der AfD überwiesen!

Welche Parteien haben doch gleich Regierungsverantwortung in Deutschland und wer schiebt hier wem frech die Schuld in die Schuhe? Ich komm’ grad nicht drauf…

Psychologische Erklärungen

Wobei schieben hier das richtige Wort ist. Noch besser „Verschieben”! So nennt man in der Psychoanalyse nämlich den Abwehrmechanismus, bei dem eigene Regungen auf ein eher akzeptable oder weniger bedrohliche Objekte oder Menschen verschoben werden, denn so kann man Wut in eine für sich selbst oder das eigene Weltbild weniger gefährliche Richtung lenken. Dazu passt auch eine andere Posse vom 17.9.2018 von Caroline Rosales in der MoPo-Berlin. Wie sie schreibt, meldet sie ihr Kind nicht etwa deshalb bei einer Privatschule an (was ihr gutes Recht ist und der Begründung nicht bedarf), weil der Anteil von Kindern mit Migrationsvordergrund an vielen staatlichen Berliner Schulen Deutsch allmählich zur Fremdsprache macht, nein nein! Sie hat ausgerechnet im rot-rot-grünen Berlin Angst vor den AfD-Kindern, die den ganzen Tag Hakenkreuze in den Sand malen, Alice-Weidel-Podcasts hören und „ihr Kreuz“ bei den „Braunen“ machen.

Nun, das machen die Kinder natürlich nicht, die dürfen ja mit 6 oder 7 noch gar nicht wählen. Aber die Eltern! Und vielleicht tun sie das ja auch. Und man kennt diese Typen ja…wie die schon aussehen, was die für Namen haben, wie die sich kleiden, reden, fluchen…alles Nazis! Und wer hätte nicht davon gehört, dass in Pankow die Krabbelgruppe „Marienkäfer“ längst „Memelland“ und die Grundschule „Rosa Luxemburg“ in „Viertes Reich“ umbenannt wurde…

In Chemnitz sind sie ja wohl sogar schon einen Schritt weiter, so mutmaßt, munkelt und menetekelt man! Das findet natürlich alles nur in der verschobenen Phantasie von Frau Rosales statt, so wie auch Katrin Göring-Eckardt Angst hat, nachts im Park auf Rechtspopulisten zu treffen die sie…ja was eigentlich? Gruppenvergewaltigung? So wie in RiminiVelbert oder Malmö? Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit bis Alexander Gauland erklären muss, wo er in der Silvesternacht 2015/16 war und die Vorfälle damals auf der Domplatte eine erneute Überprüfung durch die neue Präsidentin des Verfassungsschutzes, Sawsan Chebli, erfordern.

Verschiebungen wohin man schaut. Die Alternative, ein ungefilterter Blick auf die Fakten, ist einfach zu schmerzlich und wird mit jedem Tag der Unterlassung immer schlimmer. Man kommt nicht mehr hinter die eigenen Bequemlichkeitslügen zurück, bis…ja, bis wohin wird das noch gehen? Rolf Peter Sieferle zeichnete am Ende seines Buches „Das Migrationsproblem“ folgende Dystopie, in die wir wohl im Moment gerade mit Volldampf hineinlaufen:

Die letzten Menschen [also die autochthonen Europäer im allgemeinen und die Deutschen im besonderen] werden erstaunt sein, wie viele Alltagskonflikte plötzlich mit ungewohnter Gewalt ausgetragen werden (…) Eine Welle unfassbarer blutiger Gewalt überspült die letzten Menschen, die von einer Vertreibung aus ihrem Rentnerparadies bedroht sind. Sie werden die Verunsicherung in innere Konfliktlinien transformieren, sie werden in den eigenen Reihen Feinde identifizieren, die leicht zu bekämpfen sind, da sie aus dem gleichen Holz geschnitzt sind wie sie selbst”

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Doch es gibt dennoch etwas Hoffnung auf ein Ende der allgemeinen Hysterie, obgleich es sich bei dieser „Hoffnung“ leider auch nur um eine Katastrophe handelt. Denn ein ökonomischer Kollaps würde wohl den ganzen Spuk schlagartig beenden. Die ersten, die es wohl erwischen würde, wären die medialen Merkel-Claqueure am Spielfeldrand, denen die Hexenjagd derzeit nicht schnell genug „Fahrt aufnimmt“. Die Frage ist nur, wie lange das noch dauert. Geht zuerst das Geld aus oder wird man es vorher schaffen, alle AfD’ler, Pegidisten, Merkelwidersprecher, Antifa-Skeptiker, Regierungskritiker und Nichtmitmachenwoller in die Bäume zu hängen?

Ich wette, das Geld ist schneller alle.

PS: Da heute „Tag der Verschiebung” ist, hier noch ein kurioser Fahndungsaufruf aus dem nazibraunen Berlin (Selbstwahrnehmung Caroline Rosales), das die Schüler nur noch in Privatschulen Schutz finden lässt. Die Polizei Berlin sucht zwei „migrantisch aussehende Menschen”, wie es der Spiegel wohl ausdrücken würde, weil diese vor zehn Monaten einem 16-Jährigen durch „eine Kopfnuss” schwer verletzten. Das sind gleich zwei Verschiebungen: eine in der Zeit (10 Monate nach der Tatzeit kommt die Fahndung) und im Raum: die Kopfnuss, (üblicherweise am Hinterkopf appliziert) zertrümmert eine Nase (üblicherweise auf der anderen Seite eines Kopfes angebracht).

Im Original erschienen auf unbesorgt.de

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