Achtfache Mutter kontert Macron: „Ich bin eine von vielen hoch gebildeten kinderreichen Frauen“

Von 25. Oktober 2018 Aktualisiert: 25. Oktober 2018 13:41
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, einer von zahlreichen kinderlosen Regierungschefs in Europa, hat vor einer Woche auf einer Veranstaltung in New York angedeutet, gebildete Frauen würden kinderreiche Familien ablehnen. Neben anderen Social-Media-Nutzern hat auch eine Rabbinerfrau aus der Chabad-Gemeinde dieser Aussage widersprochen.

Vor einer knappen Woche beklagte der französische Präsident Emmanuel Macron bei einer Veranstaltung des Microsoft-Gründers Bill Gates in New York, dass afrikanische Mütter sich westlichen Erziehungsbemühungen verweigerten – unter anderem mit Blick auf die Anzahl ihrer Kinder.

Das Nachrichtenportal kath.net zitiert ihn mit der Aussage, dass die Anzahl von Kindern von afrikanischen Müttern zudem keine „gewählte Fruchtbarkeit“ sei. Macron habe außerdem geäußert: „Ich sage immer: Bitte zeigt mir eine Frau, die perfekt gebildet ist und die sich für sieben, acht oder neun Kinder entscheidet.“

Nun ist es tatsächlich schon einige Jahrhunderte her, seit Kaiserin Maria Theresia von Habsburg-Lothringen auch als 16-fache Mutter – wobei allerdings drei ihrer Kinder innerhalb ihrer ersten Lebensjahre verstarben – eine mächtige Monarchie in Europa lenkte.

Dennoch begab Macron sich mit seiner Aussage offenbar auf durchaus dünnes Eis. So präsentierte Harvard-Juraprofessor Robert P. George auf Twitter die britische Philosophin und siebenfache Mutter Elizabeth Anscombe als Persönlichkeit, die sogar noch besser gebildet sei als Macron. In dem daraus entstehenden Gesprächsstrang outeten in weiterer Folge zahlreiche Abonnenten sich selbst, ihre Ehefrauen oder Mütter als Personen, die hohe akademische Qualifikationen erreichten und gleichzeitig mehrere Kinder geboren hatten.

„Wie alt muss ich den aussehen, wenn ich sieben Kinder geboren habe?“

Mit der Richterin Amy Coney Barrett steht zudem eine mehrfache Mutter mit fünf biologischen und zwei adoptierten Kindern auf der Kandidatenliste für allfällige künftige Nominierungen zum Supreme Court.

In der Rubrik „The Jewish Woman” befasste sich jüngst auch Chana Vigler, Ehefrau des Chabad-Rabbiners von Palm Beach Gardens, Dovid Vigler, und Co-Direktorin der „Gardens Shul“, auf der Webseite der Gemeinschaft mit Macrons Äußerung – und bekennt freimütig: „Ich bin eine von vielen hoch gebildeten Frauen mit acht Kindern“.

Vigler schildert in ihrem Text anekdotenhaft, wie es immer zu unbeholfenen Reaktionen führt, wenn im Alltag die Rede auf die Anzahl ihrer Kinder kommt. So etwa bei der Kosmetikerin im Nagelstudio, die den Schwangerschaftsbauch bemerkt, erst fragt, ob es das erste Kind wäre, und ihrer Kundin auf die Erläuterung, es wäre das achte, erklärt: „Aber Sie sehen noch so jung aus…“

„Ich bin ja auch jung“, habe Chana Vigler darauf geantwortet, schrieb sie, „und ich war mir nicht sicher, wie alt ich denn aussehen sollte, wenn ich schon sieben Kinder geboren habe.“

Auch eine Arzthelferin beim Bluttest während Chanas sechster Schwangerschaft sei, während ihr Mann im Flur wartete, mit der Frage ins Fettnäpfchen getreten, ob denn die bisherigen Kinder „alle mit ihm“ gewesen wären – „als ob es wesentlich nachvollziehbarer erscheinen würde, so viele Kinder zu haben, wenn sie von sechs unterschiedlichen Vätern gewesen wären“.

Kinder sind der größte Reichtum

Ein Schwangerschaftsbauch, so schreibt die Synagogenleiterin, sei stets Futter für jedermanns Kommentare und Ratschläge. Diese seien auch meist vorhersehbar und folgten den gleichen Linien. Auch die Hypothese, es läge nur am Ehemann, dass sie so viele Kinder habe, fehle selten – als ob sie selbst als Frau nichts mitzureden hätte.

Es habe aber gar keine Entscheidung gegeben, betont Chana Vigler, und bezüglich der ebenfalls häufig an sie herangetragenen Einschätzung, sie müssten über Geburtenkontrolle aufgeklärt werden, weil sie offenbar nichts darüber wüssten, hat sie klare Worte:

„Der springende Punkt ist: Wir haben diese Kinder, weil wir sie schlicht und einfach haben wollen! Denn wir sind in dem Verständnis erzogen worden, dass es kein besseres Erbe gibt, das man hinterlassen kann, als eine Generation jüdischer Seelen, die ein Licht in diese Welt scheinen lassen, das so grell ist, dass diese von Liebe und Güte erfüllt wird. Denn wir glauben, dass wir keinen größeren Reichtum aufhäufen können als den ‚nachas‘ [Stolz und Freude; d. Red.], den wir durch unsere Kinder bekommen – und jene, die nach ihnen kommen.“

Eine Frage der Prioritäten

Die Krone der Älteren, so zitiert Vigler eine jüdische Weisheit, seien die Kinder ihrer Kinder. Es sei einfach ein anderer Bezugsrahmen, ein anderes Setzen von Prioritäten.

„Für uns ist es der größte nur denkbare Segen, unserer Familie ein weiteres Mitglied hinzuzufügen. Unsere Kinder hatten die Tage gezählt, bis der Neuzugang da wäre. Und jetzt, wo sie da ist, enden die Liebkosungen nicht. Ich muss sie fast schon anflehen, sie mal schlafen zu lassen. Das größte Geschenk, das unsere Eltern uns gaben, ist, uns gegenseitig zu haben, und wir sind so glücklich, dieses wertvolle Geschenk an unsere eigenen Kinder weiterreichen zu können. Wir werden für immer und alle Zeit zusammengehören. Und es kann nie zu viel Liebe geben.“

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Chana Vigler erzählt noch von einem Gespräch unter Flugpassagieren, das sie belauscht und nicht vergessen habe. Diese hätten einander, als Chana mit zwei Kleinkindern und einem Neugeborenen das Flugzeug betreten habe, zugeraunt: „Das sind die Leute, die viele Kinder haben.“

Sie habe diesen Kommentar nie vergessen. Nicht, weil er sie verletzt hätte, sondern im Gegenteil, weil er sie damals wie heute mit Stolz erfüllt hätte: „Ja, wir sind die Leute, die viele Kinder haben. Ich bin stolz darauf. Und meine Hoffnung ist, dass unsere Kinder das auch so sehen.“