„Akt der Zensur“ auf Frankfurter Buchmesse: „Junge Freiheit“ & Co. im Abseits

Wie geht man mit Verlagen aus dem rechten Spektrum um? Die Buchmesse hat sich nach dem Eklat im vergangenen Jahr eine neue Strategie überlegt. Dies erregt die Betroffenen.
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Frankfurter BuchmesseFoto: über dts Nachrichtenagentur
Epoch Times10. Oktober 2018

Die Halle 4.1 auf dem Gelände der Frankfurter Buchmesse mündet in eine Sackgasse, an deren Ende der Stand der „Jungen Freiheit“ postiert ist. Dahinter kommt dann nur noch die Wand.

„Wir fühlen uns geächtet“, empört sich Dieter Stein, Chefredakteur der Wochenzeitung, die als Sprachrohr des rechten Spektrums gilt. Eine solche Ausgrenzung habe er seit dem ersten Auftritt seines Verlags im Jahr 1991 noch nie erlebt.

Die Buchmesse hat sich nach dem letztjährigen Debakel, als die Organisatoren bei einem Auftritt von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke hilflos den handgreiflichen Tumulten zusahen, etwas Neues einfallen lassen. Die beiden Verlage Junge Freiheit und Manuscriptum wurden – ähnlich wie bereits auf der Leipziger Buchmesse – ins Abseits verbannt. Das mache bei Sicherheitsproblemen eine bessere Kontrolle möglich, sagt dazu die Buchmesse, eine Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Die Verlage waren bisher in Frankfurt mit ihren Ständen weit besser platziert als in diesem Jahr. Der AfD-Bundesvorstand sekundiert am Mittwoch und spricht in Berlin von einem „Akt der Zensur“, wenn man unbequeme Verlage einfach wegsperre.

Der Umgang mit der neuen Rechten auf der Messe bleibt also schwierig. Lobende Worte für die räumliche Abgrenzung kommen von der Amadeu Antonio Stiftung, die sich auf der weltgrößten Bücherschau mit einem Stand gegen den Rechtsextremismus engagiert. „Das macht die Messe sicherer“, lobt Stefan Lauer von der Stiftung, die einen Dialog mit den Neurechten „auf Augenhöhe“ ohnehin für nicht machbar hält.

Im vergangenen Jahr war es am Stand der „Jungen Freiheit“ bei einer Diskussion zu einem tätlichen Zwischenfall gekommen. Daran war allerdings kein Verlagsmitarbeiter beteiligt. Ohne Vorfälle verläuft am Mittwoch der Auftritt von Thilo Sarrazin, der sich auf der Messe auch prominent platziert findet. Er darf die Islam-Thesen seines umstrittenen Bestsellers („Feindliche Übernahme“) im großen Lesezelt vorstellen.

Unweit davon entfernt hat am Vormittag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im neuen „Frankfurt Pavilion“ dazu gemahnt, beim Umgang mit den Populisten die allgegenwärtige Erregungsspirale herunterzufahren. Die Darstellung in den Medien erwecke derzeit den Eindruck, als sei Deutschland schon nahezu von denen beherrscht, die die Demokratie zu Fall bringen wollten, kritisiert er bei seinem Messebesuch.

Aus Sicht Steinmeiers erhält der Populismus zuviel Platz in den Medien. Es gebe „eine Normalität, über die wir eigentlich miteinander gar nicht reden“. Steinmeier forderte mehr Dialog in der Gesellschaft und den Mut zur „politischen Kontroverse“.

Sehr kontrovers könnte es werden, wenn Höcke am kommenden Freitag wieder auf die Messe kommt. Er will bei Manuscriptum ein neues Gesprächs-Buch vorstellen. Der neurechte Antaios Verlag, der im vergangenen Jahr mit dem Höcke-Auftritt für den Eklat sorgte, ist der Messe ganz ferngeblieben. Dessen Verleger Götz Kubitschek kündigte am Mittwoch in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ den Verkauf seines Verlags an; er will als politischer Berater arbeiten. (dpa)



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