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Dieses Gemälde ist eines von „Zehn Pferde“ von Giuseppe Castiglione und zeigt ein Pferd namens Chihuaying (赤花鹰), 1743.Foto: public domain

Brückenschlag zwischen Ost und West

Von 14. Juni 2022
Der italienische Künstler Giuseppe Castiglione wurde im Laufe der Jahre besonders bekannt für seine Pferde- und Blumen-Gemälde, die sowohl europäische Techniken als auch die traditionsreiche chinesische Symbolik vereinen.

Es dürfte schwer zu glauben sein, dass eine solch erhabene chinesische Landschaft von einem italienischen Künstler gemalt wurde.

Die hintereinander gestaffelten Berge, Kämme und nebligen Täler, üppig verschönert mit windschiefen Kiefern, zeugen von einer Sensibilität, die in der Ästhetik der chinesischen Dichter zu finden ist. Eine abgeschiedene Villa versteckt sich hinter einem Hügel, zwei diskutierende Figuren stehen auf einer Klippe und bewundern einen Wasserfall. Das Wasser verschwindet im Nebel, taucht unter einem Steg wieder auf, bevor es sich über felsiges Terrain in den Bildvordergrund ergießt. Auf der linken Seite befindet sich eine weitere Villa mitten im Wald, wo sich ein Herr in seiner Hütte in versonnener Ruhe zurücklehnt.

Der Sinn für die Erhabenheit der Natur, die Unscheinbarkeit des Menschen und die Sehnsucht nach einem hermetischen Leben waren häufige Themen in der chinesischen Malerei. Allerdings zeigt die dargestellte Architektur bei näherer Betrachtung einen ausgeprägten Realismus, wie er in Werken dieses Genres zu dieser Zeit nur selten zu finden ist.

Die Gebäude scheinen von einem festen Blickpunkt aus nach einer geschulten, optischen Perspektive wiedergegeben zu sein. Die meisterhaften Techniken des Hell-Dunkel-Kontrastes und der Linearperspektive waren die Markenzeichen der europäischen Kunst, die am kaiserlichen Hof besonders bewundert wurden.

Diese Landschaft wurde im frühen 18. Jahrhundert in Peking gemalt, in einer Zeit des zunehmenden kulturellen Austauschs zwischen dem barocken Europa und dem China der Qing-Dynastie.

Eine künstlerische Mission

Giuseppe Castiglione (1688-1766), besser bekannt unter seinem chinesischen Namen Lang Shining, war ein Maler der Barockzeit, der in Mailand Kunst studierte.

Wenige Jahre nach seinem Eintritt in den Jesuitenorden wurde er berufen, der Kirche auf sehr unkonventionelle Weise zu dienen: Mit 26 Jahren wurde Castiglione im Jahre 1715 nach China geschickt, um als Hofmaler für die Kaiser der Qing-Dynastie zu arbeiten.

Er lebte die nächsten 51 Jahre seines Lebens in Peking und schuf eine beeindruckende Anzahl von Stillleben und Porträts. Im Laufe der Jahre wurde er vor allem für seine Pferde- und Blumenbilder bekannt, in denen er sowohl europäische Techniken als auch die seit langem bestehende chinesische Symbolik verarbeitete.

„Sammeln von günstigen Zeichen“ soll anlässlich der Krönung des Kaisers Yongzheng im Jahr 1722 entstanden sein. Die doppelblütigen Lotosblumen und die doppelten Ähren galten als Symbole einer klugen Herrschaft, wohingegen die Seladon-Vase an die höfische Tradition des Sammelns von feinem antiken Porzellan erinnert.

Obwohl Castiglione weiterhin Farbschattierungen einsetzte, um ein Gefühl von Raum und Tiefe zu erzeugen, reduzierte er die Verwendung der Hell-Dunkel-Technik und verzichtete auf eine gleichmäßige Lichtquelle. Stattdessen schimmern die Lotosblumen mit einer zarten Leuchtkraft, die durch die warme Glasur der Vase ausbalanciert wird. Insgesamt strahlt die Komposition eine anmutige Ruhe aus, die die Aristokraten der Qing-Dynastie sehr schätzten.

Hingabe zur Kunst

Castiglione reiste nicht nur auf einen anderen Kontinent, um zum Wohlgefallen der Aristokraten zu malen; er war fest davon überzeugt, dass seine Arbeit am Hof der Qing einen Zweck hatte.

Obwohl er nie offiziell zum Priester geweiht wurde, glaubte Castiglione, dass, die kaiserliche Gunst zu gewinnen, den Jesuiten ermöglichen würde, ihre Missionsarbeit in China reibungslos durchzuführen. Daher nahm er im Dienste des Kaisers viele Entbehrungen auf sich.

Das Leben am Hof war für die europäischen Künstler nicht einfach, besonders während der Herrschaft von Qianlong (1735-1796), der sich sehr für westliche Kunst interessierte.

Um seinem Geschmack gerecht zu werden, mussten Castiglione und seine europäischen Kollegen ständig mit verschiedenen Kunststilen experimentieren. Sie hatten nur selten Zeit für sich selbst und genossen wenig Freiheit. Da der Kaiser ihnen gerne bei der Arbeit zusah, mussten sie jeden Tag malen und bekamen oft genaue Anweisungen.

Nur wenige von Castigliones Kollegen waren in der Lage, die isolierte und sich immer wiederholende Lebensweise zu ertragen.

Einige beklagten sich über den mangelnden geistigen Ausgleich, und andere verließen einfach den Hof und kehrten nach Europa zurück. Castiglione, der schon immer ein sanftmütiges Naturell hatte, sagte nie ein Wort der Beschwerde. 51 Jahre lang pendelte er fast täglich von seiner Wohnkirche zum Atelier in der Verbotenen Stadt und vertiefte sich in die filigranen Linien und zarten Farben.

Er glaubte, dass der Realismus der europäischen Kunst als Spiegel für den christlichen Glauben dienen könnte und dass seine Kunstwerke durch ihre Schönheit diese Wahrheit vermitteln würden.

Ein gegen Ende seines Lebens verfasstes Gedicht fasst den außergewöhnlichen Geist von Giuseppe Castiglione, dem Künstler, der seinen Glauben und seine Standhaftigkeit bewahrte, zusammen:

Ausgestattet mit kaiserlicher Gnade im weisheitsvollen Zeitalter von Kang(xi) und Qian(long),
[wurde ich] Höfling in der Qing-Dynastie;
Mit chinesischer Mäßigkeit und westlichen Methoden
[führe ich] akribischen den Pinsel,
[damit] das wahre Bild der Stillleben
zehntausend Seelen erwecken kann.

 

Da Yan ist Doktorand Europäischer Kunstgeschichte. Aufgewachsen in Shanghai, lebt und arbeitet er im Nordosten der Vereinigten Staaten.



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