„Warum es normal ist, dass die Welt untergeht“: Der Weltuntergang aus Sicht eines Archäologen

Von 14. August 2020 Aktualisiert: 13. August 2020 17:37
Erinnern Sie sich noch an den Weltuntergang im Dezember 2012? Wenn ja, dann war es offenbar nicht so schlimm, meint der Archäologe Robert L. Kelly. Im archäologischen Kontext betrachtet war es nicht der erste „Weltuntergang“ – und wird kaum der letzte sein. Die nächste große Veränderung steht unmittelbar bevor.

Aus Sicht des Archäologen und Anthropologen Robert L. Kelly sei es durchaus „normal, dass die Welt untergeht“. Er schreibt:

Die Geschichte der Menschen ist voll von Neuanfängen. Und es sind gerade diese Neuanfänge, die [die Menschen] zu dem gemacht haben, was [sie] heute sind.“

Man lebt und lebt, „bis man plötzlich etwas anderes ist“

„Angesichts von Umweltkatastrophen, Kriegen, Krisen, Terrorismus und dem Zerfall der Gesellschaft sieht die Zukunft des Menschen äußerst düster aus, oder?“, fragt Kelly auf den Umschlagseiten seines neuen Buches „Warum es normal ist, dass die Welt untergeht“ und beantwortet die Frage gleich selbst: „Nein.“ Der Weltuntergang sei nicht das Ende der Welt, sondern lediglich das Ende der Welt, wie der Mensch sie kennt.

Als Beispiel schlägt Kelly eine gedankliche Zeitreise vor: „Hätte jemand vor 40.000 zu einem Neandertaler gesagt, dass die helle Scheibe am Nachthimmel der Mond ist, und seine Nachfahren eines Tages in einer Rakete aus Metall, angetrieben von flüssigem Wasserstoff dorthin fliegen würden, weil der Präsident einer demokratischen Gesellschaft es versprochen hat, hätte er vermutlich nicht nur gefragt, was Metall ist. In seiner Position kannte er nur seine Welt.“

Die Vorstellung einer anderen, „neuen Welt“ wie Amerika, geschweige denn, dass die Erde rund ist, existierte zu dieser Zeit nicht – und doch kennt die Menschheit heute sieben Kontinente und unzählbar viele Himmelskörper.

Letztendlich, so Kelly, lässt sich das Leben, die Evolution und die Entwicklung des Menschen in einem Satz zusammenfassen:

Organismen versuchen stets zu sein, was sie sind, kommen dabei aber irgendwann an einen Wendepunkt, ab dem sie plötzlich etwas ganz anderes werden.“

„Das Ende der Welt“ ist ein Marketing-Clou

In ihrem Bestreben, die besten Jäger und Sammler zu werden, so Kelly, wurden die Menschen sesshaft und begannen Ackerbau zu betreiben. Die besten Bauern erfanden schließlich Geräte und führten über kurz oder lang zur Entwicklung von Dampfmaschinen und unserer heutigen Technik. Nun bemüht sich der Mensch, der beste Händler, Produzent oder Kapitalist zu sein. Was folgt als Nächstes? Der Mensch von heute weiß es nicht. Er kann es sich nicht vorstellen, denn er kennt es nicht.

Die Frage, die sich in Kellys Augen viele Menschen von heute stellen, sei genau diese: Was bringt die Zukunft? Gibt es Licht am Ende des Tunnels oder steuern wir unweigerlich auf eine Katastrophe zu?

Nach Kelly gibt es „natürlich einige, die sagen, das Licht am Ende des Tunnels sei ein Zug“ und alles ende mit einem großen Knall. Die Geschichte jedoch zeige etwas anderes. Daher ist die Frage, die Kelly in seinem Buch der Menschheit stellt, eine andere: Lernen die Menschen die Umbrüche auf die leichte oder die harte Tour?

Außerdem erklärt er, dass „das Ende der Welt“ (wie wir es kennen), nicht der Weltuntergang sei, sondern ein Marketing-Clou. Einerseits sei „das Ende“ betont pessimistisch – Menschen lesen nachweislich öfter schlechte Nachrichten. Andererseits verspreche „das Ende“ etwas: Wer sehne denn nicht das Ende von Rassismus, Armut oder Krieg herbei?

Der fünfte „Weltuntergang“ begann vor 5.000 Jahren

Mit verständlichen Worten und eingestreutem Humor – Olmeken züchteten Lamas (als Lasttiere, für Wolle und Fleisch) sowie Meerschweinchen (zum Essen, als Lasttiere taugen sie nicht) – führt Kelly zu vier großen Umbrüchen der menschlichen Gesellschaft: Stöcke und Steine zu Technologie; Schmuck und Symbole zu Kultur; Brot und Bier zu Landwirtschaft und Könige und Ketten zu Staaten.

Auch was die Zukunft anbelangt bleibt Kelly optimistisch: Die Menschheit sei an einem Punkt angelangt, an dem Waffen, Gewalt und Krieg mehr kosten als nutzen und westliche Staaten, allen voran die USA, könnten ihre ganze militärische Stärke nicht anwenden, ohne ihre eigenen Werte von Menschlichkeit und Moral zu verletzten. Mit anderen Worten: „Krieg funktioniert nicht mehr.“ Dieser fünfte Umbruch habe bereits vor 5.000 Jahren begonnen – und wir stecken immer noch mitten drin.

Über kurz oder lang – und wenn kleine Staaten etwas bewirken wollen – führe der Weg des Wettrüstens zu Kooperation und schließlich zu Weltfrieden. Es bleibt laut Kelly zu hoffen, dass die Menschen in ihrem Wahn, die Besten sein zu wollen, nicht vergessen, dass sie Menschen sind und dass alles, was das Schicksal bereithält, am „Ende“ genau das Richtige ist.

Über den Autor

Robert L. Kelly ist Professor für Anthropologie an der University of Wyoming. Er war Präsident der Society für American Archaeology, ist Herausgeber von American Antiquity und Autor von zwei wichtigen Lehrbüchern. Er führt seit über 40 Jahren Ausgrabungen im Westen der USA durch.

„Warum es normal ist, dass die Welt untergeht. Eine kurze Geschichte von gestern und morgen“

Robert L. Kelly
wbg Theiss
224 Seiten, 4 Abbildungen (sw)
ISBN:  978-3-8062-4014-6
Preis: 22,00 EUR

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