Clara Schumann hatte eine außergewöhnliche 60-jährige Karriere als Pianistin. Hier ist sie am Klavier in der Zeitschrift „The Garden Arbor“ von 1888 abgebildet.Foto: Public Domain

Clara Schumann: Ein Leben im Dienste der Liebe

Von 14. September 2021 Aktualisiert: 11. September 2021 8:19
Clara, das bedeutet so viel wie „die Strahlende“ oder „die Berühmte“ und dieser Name wurde Programm bei der als pianistisches „Wunderkind“ gefeierten Künstlerin. Im September jährt sich zum 202. Mal der Geburtstag von Clara Schumann.

Auf Porträts blickt sie uns verträumt und voller Anmut entgegen. Doch im Inneren dieser zarten Person verbarg sich eine starke und unbeugsame Frau, die heute dem Begriff Powerfrau alle Ehre machen würde.

Früher Ruhm

Clara wurde am 13. September 1819 in Leipzig als Tochter von Friedrich und Marianne Wieck geboren. Ihr Vater war ein gefragter Klavierlehrer und besaß ein Klavier- und Notengeschäft. Ihre Mutter war eine berühmte Pianistin und Sopranistin.

In den ersten vier Jahren ihres Lebens sprach Clara kein einziges Wort und ihre Eltern befürchteten schon, sie wäre taub. Sie reagierte nicht auf Worte und schien völlig in ihrer eigenen Welt zu leben. Doch die Musik bewegte sie. Als Clara fünf Jahre alt war, brachte ihr Vater ihr Musik nach dem Gehör bei. Sie war überhaupt nicht taub; sie reagierte auf Musik, nicht auf Sprache.

Claras musikalische Ausbildung war außergewöhnlich. Bis zu ihrem 19. Lebensjahr wurde sie von ihrem Vater unterrichtet. Wenn er sie nicht selbst unterrichten konnte, stellte er die besten Musiklehrer ein. Clara lernte nicht nur Klavier und die Grundlagen der Musik, sondern auch Geige, Komposition, Harmonie, Orchestrierung und sogar, wie man ein Musikgeschäft führt. Ihr Vater nahm sie zu allen wichtigen Dramen, Opern und Konzerten in Leipzig mit.

Aber ihr Vater hatte auch einen herrschsüchtigen Charakter und neigte zu Wutausbrüchen. Nur zwei Jahre vor ihrem Tod reflektierte Clara in einem Brief über seine Unterrichtsmethoden: „Er tadelte mich, wenn ich es verdiente, und verhinderte so, dass ich durch das Lob, das die Welt auf mich herabregnen ließ, überheblich wurde.“

Im Jahr 1830, im Alter von elf Jahren, gab sie ihr Konzertdebüt mit dem berühmten Leipziger Gewandhausorchester unter der Leitung von Felix Mendelssohn. Damit begann eine Tournee durch Frankreich, Deutschland und Österreich. Nach einer Reihe von Auftritten in Wien von Dezember 1837 bis April 1838 wurde der 18-jährigen Clara die höchste musikalische Auszeichnung Österreichs verliehen: der k. u. k. Kammervirtuosentitel.

Robert und Clara

Robert Schumann wurde Friedrich Wiecks Schüler, als Clara elf Jahre alt war. Nach Claras 16. Geburtstag wurde aus der musikalischen Bewunderung eine Liebe. Ihr Vater war von Anfang an gegen diese Beziehung und scheute keine Mittel und Wege, um die Heirat zu verhindern. So erteilte er Robert Schumann Hausverbot, seiner Tochter strikten Hausarrest und entzog ihr die Verfügungsgewalt all ihrer Einkünfte und drohte sogar damit, von der Pistole Gebrauch zu machen. Letztlich landete die ganze traurige Angelegenheit vor Gericht. Mit niederträchtigen Beleidigungen und einer Flut von widersprüchlichen Argumenten wollte Wieck nicht nur Roberts Ruf ruinieren, sondern auch den seiner Tochter Clara. Doch die Liebe der beiden war stärker und nach langen vier Jahren Familienkrieg entschied das Gericht zugunsten der Liebenden. Kurze Zeit später, einen Tag vor Claras 21. Geburtstag, heirateten die beiden. Und mit ihrer Volljährigkeit konnte Clara auch wieder über ihr Geld, das sie sich durch unzählige Konzertreisen verdient hatte, verfügen.

Ihre Ehe mit Schumann war geprägt von gegenseitiger Bewunderung und Liebe, aber auch von Verlust. Wie es zu dieser Zeit üblich war, stellte Clara ihre Karriere zugunsten der Ehe und der acht gemeinsamen Kinder zurück. Vier ihrer Kinder starben vor ihr und einer ihrer Söhne litt unter psychischen Problemen.

„Ich werde dich den Künstler vergessen lassen, denn die Frau steht noch höher als der Künstler“, schrieb Schumann an Clara, bevor sie heirateten.

Wie in guten so auch in schlechten Zeiten

Clara war die Erste, die jedes von Schumann komponierte Musikstück spielte, weil er später nicht mehr dazu in der Lage war – sehr zu seiner Enttäuschung. „Ein böses Schicksal hat mich des vollen Gebrauchs meiner rechten Hand beraubt, so dass ich nicht in der Lage bin, meine Kompositionen so zu spielen, wie ich sie empfinde“, schrieb er in einem Brief an den Gutsbesitzer und Musikdilettanten Simonin de Sire.

Schumann war nervenkrank und kämpfte gegen Symptome wie Schwindelanfälle und Schwerhörigkeit, Halluzinationen und Melancholie. Kurz nachdem ein Selbstmordversuch scheiterte, er warf sich in den Rhein, wurde er in eine private Nervenheilanstalt eingewiesen. Clara durfte ihn, bis kurz vor seinem Tod, zwei Jahre lang nicht besuchen. Das achte Kind, seinen Sohn namens Felix, hat Schumann nie gesehen.

Schumanns lange Krankheit bedeutete, dass Clara den Haushalt führen und auch Geld verdienen musste. „Du bist meine rechte Hand und du, du musst auf dich aufpassen, damit dir nichts passiert“, schrieb Schumann an Clara. Von zahlreichen Freunden und Bewunderern ihrer Musik, insbesondere von Familienfreund Johannes Brahms, wurde Clara mehrmals finanzielle Unterstützung angeboten. Doch die stolze und unerschütterliche Clara lehnte dies ab und betrat selbst wieder die Konzertbühne. Mit 37 Jahren verwitwet, gab sie in der ganzen Welt Konzerte und konnte ihre Kinder und Enkelkinder eigenständig versorgen.

„Die Aufführung der Kunst ist ein großer Teil meines Lebens, sie ist die Luft, die ich atme“, schrieb sie 1868 an Brahms.

1878 wurde Clara als Klavierlehrerin an Dr. Hochs Konservatorium in Frankfurt berufen. Ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte sie im Jahr 1891, als sie bereits 70 Jahre alt war. Ihre glanzvolle Karriere, die rund 60 Jahre andauerte, endete 1896 mit ihrem Tod. Die Fis-Dur-Romanze ihres Mannes war die letzte Musik, die sie hörte, gespielt von ihrem Enkel Ferdinand.

Claras Vermächtnis

Clara Schumann beeinflusste nicht nur das Werk ihres Mannes, sondern inspirierte auch den Komponisten und engen Freund Johannes Brahms sowie den Geiger Joseph Joachim, der sie in Kammerkonzerten begleitete.

Clara Schumann, die als eine der größten Pianistinnen ihrer Zeit gilt, setzte ihre Talente in den Dienst derer, die sie liebte. Sie respektierte ihren Vater und seine strenge klassische Ausbildung, auch wenn sie sich nie wieder richtig versöhnten. Sie kümmerte sich um ihren von Krankheit geplagten Mann, unterstützte ihre Kinder und förderte das Erbe ihres Mannes. So vereinte Clara Schumann die Rolle der Konzertmanagerin, Komponistin, Klavierpädagogin, Herausgeberin der Werke ihres verstorbenen Mannes und sie war eine fürsorgliche Ehefrau und Mutter – eine wahre Powerfrau.



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