Geige schwebte durch den Canal Grande

Künstler vermögen es, mit ihren feinen Instrumenten und ihrem Können die Seele der Menschen zu erreichen und durch ihre Melodien zu beruhigen.
Titelbild
Foto: Mieko Ban/Livio De Marchi
Von 15. Dezember 2021
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In Venedig, eines der großen kulturellen Zentren der Welt, konzipierte der Künstler Livio De Marchi im November 2020 ein schwimmendes Kunstwerk. Diese überdimensionale Geige widmete er der Musik und den Musikern.

Der 78-jährige italienische Bildhauer fertigt schon seit Jahrzehnten Kunstwerke für seine Stadt an und träumte schon immer davon, Boote zu bauen. Mit seinen riesigen „schwimmenden Kunstwerken“ hat er sich diesen Traum erfüllt. Die magischen Meisterwerke sollen Humor und Freude vermitteln.

Bildhauer Livio De Marchi, 78, aus Venedig, Italien. Foto: Mieko Ban/Livio De Marchi

„Ich glaube, genau das brauchen wir gerade“, sagte er. „Wenn ich traurige oder glückliche Gefühle in mir spüre, drücke ich sie aus, indem ich mit Witz und Freude schnitze oder male.

Als Kind lernte ich Bildhauerei in einem Workshop in der Schule. Dann besuchte ich eine Abendschule am Kunstinstitut“, sagte der Künstler und fügte hinzu, dass sein Studienweg ein „Zufall“ war, da seine Mutter mit der Mutter seines Lehrers befreundet war.

„Meine Mutter war besorgt, denn anstatt zu lernen, spielte ich mit Holz. So habe ich mit zwölf Jahren angefangen, und ich hoffe, dass ich noch lange weitermachen kann. Ich möchte wirklich noch viel mehr geben.“

De Marchis erstes Experiment mit schwimmenden Skulpturen, ausgestattet mit Schiffsmotoren, fand 1985 statt.

Über den Entstehungsprozess seiner schwimmenden Kunstwerke sagt er: „Zuerst habe ich die Idee, dann zeichne ich sie und dann setze ich sie um. Ich kontrolliere nie die Zeit. Bedenken gibt es immer, doch es ist wichtig, daran zu glauben und weiterzumachen.“

Die Menschen brauchen Hoffnung

De Marchi, dessen Skulpturen die Form von Autos, Instrumenten oder Schuhen haben, fühlte sich verpflichtet, in den unruhigen, dunklen Zeiten der Pandemie Hoffnung zu geben, und so entwarf er eine riesige schwimmende Geige.

Für dieses schwimmende Instrument diente eine gewöhnliche Geige als Vorlage: von der komplizierten Holzschnecke bis zum Kinnhalter, von den intensiven, warmen Holztönen und der eleganten Politur bis zu den zarten Steg- und Saitenarbeiten.

„Noah“, eine schwimmende Riesengeige des venezianischen Bildhauers Livio De Marchi. Foto: Marco Bertorello/AFP via Getty Images

„Ein guter Freund hat mir seine Geige geliehen und mit dieser Vorlage haben wir dann angefangen zu bauen“, sagt De Marchi. „Meine Aufgabe war es, mit ihnen zusammen an der Konstruktion zu arbeiten. Aber die Schnecke der Geige formte ich allein in meinem Atelier.“ Der Bildhauer arbeitete mit Handwerksmeistern der Künstlervereinigung Consorzio Venezia Sviluppo zusammen und erhielt von der Stadt Venedig einen Zuschuss zu den Materialkosten.

Foto: Mieko Ban/Livio De Marchi

Was den Entwurf und die Konstruktion angeht, so verlief das Projekt mit einer solchen Vielzahl von Handwerkern reibungslos. „Sie alle haben sich anlässlich der Pandemie zusammengetan, um dieses Werk zum Leben zu erwecken und um eine am Boden liegende Branche wiederzubeleben.“

Die verschiedenen Handwerker verwendeten unterschiedliche Holzarten, darunter Tanne, Eiche und Mahagoni. Mithilfe von Schiffsleim und ausgeklügelten Tischlerarbeiten realisierten sie das geigenförmige Boot, das auf eigener Achse schwimmt und mit einem elektrischen Schiffsmotor ausgestattet ist. Das massive Instrument misst etwa vier mal zwölf Meter und lässt sich in etwa 20 Teile zerlegen.

Foto: Mieko Ban/Livio De Marchi

Die Arbeiten begannen im November 2020. Nach neun Monaten Bauzeit wurden sie im Juli dieses Jahres abgeschlossen.

Der Name des Werks ist ein Hoffnungsschimmer in einer unruhigen Zeit. „Ich habe sie ‚Noah‘ genannt, weil er alle Tiere in seine Arche brachte, während ich mit der Geige eine wichtige Botschaft in die ganze Welt trage: Musik, Kunst und Kultur und etwas Liebe unter uns – das sind die Dinge, die wir in dieser traurigen Zeit brauchen.“

Am 18. September ging die Riesengeige auf ihre Jungfernfahrt, und die vier Musiker an Deck spielten Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ vor einem begeisterten Publikum. Zum Schutz des makellosen, blank polierten Decks traten sie barfuß auf. Die Aufführung sollte die Menschen dazu ermutigen, „wieder zu leben und die Kraft, die in jedem von uns steckt, wiederzuentdecken“, heißt es in einer Pressemitteilung der Galerie Livio De Marchi.

„Für mich sind alle Skulpturen wichtig. Aber wenn ein Werk fertig ist, kümmert es mich nicht mehr so sehr, weil ich schon an das neue Projekt denke.“

Viele von De Marchis Skulpturen befinden sich heute im Besitz von Museen, Sammlern oder Galerien in Europa. Er hat seine Werke in Japan und den Vereinigten Staaten ausgestellt und betreibt eine Galerie in Venedig.

Deutsche Übersetzung und Bearbeitung von Bettina Schwarz.



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