Herr von Ribbeck – Von Theodor Fontane

Von 19. August 2018 Aktualisiert: 19. August 2018 19:35
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber

Herr von Ribbeck

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Ein Birnbaum in seinem Garten stand

Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit

Da stopfte wenns Mittag vom Turme scholl

Der von Ribbeck sich beide Taschen voll

Und kam in Pantinen ein Junge daher

So rief er Junge wiste ne Beer

Und kam ein Mädel so rief er lütt Dirn

Kumm man röwer ick hebb ne Birn

So ging es viel Jahre bis lobesam

Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam

Er fühlte sein Ende s war Herbsteszeit

Wieder lachten die Birnen weit und breit

Da sagte von Ribbeck ich scheide nun ab

Legt mir eine Birne mit ins Grab

Und drei Tage drauf aus dem Doppeldachhaus

Trugen von Ribbeck sie hinaus

Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht

Sangen Jesus meine Zuversicht

Und die Kinder klagten das Herze schwer

He is dod nu wer giwt uns nu ne Beer

So klagten die Kinder das war nicht recht

Ach sie kannten den alten Ribbeck schlecht

Der neue freilich der knausert und spart

Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt

Aber der alte vorahnend schon

Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn

Der wusste genau was damals er tat

Als um eine Birn ins Grab er bat

Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus

Ein Birnbaumsprößling sprosst heraus

Und die Jahre gingen wohl auf und ab

Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab

Und in der goldenen Herbsteszeit

Leuchtets wieder weit und breit

Und kommt ein Jung übern Kirchhof her

So flüsterts im Baume wiste ne Beer

Und kommt ein Mädel so flüsterts lütt Dirn

Kumm man röwer ick gew di ne Birn

So spendet Segen noch immer die Hand

Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Theodor Fontane  (1819 – 1898)

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