Jürgen Fritz: Die natürliche Ungleichheit der Menschen

Von 1. Mai 2018 Aktualisiert: 1. Mai 2018 14:24
Können in einer Gesellschaft alle gleich sein? Stellen Sie sich vor, alle wären gleich arm oder gleich reich, alle würden gleich aussehen, das gleiche denken, das gleiche wollen, das gleiche sagen. Welchen Sinn hätte das Menschsein dann noch? Der Kommunismus strebt eine absolute Gleichheit an, Jürgen Fritz hinterfragt den Sinn einer solchen Ideologie.

Das Dogma von der absoluten Gleichheit der Menschen ist nicht mehr und nicht weniger ein Wahn als irgendein religiöses Dogma, konstatierte der Historiker, Pädagoge und Schriftsteller Johannes Scherr bereits im 19. Jahrhundert. Und der Historiker und Publizist Heinrich von Treitschke brachte es auf den Punkt, als er feststellte: Der höchste denkbare Grad der Gleichheit, der Kommunismus, ist, weil er die Unterdrückung aller natürlichen Neigungen voraussetzt, der höchste denkbare Grad der Knechtschaft. Weshalb aber zieht dieses Dogma, dieser Gleichheitsfetisch noch immer so viele Menschen, ja ganze Gesellschaften in seinen Bann?

Ungleichheit erzeugt tiefe Neid-, Missgunst- und Hassgefühle

Eines der größten Grundprobleme überhaupt ist die natürliche Ungleichheit der Menschen in vielerlei Beziehung: Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Attraktivität, vor allem aber die intellektuelle Ungleichheit. Bei wohl keiner anderen Spezie sind die Unterschiede auch nur annähernd so groß wie beim Homo sapiens. Die Spanne ist hier so gewaltig, dass B A oft schon nicht mehr folgen kann, weil es ihn geistig überfordert. Und C kann B nicht mehr folgen und D C nicht usw. Vergleichbares dürfte es in der Tierwelt nirgends geben.

Unter all diesen Unterschieden in Gesundheit, Attraktivität, Leistungsfähigkeit, Intellekt, Reichtum usw. leiden die von Natur schlechter Weggekommenen enorm und nicht selten entwickeln sie tiefe Neid-, Missgunst- und Hassgefühle auf die von der Natur Privilegierten und empfinden das als ungerecht, was es im Grunde auch ist. Aber die Natur kennt die Kategorie der Gerechtigkeit nicht bzw. richtet sich nicht nach ihr.

Süße Lügen als Heilmittel

Darauf wird meist geantwortet mit süßen Lügen. Die religiösen Weltanschauungen sind voll davon und das macht einen Großteil ihres Erfolges aus. Könnte es eine größere Verheißung geben, als wenn einem versprochen wird, dieses Leben hier ist nur ein kleines Vorspiel für etwas viel Größeres und dort wird alles anders sein? Dort werden die Letzten die Ersten sein. Wie könnte man gegen so eine Verheißung ankommen? Wie süß und tröstlich muss so etwas in den Ohren derer klingen, die unter ihrem eigenen So-Sein und der Welt leiden?

Genau auf diesem Leid bauen auch die Sozialisten und Kommunisten auf. Sie versprechen das Leid bereits hier auf Erden zu lindern.

Wählt uns, wir werden euer materielles Leid lindern. Wir werden es den anderen wegnehmen und euch geben“, so lautet ihrer immerwährende Versprechung, die doch niemals aufgeht.

Aber das interessiert die Benachteiligten nicht. Das sind ja keine Mathematiker, die anfangen durchzurechnen, ob das überhaupt aufgehen kann. Das sind Leidende, die nur eines wollen: dass ihr Leid gelindert wird. Und je weniger von der anderen süßen Lüge noch vorhanden – das ist alles nur ein kleines Vorspiel zu einem viel Größeren und dort werden die Letzten die Ersten sein -, desto mehr wollen sie jetzt sofort ihr Leid gelindert und die Unterschiede abgebaut haben. Doch wie soll das bei der Attraktivität und bei den intellektuellen Unterschieden gehen?

Die völlige Umkehrung der Werte: das Gefühl verdrängt den Gedanken

Bezüglich Letzterem indem auch geistig alles eingeebnet wird. Indem objektive Wahrheit und das objektiv Gute negiert werden. Indem alles relativiert und subjektiviert wird. So soll die Illusion erzeugt werden, alles sei gleichwertig, der dumme Gedanke sei genauso gut wie der kluge, ausgefeilte, hochwertige. Alle Weltanschauungen seien gleichwertig. Außer die, die die natürliche Ungleichheiten ehrlich benennen und beschreiben. Die werden nach unten gedrückt und als minderwertig eingestuft.

Das heißt, es kommt zu einer völligen Umkehrung der Werte. Das Wahre und Hochwertige wird nach unten gedrückt, die Lüge und das Minderwertige nach oben gehoben. Warum? Weil es sich für die von der Natur Benachteiligten so angenehmer anfühlt.

Das Gefühl verdrängt immer mehr den Gedanken, die Wahrheit, die Logik und wird immer mehr zum Maßstab.

Die Abwertung der Wahrheit führt zwangsläufig zur Verlogenheit und zur charakterlichen Deformierung

Wer jetzt gegen das angenehme Gefühl der Benachteiligten etwas sagt, wird regelrecht verfolgt. Bei den meisten religiösen Weltanschauungen ist dies übrigens auch so. Sobald eine Religion eine Gesellschaft dominiert, sind die Scheiterhaufen meist nicht weit. Warum ist dem so? Weil diese alle auf süßen Lügen aufbauen, die den Menschen Trost und Halt geben sollen. Wer das entlarvt, begibt sich nicht selten in große Gefahr. Und in sozialistischen Gesellschaften ist es ähnlich.

Die vorgetäuschte Gleichheit und das Gesellschaftsmodell dürfen nicht in Frage gestellt, dürfen nicht als falsch bzw. ungerecht entlarvt werden.

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Am Anfang aber steht immer die süße Lüge als Antwort auf das Leid aus der Ungleichheit. Damit wird stets der Weg eingeschlagen weg von der Wahrheit und Wahrhaftigkeit, was jeweils zur Verlogenheit führt, zur charakterlichen und seelischen Deformierung. Was wäre der richtige Weg?

Wahrhaftigkeit und Solidarität

Die natürliche Ungleichheit nicht leugnen, sondern sie akzeptieren als das, was sie ist: kein persönlicher Verdienst und kein Zeichen, dass ein höheres Wesen einen mehr liebt als die anderen, sondern ein Geschenk der Natur, für das niemand etwas kann und aus dem eine besondere Verpflichtung erwächst, es sinnvoll für sich, aber auch für andere einzusetzen.

Solidarität üben. Den anderen zunächst mal so achten, wie er ist, dessen eingedenk, dass niemand sich selbst gemacht hat. Gemeinschaften bilden in denen jeder sich so einbringt, wie er kann. Die Schwächeren mittragen und die Stärkeren, die andere tragen, besonders ehren, ihnen dankbar sein und das nicht für selbstverständlich nehmen.

Das akzeptieren, was man nicht ändern kann, an dem anderen arbeiten. Sich auf seine Stärken konzentrieren und sich positiv einbringen. Das stärkt das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. Und als Gesellschaft versuchen, jeden mit einzubinden, keinem das Gefühl zu geben, er werde nicht gebraucht. Aber auch von jedem etwas verlangen, dass er die Pflicht hat, sich positiv in die Gesellschaft einzubringen. Also ein Geben und Nehmen.

Im intellektuellen Bereich die Klügeren besonders achten und nicht bei jedem Thema mitreden wollen, auch wenn man keine Ahnung hat oder nicht folgen kann (natürliche Demut). Wer hier von Natur aus besser weggekommen ist, überlegen, wie er seine Gabe sinnvoll auch für andere einsetzen kann. Am Ende läuft es also auf zwei Dinge hinaus, wenn ich recht sehe: Wahrhaftigkeit und Solidarität.

Der Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung von Jürgen Fritz.