Artikel der, die und das – Teil 1

Von 24. Mai 2010 Aktualisiert: 24. Mai 2010 12:29

„DAS Fenster, DER Stuhl, DIE Lampe…“ sagte meine Deutschlehrerin beim Unterricht. „Warum?“ fragte einer aus der Klasse, der offensichtlich aus dem südostasiatischen Kreis kommt, leicht verstört. Wir haben ja in Südostasien gar keinen Artikel. „Tja, gute Frage“, zuckte die Lehrerin die Schulter. Die Antwort „gute Frage“ ist das Zeichen, dass wir keine richtige Antwort bekommen können. Und dabei wissen wir auch, dass wieder eine gute Übung für unser mechanisches Gedächtnis kommt. Man muss sich ja die meisten Artikel einfach so merken.

Zurück in meinem kleinen Zimmer, schaute ich mich um: „Mm…. DAS Fenster, DER Stuhl, DIE Lampe, DAS Bett, DIE Tür, DER Grillgitter, eh… Moment, DIE Grillgitter klingt auch nicht schlecht, oder vielleicht DAS Gitter?“ Schnell habe ich im Wörterbuch nachgeschlagen und kam auf DAS Gitter. Uff, wann kann ich alle Artikel der deutschen Nomen in meinen Kopf einprägen und beim Reden, und sogar beim sehr schnellen Reden ohne nachzudenken die richtige Wahl treffen?

Manchmal starre ich auf die Politiker, die im Fernsehen eine emotionale Rede halten. Ich bewundere sie sehr, diese Politiker. Sie reden soooo schnell, soooo lange, aber sie scheinen so sicher zu sein über alle Artikel die sie benutzen. Unmöglich! Wie viele Nomen gibt es in der deutschen Sprache überhaupt? Und diese Politiker haben ja all die Artikel im Kopf und ohne zu zögern haben sie immer die richtigen Artikel parat! Das scheint mir eine viel größere Fähigkeit zu sein als alle anderen Fähigkeiten, die die Politiker überhaupt besitzen. Natürlich ist das nur ein Witz. Die Politiker können ja selbstverständig viel mehr als das. Zum Beispiel können sie auch Nebensätze und trennbare Verben perfekt verwenden, welches ich genauso sehr bewundere.

Allerdings ist es auf jeden Fall schon mal gut, dass man im Fernsehen das sprachliche Niveau der Politiker beurteilen kann. Das kann man in China nämlich gar nicht. Denn die Politiker werden im Fernsehen oft gezeigt ohne originale Stimme. Der Berichtvorleser spricht für sie. Auch wenn die Politiker sehr gelegentlich mit der originalen Stimme zu sehen sind, lesen sie nur vor. Wehe den Chinesen, wir werden durch diese Vorleser vertreten, bei denen man gar nicht weiß, ob sie überhaupt selbständig denken können.

Na gut, zurück zu unserem Hauptthema Artikel. Ich finde, mein Gehirn ist oft langsamer als meine Zunge, wenn es um Artikel geht. Neulich habe ich der Mutter einer Kitafreundin meiner Tochter gesagt: „Das hat meine Tochter in der Kita gemacht, für die Muttertag.“ Mir ist natürlich klar, dass DER Tag maskulin ist und nicht feminin. Aber meine Zunge kam schon an den Punkt, wo der Artikel ausgesprochen werden musste und wartete auf den Befehl meines Gehirns, während meine Gedanken nur das Wort Mutter erreichte. So gab das Gehirn der Zunge den Befehl, DIE zu sagen. Nachdem ich Muttertag ausgesprochen hatte, fiel mir ein, dass ich einen falschen Artikel benutzt habe.

Kein Wunder, dass ich beim Deutschsprechen oft ein unsicheres Gefühl habe, wenn ich stetig zwischen der/die/das und richtig/falsch schwanke. Das Schreiben ist mir lieber, denn ich habe Zeit, den Text noch einmal durchzulesen, im Wörterbuch nachzuschlagen, oder gar die Problematik der Artikel samt anderen grammatikalischen Spielchen einfach einem Deutschen überlassen.

Von einem Ausländer habe ich vor ein paar Jahren eine geniale Lösung gelernt. Wir waren bei einer Party und er redete mit einer sehr niedlichen Sprache: Tellerchen, Stühlchen, Gabelchen … Es war nicht so, dass er das Märchen Schneewittchen zu oft gelesen hatte, sondern er hat damit einfach das Problem der Artikel vermeiden wollen! Es ist doch eine Regel, dass alle Worte mit –chen am Ende Neutrum sind. Ohne Ausnahmen! Eine grammatikalische Regel ohne Ausnahme ist nämlich auch eine Ausnahme im Deutschen. Es heißt, dass die meisten Wörter mit –nis am Ende neutrum sind, z.B. das Ergebnis, das Bedürfnis. Aber es gibt einige wenige Ausnahmen, unter denen DIE Kenntnis wohl am meisten verwendet wird.

Diese geniale Lösung mit Chen-Wörtern funktioniert leider nicht bei allen Nomen. Zu einer Blume kann man sehr gut Blümchen sagen, aber bei einem Elefanten ist das eher schwierig. Aber Benjamin Blümchen ist eine Ausnahme. Denn er ist ja wirklich ein sehr niedliches Elefantchen. Da nicken schon meine drei- und fünfjährigen Kinder Victoria und Siegfried.

 

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