Eingangsbereich im Literaturhaus in Berlin.Foto: André Koehler

Berliner Bürger schützen ein Haus und die Literatur

Von 8. Juli 2011 Aktualisiert: 8. Juli 2011 10:14
Fasanenstraße 23 – das Literaturhaus in Berlin ist längst eine bekannte Institution; kaum zu glauben, dass es erst 25 Jahre alt geworden ist.

Zwar hat es nicht an der Vorderfront den Kurfürstendamm und an der Rückseite die Ostsee, wie Kurt Tucholsky gern den Anspruch der Berliner an ein Haus beschrieb, aber dafür wird das Literaturhaus getragen von dem Engagement eines Bürgervereins.

Der Kurfürstendamm ist gerade um die Ecke gelegen und die Gegend ist vom Feinsten. Dem Verein wurde das Haus Fasanenstraße 23 vor 25 Jahren von der Stadt Berlin überlassen und es bietet nicht nur der Literatur eine Begegnungsstätte, sondern auch Wohnräume für Stipendiaten, ein Café und eine Buchhandlung.

Kaum zu glauben, dass vor 25 Jahren ein Bebauungsplan den Abriss ganzer Häuserreihen und Neubauten vorsah. Ein bisschen kuschelig und gleichzeitig vornehm ist die Straße geblieben, aber wenn es heißt, dass Herta Müller sprechen wird, dann stehen die Kenner und Liebhaber von Literatur schon eine Stunde vorher auf der Matte. Geheimnisvolle Netze verbinden die Feinsinnigen unter den Intellektuellen und diese Netze waren es auch, die das Haus vor dem Abriss bewahrten.

Wie das Leben so spielt

Seine Geschichte spiegelt die Geschichte Berlins in fast makabrer Weise: Erbaut wurde die Villa 1889 für den zum Korvettenkapitän ernannten Teilnehmer der ersten und zweiten deutschen Nordpolfahrt, den späteren Charlottenburger Abgeordneten Richard Hildebrandt und seine Frau Louise geb. Gruson. Sie führten ein gastliches Haus, in dem Forscher und Schauspieler verkehrten. Max Bruch hat hier musiziert. Später wurde das Haus ein Etablissement mit häufig wechselnden Zweckbestimmungen: Reservelazarett im Ersten Weltkrieg, dann Volksküche, am Ende der Zwanzigerjahre ein Haus der Alexander von Humboldt-Gesellschaft für ausländische Studierende, danach beherbergte es ein Café, ein Bordell und eine Diskothek. Heute steht das Haus unter Denkmalschutz. Die Decken im Hochparterre und Wandmalereien im Eingangsbereich wurden restauriert.

Der Verein der Freunde und Förderer des Literaturhauses Berlin e.V. unterstützt die Arbeit des Literaturhauses, das sich mit vielfältigen Programmen an alle wendet, die an gegenwärtiger Literatur wie an der Entwicklung der literarischen Moderne interessiert sind. Das Literaturhaus Berlin wirbt mit Lesungen, Vorträgen, Diskussionen und Ausstellungen für die Literatur.

Jüngstes Beispiel ist die „Die Ernst Jandl Show“, die noch bis zum 17. Juli zu erleben ist. Dazu heißt es: Jandls Texte wollen laut gelesen, sie wollen auch gesehen werden als visuelle Dichtungen, als Schriftzeichnungen, als Partituren zu Hörspielen und als Textcollagen, wie sie der schier unerschöpfliche Nachlass enthält.

Das Café Wintergarten

Finden keine Veranstaltungen statt, dann ist man täglich willkommen im Café Wintergarten; im Sommer öffnet auch der große Restaurantgarten, den man in dieser Idylle nicht mitten in Berlin vermutet. Gesprächpartner aus aller Herren Länder oder aus Berlin findet man leicht an den Tischen, wenn man etwas zusammenrückt. Will man allein sein, kann man sich des eines wirklichen Cafés würdigen Zeitungsangebots bedienen. Und man kann köstlich speisen von 9:30 Uhr bis 1 Uhr nachts. Brigitte und Peter Föste sorgen seit 19 Jahren für das Wohl der anhänglichen Stammkunden ebenso wie für die Newcomer. Man spürt ihre Leidenschaft für den guten Geschmack in den Kleinigkeiten der Speisekarte ebenso wie in dem aufmerksamen und liebenswürdigen Service.

So verbreitet das ganze Haus bei aller zeitgemäßen Orientierung auch jene gediegene und persönliche Gastlichkeit, die uns in der Literatur sowie in der Gastronomie ab und an wieder zu einer wohltuenden „Entdeckung der Langsamkeit“ führen kann.

Eine Buchempfehlung

Eine Festschrift, das Buch „Fasanenstraße 23“, erschien zum 25-jährigen Jubiläum des Literaturhauses. Es vereint auf 160 Seiten viele literarische Erzeugnisse in Auszügen, die mit der über hundertjährigen Geschichte des Hauses zu tun haben. Für 12 Euro im Literaturhaus zu erhalten. In Ruhe ist es überaus lesenswert und von dem hohen künstlerischen Niveau, das dem Haus entspricht.

 

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