Computersimulation: Berliner Schloss-Humboldtforum 2019.Foto: Förderverein Berliner Schloss /ElgacoRostock//AFP/Getty Images

Berliner Stadtschloss mit Humboldtforum auf dem Vormarsch

Von 30. November 2010 Aktualisiert: 30. November 2010 13:18
Der Hamburger Michel, der Campanile auf dem Markusplatz in Venedig, die Frauenkirche in Dresden – sie alle wurden nach Zerstörungen rekonstruiert.

„Das Humboldtforum in Berlin wird gebaut. Mit den Fassaden des Berliner Schlosses wird die historische Mitte Berlins in alter Schönheit wieder erstehen.“ Nicht müde wird der Förderverein Berliner Schloss e.V. in Veranstaltungen, Ausstellungen und seinem eigenen „Berliner Extrablatt“ darauf hinzuweisen. Mit von der Partie ist die Stiftung „Berliner Schloss-Humboldtforum“ als Bauherr.

„Ich will diese Diskussion nicht erst dann machen, wenn der Bagger da ist“, sagte der Vorstandssprecher der Stiftung, Manfred Rettig, im Deutschlandradio Kultur. Schließlich handele es sich beim künftigen Berliner Stadtschloss um eine der „wichtigsten Kulturbauten dieser Nation“. Notwendig sei eine „breite Diskussion, die hinführt zum Humboldtforum, sodass wir jetzt schon erlebbar machen: Was passiert da eigentlich“, sagte Rettig.

Obwohl der Baubeginn angesichts von Finanzkrise und Haushaltssanierung in diesem Jahr noch einmal verschoben wurde, soll der Bau des Berliner Schlosses bis 2019 abgeschlossen sein. Baustaatssekretär Rainer Bomba stellte am 23. November einen neuen Zeitplan vor. Der erste Spatenstich soll 2013 vollzogen werden, die Bauarbeiten können dann, wie in den Sparplänen vorgesehen, 2014 beginnen.

Der Zeitverzug durch die Verschiebung des Baubeginns von 2011 auf 2013 wird offensichtlich von den Beteiligten gut genutzt, auch habe es „nie einen Baustopp gegeben“, so Rettig, sondern die Kostenverschiebung ermögliche einen kontinuierlicheren Planungsvorgang.

Historische Vorbilder

In einer beeindruckenden Sammlung dokumentierte die Pinakothek der Moderne in München von Juli bis Ende Oktober den Wiederaufbau ehemals zerstörter historischer Gebäude in aller Welt. Dazu gehörte der Campanile auf dem Markusplatz in Venedig, der Anfang des 20. Jahrhunderts beim Einbau eines Fahrstuhls total zusammenbrach, oder auch das Lübecker Buddenbrookhaus, das Haus der Großeltern von Heinrich und Thomas Mann. Das sind alles keine Originale. Es handelt sich um Rekonstruktionen.

In Hamburg brannte 1906 das Wahrzeichen der Stadt, der berühmte Michel, restlos ab. Unter den Gegnern ihres Wiederaufbaus war auch Hamburgs Stadtarchitekt Fritz Schumacher. Die Kirche kehrte zurück – und Schumacher bekannte, der Wiederaufbau sei außerordentlich gut gelungen.

In Warschau baute man schon 1970 das Schloss wieder auf, das von Hitlers SS vor dem Einmarsch der Russen gesprengt worden war. Am Frankfurter Römerberg baute man die historische Häuserzeile wieder auf, die den Bomben zum Opfer gefallen war, heute ein unverzichtbarer Mittelpunkt der Stadt und eine Touristenattraktion.

Was für Hamburg der Michel und für Dresden die wieder aufgebaute Frauenkirche ist, das soll für Berlin in besonderer Form das Humboldtforum in den Fassaden des Berliner Schlosses werden. Eingehüllt in die historisch gewachsene und nun rekonstruierte Form soll das Humboldtforum Sammelstätte für die Kulturschätze der Welt und Begegnungsstätte für die Menschen der Welt werden.

Barocke Fassaden dank Spendengeldern

Die anspruchsvollste Herausforderung für das Bauvorhaben Berliner Schloss-Humboldtforum ist sicher die originalgetreue Wiedererrichtung der drei barocken Stadtfassaden und des Schlüterhofes mit ihren wertvollen Schmuckelementen. Der Förderverein Berliner Schloss e. V. hat hier bereits wesentliche Vorarbeiten geleistet: dazu gehörte die erfolgreiche Suche nach genauen Plänen und Fotos der historischen Fassaden. Zu diesen Unterlagen gehört auch ein Handriss (Katasterplan) von 1879, der das Schloss zentimetergenau in seinen äußeren Maßen zeigt.

Auf dieser Grundlage hat der Förderverein bereits eine Vielzahl von Modellen, Gipsabformungen und Abgüssen herstellen lassen, nach denen die vielfältigen Schmuckelemente der Fassaden in geeigneten Materialien von erfahrenen Steinbildhauern neu geschaffen werden können. Insgesamt hat der Förderverein heute bereits etwa ein Viertel der notwendigen Modelle für die Herstellung der Schmuckelemente der historischen Fassaden fertiggestellt.

„Dies ist eine überaus anspruchsvolle und wichtige Aufgabe, die wir für den pünktlichen Baustart schon jetzt in der Schlossbauhütte anpacken müssen“, sagte Vorstandssprecher Manfred Rettig bei einer Veranstaltung in der Lagerhalle des Fördervereins zu dem Geschäftsführer des Vereins, Wilhelm von Boddien, der eine weiter Millionenspende überreichen konnte.

Eine Ausstellung „Berliner Schloss-Humboldtforum: Einblicke“ informiert noch bis zum 12. Dezember im Kronprinzenpalais Unter den Linden 3 in Berlin-Mitte den Besucher mit einem Schloss-Modell sowie mit Plänen, Zeichnungen, Bildern und Filmen über das wichtigste Kulturbauvorhaben Deutschlands. Die neue geräumige Humboldt-Box auf dem Schlossplatz soll im Frühjahr 2011 eröffnet werden.

www.berliner-schloss.de

 



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