Bonner Uraufführung der Musikkomödie „The Nightingales“

Von und 6. Januar 2012 Aktualisiert: 6. Januar 2012 8:13

Zeit heilt Wunden? Schön wär’s! Dass sie auch anders kann, zeigt Autor Peter Quilter in einem seiner neuesten Stücke „The Nightingales“, das derzeit im Bonner „contra kreis theater“ seine Uraufführung erlebt. Der Form nach eine Komödie. Denn in welchem anderen Rahmen ließe sich die in diesem Stück angelegte Tragik besser verdeutlichen und ertragen?

Knüppeldick kommt es für das Ehepaar Beatrice (Naemi Priegel) und Charles (Jasper Vogt). Nach einem bewegten Leben auf den Brettern, die die Welt bedeuten, setzt sich in ihnen immer stärker die Erkenntnis durch, aus dem einstigen Scheinwerferlicht nun ins Renten-Abseits geraten zu sein. Und da ein Unglück selten allein kommt, ist ihnen mit ihrem beruflichen Erfolg auch gleich noch ihre Liebe zueinander abhanden gekommen.

Und auch auf den Respekt und die Zuneigung ihres Sohnes Jack (Leon van Leeuwenberg) können sie nicht zählen, bei dem sie sich für die Dauer dieses Stückes unangemeldet einquartiert haben. Denn schon sind sie wieder da, die alten Wunden, die das frühere familiäre Miteinander der Nightingales verursacht hat. Und neue kommen hinzu.

Dabei kämpft Junggeselle Jack gleich noch an einer anderen Beziehungsfront. Denn als Pianist im Showbusiness kann und will er die ihm von seiner Gesangskollegin Maggie (Elisabeth Ebner) entgegen gebrachten Gefühle nicht erwidern. So traurig kann Leben sein. Es sei denn, es würde gewürzt mit einer Prise Humor sowie einem Schuss unerwarteter Situationskomik.

Doch Peter Quilter wäre nicht einer der meistgespielten jungen Autoren der Welt, hätte er nicht noch weitere Überraschungseffekte in sein Stück eingebaut. Und die beruhen auf dem charmanten Milieu der englischen Metropole London in der Mitte des letzten Jahrhunderts, wie sie sich in den Kostümen (Anja Saafan), der Dekorationsmalerei (Manfred Dimon) bis in die Choreographie (Elke Berges) des Stückes hinein zeigt.

Der größte Trumpf jedoch ist die Musik, mit der Quilter die Nachkriegszeit wieder aufleben lässt. Ohrwürmer von Noel Coward, Cole Porter, George Gershwin und vielen Anderen, die – kaum haben sie in der Erinnerung der Showbizz-Profis auf der Bühne Gestalt angenommen – sogleich am Flügel musikalisch ins Leben zurückgerufen werden.

Denn singen können sie alle. Bis auf den Butler Graham (Thomas Pohn), der jedoch mit seinem ausgleichenden Wesen und seiner feinen englischen Art über andere Fähigkeiten und Vorzüge verfügt und so in einer Atmosphäre der überdrehten Exaltiertheit den ruhenden Pol bildet. Niemand kann erahnen, zu welchen Verrücktheiten es ohne seinen moderaten Einsatz noch kommen würde.

Insgesamt eine herzerwärmende Inszenierung von Horst Johanning, spritzig und witzig und doch mit Tiefgang. Ein Glanzstück des Boulevards.

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