Das Augustusburger Schloss in Brühl: ein brillantes Beispiel des deutschen Rokoko

Epoch Times16. April 2019 Aktualisiert: 16. April 2019 11:16
Nur eine kurze Zugfahrt südlich von Köln liegt die Haltestelle Brühl. Direkt gegenüber vom Bahnhof führt eine Straße geradewegs zu einem der beeindruckendsten Beispiele des Rokoko: Das Augustusburger Schloss.

Das von 1725 bis 1768 erbaute Augustusburger Schloss in Westdeutschland gilt als eines der beeindruckendsten Zeugnisse des Rokoko. Hier kann der Besucher durch meterhohe Räume laufen und die Entwicklung vom Spätbarock bis hin zum Rokoko anhand der Wände und Decken erkennen. Eine Blütezeit des verspielten und pompösen Stils. Aus diesem Grund wurde das Schloss zusammen mit seinen Gärten und dem Jagdschloss 1984 zum Weltkulturerbe ernannt. So soll diese einmalige architektonische Geschichte bewahrt werden.

Es wird behauptet, das im Jahr 1804 Napoleon nach einem Gang durch das Schloss gesagt haben soll: „Es sei schade, dass er keine Räder habe, sodass er das Schloss mit nach Frankreich nehmen könne.“

Das beeindruckende große Treppenhaus

Wenn Sie vielleicht ein Gast des 18. Jahrhunderts in diesem Palast wären, würden Sie mit einer Kutsche vor der „Großen Treppe“ halten und hier elegant Stufe um Stufe empor schreiten. Jede einzelne Stufe erstrahlt im hellen Lack, Marmor und weißem Stuck. Es ist ein Augenschmaus. Ihr Architekt war Balthasar Neumann, der bedeutendsten Baumeister des Barock und des Rokoko.

Betreten Sie die Empfangshalle und Sie schauen nach oben, heißt ein Himmel voller Götter und Göttinnen Sie willkommen. Der Auftraggeber des imposanten Baus war der Erzbischof und Kurfürst Clemens August I. von Bayern. Seine Macht ist in vollem Umfang zu sehen, flankiert von Charakteren, die sowohl Adel als auch Bescheidenheit symbolisieren.

Allegorische Figuren wie die Tugend senden Symbole der Großzügigkeit in Richtung der Künste und ihrer Patronin „Minerva“ und treiben Laster wie Neid und Unaufrichtigkeit aus. Hier und in vielen Motiven rund um den Palast können Sie die August-Initialen „CA“ sehen.

Es ist wirklich das Herzstück des Rokoko-Schlosses, das eigentlich das erste in Deutschland gebaute Rokoko-Exemplar ist. Das Deckengemälde über der Großen Treppe entwarf Carlo Carlone, ein lombardischer Maler und Fresken-Künstler. Dies war im 18. Jahrhundert, einer Zeit des Wohlstands, als Fürsten im Norden und Westen Deutschlands ihre Ländereien von ihren Schlössern aus regierten. Viele dieser architektonischen Meisterwerke ließen sich dabei von Versailles, dem pompösen Schloss in Frankreich inspirieren.

Flora und Fauna überall im Palast

Der Rokoko-Stil begann in Frankreich gegen Ende der Regierungszeit von König Ludwig XIV. und blieb bis während der Herrschaft von Ludwig XV. vorherrschend. Es zeichnet sich durch die Rundung von Winkeln und Verzierungen aus. Der Name spielt auf „Rocaille“ an, eine Methode zum Dekorieren von Grotten mit Muscheln.

Im Grunde ist es ein Fest der Natur: Szenen und Motive sowie Flora und Fauna sind überall im Palast zu finden. Bis gegen Ende der Popularität des Rokokos aber wuchsen die Verzierung an, bis sie mit übermäßiger Ornamentik in Verbindung gebracht wurden. Einige betrachten diesen Stil nur als eine Phase des Spätbarocks, die sich von den großen Barockkabinen mit ihren intimen und verzierten Salons unterscheidet. In den früheren Teilen des Palastes sehen wir einfachere Dekorationen. Später errichtete Räume sind aufwendiger gestaltet.

Wie auch Versailles erstrahlt das Augustusburger Schloss in der Ikonografie des Göttlichen und ist mit Götterbildern bedeckt. Die Herrscher, die sich hier niederließen, glaubten, dass diese ihnen ihre Macht gewährten. Gleichzeitig erinnerten ihre Bilder die Herrscher an ihre Verantwortung.

Die Halle der Garde

Das große Treppenhaus soll beeindrucken. Auch diesen Bereich entwarf Balthasar Neumann. Begeistert von der berühmten Würzburger Residenz, warb Clemens August ihn für die Gestaltung seines eigenen Palastes an.

Sobald Sie oben an der Treppe angekommen sind, werden weitere Figuren enthüllt. Götter und Göttinnen zeigen sich paarweise, um den Frieden, die Tugenden und die schönen Künste zu ehren. Der kurfürstliche Erzbischof liebte derartige Darstellungen.

Der Weg führt dann weiter in die Halle der Garde, einem zeremoniellen Raum, der in der Stuckarbeit erneut mit Ikonografie geschmückt ist. Ehrerbietung wird der Religion, dem Adel, der Militärmacht, der Weisheit und dem guten Rat gewidmet. Justitia überträgt das Recht zu herrschen.

Hinter diesem Raum befindet sich das Ess- und das Musikzimmer, das wie ein weiterer dekorierter Empfangsraum wirkt. Hier sieht Apollo von oben auf uns herab, umgeben von den neun Musen. Erst dahinter liegen die Wohnräume.

Der Audienzsaal ist einer der reich verziertesten Räume des Palastes. Mit aufwendigem vergoldetem Stuck und verschiedenen Farbkompositionen an den Decken erzeugen sie ein Gefühl von Tiefe.

Von einer Ruine zum Märchenschloss

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An der Stelle des Schlosses befand sich einst ein mittelalterliches heruntergekommenes Wasserschloss. 1725 erhielt der Architekt Johann Conrad Schlaun den Auftrag, die Ruinen in einen Palast umzuwandeln. Im Jahr 1728 übernahm der Architekt François de Cuvilliés das Anwesen und machte es zu einem aufwendigen Wohnsitz. Die wirklichen Arbeiten an dem neuen Palast begannen erst 1735, nach dem Abriss der alten Struktur.

August, der seinen Staaten in mehr als vier Jahrzehnten politischer Wende den Frieden gesichert hatte, sah den Palast allerdings nie als wirklich vollständig abgeschlossen. Sein Nachfolger Max Friedrich von Königsegg beaufsichtigte den Rest des Baus nach Augusts Tod im Jahr 1761.

Toiletten mit Vogelporträts spiegeln die Person von August Clemens wider

Clemens August residierte jedoch nicht nur dort, sondern hinterließ auch verschiedene persönliche Aspekte in der endgültigen Architektur. Auf der Westseite des Palastes hatte er auf jeder Etage eine Gebetskapelle einrichten lassen, die sich abseits der Haupträume befand. Außerdem befinden sich hinter den Wohnungen und Empfangsräumen kleine Räume, die als eine Art Toilette gedacht sind. Auch sie sind mit Porträts seiner Lieblingsvögel ausgestattet.

August war ein begeisterter Falkenjäger, daher wurde das Jagdschloss Falkenlust auf dem Gelände errichtet. Der Landschaftsarchitekt Dominique Girard entwarf das Gelände auf der Grundlage französischer Barockgärten. Auch hier stand Versailles Vorbild. Girard legte die Natur und Wege in einer Art und Weise an, sodass diese Harmonie und Ordnung verkörperten.

Im Jahr 1842 folgte eine Erneuerung des gesamten Gartens im Stil der englischen Landschaftsgestaltung. Später, als das Schloss renoviert wurde, wurde der barocke Garten wieder angelegt. Der Garten des Schlosses ist das beste Beispiel für den Gartenstil des 18. Jahrhunderts in Deutschland, der nach seinem ursprünglichen Entwurf von Dominique Girard wiederhergestellt wurde.

Der Weg zum Schloss

Wenn Sie von Köln nach Brühl fahren, gibt es vom Kölner Hauptbahnhof aus sowohl eine Bahn- als auch eine Straßenbahnverbindung. Beide bringen Sie zum Bahnhof Brühl, direkt gegenüber vom Schloss. Die Straßenbahn kostet nur 3 Euro und dauert etwa eine halbe Stunde; Der Zug braucht die Hälfte der Zeit und die Ticketpreise variieren. Der Eintritt in das Schloss mit Führung beträgt 9 Euro pro Erwachsenen. Weitere Informationen zum Ticketing finden Sie unter www.schlossbruehl.de

Übersetzt und bearbeitet von Jacqueline Roussety

Quelle: Brühl’s Augustusburg Palace: A Brilliant Example of German Rococo