Das war das Toronto Film Festival 08

Von 10. Oktober 2008 Aktualisiert: 10. Oktober 2008 10:33
Beeindruckende 249 Filmbeiträge aus insgesamt 64 Ländern hatte das TIFF dieses Jahr im Programm: Auch der deutsche Film "Krabat" war dabei.

Die 33. Auflage des hochangesehenen Toronto Film Festival ist zu Ende. Verschiedene Umstände sorgten in diesem Jahr dafür, dass in Toronto ungewohnt viele lange Gesichter zu sehen waren. Neben fehlenden vermeintlichen Zugpferden und auch schlechtem Wetter stammten diese nicht zuletzt auch von strategischen Fehlern. Bereits während der ersten Tage wurden alle wichtigen Filme gezeigt, danach kam – so die Kritiker –  nichts Interessantes mehr nach.

Das Besondere am Toronto International Film Festival (TIFF) war seit jeher, dass es – anders als zum Beispiel die Filmfestspiele in Venedig oder Cannes – eben nicht Glamour, Stars und Skandale rund um die Filmbranche besonders hervorhebt. Das Typische am TIFF ist, dass die Filme per se, und seien es auch weniger bekannte Kunstfilme aus aller Welt, in den Vordergrund gestellt werden. Anscheinend war es diesmal allerdings sogar für dieses Qualitätsfestival zu wenig an Prestige. Die kanadische Presse titelte durchwegs, dass die Kanadier dieses Jahr zu bescheiden gewesen seien. Es solle künftig mehr Wert darauf gelegt werden, Weltpremieren und potentielle Oscar Kandidaten nach Toronto zu holen. So vermisste man vor allem Clint Eastwood mit seinem „Changeling“. Auch Oliver Stone, der stattdessen seinen George-W.-Bush-Film zum Festival nach London brachte, glänzte mit Abwesenheit. Dass das Venedig Festival zudem bekannt gab, ab nächstem Jahr zeitlich gleichzeitig mit TIFF stattfinden werde, hellte die Stimmung im verregneten Toronto auch nicht gerade auf.

Es gab aber auch andere Stimmen.  Die Organisatorin Cameron Bailey verteidigte, dass das Festival heuer absichtlich abgespeckt wurde. Das Festival sollte im Vergleich zum letzten Jahr kompakter und überschaubarer gehalten werden.

Filmfeuerwerk

Dennoch, beeindruckende 249 Filmbeiträge aus insgesamt 64 Ländern hatte das TIFF  dieses Jahr im Programm. Die eiserne Regel lautet: Wer von diesen Filmen eine gute Kritik einheimst, der gilt auch bei der kommenden Festivalsaison bis inklusive der Oscar Verleihung als Favorit. Einige der Filme haben wir uns genauer angesehen.

Breitseite für Hollywood: Regisseur Spike Lee sparte nicht mit Kritik am Hollywood-System. Wer nicht Stephen Spielberg oder George Lucas heiße habe es sehr schwer, ein ordentliches Budget aufzustellen. Lee stellte seinen Anti-Kriegs-Film „Miracle at St. Anna“ beim TIFF 08 vor. Der Film spielt während des Zweiten Weltkrieges und wurde vom gleichnamigen Roman von James McBride inspiriert. (Francois Durand/Getty Images)
Breitseite für Hollywood: Regisseur Spike Lee sparte nicht mit Kritik am Hollywood-System. Wer nicht Stephen Spielberg oder George Lucas heiße habe es sehr schwer, ein ordentliches Budget aufzustellen. Lee stellte seinen Anti-Kriegs-Film „Miracle at St. Anna“ beim TIFF 08 vor. Der Film spielt während des Zweiten Weltkrieges und wurde vom gleichnamigen Roman von James McBride inspiriert. (Francois Durand/Getty Images)

Weltpremiere „Miracle at St. Anna“

Der Regisseur Spike Lee, bekannt von Filmen wie Malcolm X oder Inside Man, stellte in Toronto seinen Antikiegsfilm Miracle at St. Anna vor. Der Film spielt in der Zeit des zweiten Weltkriegs und wurde inspiriert vom gleichnamigen Roman von James McBride. „Es war eine große Herausforderung den starken Stoff auf intelligente Weise auf die Leinwand zu bringen“.  Spike Lee sparte nicht mit Kritik gegenüber dem Hollywood System. Es sei sehr schwierig, Geld für solche Filme zu bekommen. Wenn man nicht Stephen Spielberg oder George Lucas heißt, oder eine Comicgeschichte verfilmt, hat man es schwer, ein ordentliches Budget aufzustellen. Schließlich fand er Unterstützung von seinen italienischen Co-Produzenden Roberto Cicutto and Luigi Musini.

Die Geschichte spielt im italienischen Sant’Anna di Stazzema wo 1944 über 500 italienische Männer und Frauen von der SS niedergemetzelt wurden. Mitten in diesem Geschehen geraten vier schwarze amerikanische Soldaten in eine Falle in den toskanischen Bergen. Dort begegnen sie einem mysteriösen Buben, der übersinnliche Kräfte zu haben scheint. „Neben der Finanzierung dieses Filmes war es größte Herausforderung, den richtigen Schauspieler für diese Rolle zu finden“, erzählte Spike Lee. Nach einer Casting Session von insgesamt 500 Florentinischen Jungen fand er dann Mateo Sciabordi. „Ich hatte unzählige schlaflose Nächte, denn ich wusste, dass der Film nicht funktionieren konnte, wenn wir nicht den richtigen Charakterdarsteller finden würden. Mateo war dann perfekt.“

Spike Lee nutzte das öffentliche Interesse zu seinem neuen Film um die damit verbundene Thematik zu transportieren. Konkret hat er es auf seinen Regisseurkollegen Clint Eastwood abgesehen. Clint Eastwood hat in seinen Kriegsfilmen Flags of our Fathers und Letters from Iwo Jimas keinen einzigen schwarzen Schauspieler inkludiert. Nach Spike Lee sei es weder historisch korrekt noch fair, die schwarzen Soldaten derart zu ignorieren.

The Duchess

Am 7. September fand beim Festival die Premiere von The Duchess statt, erntete sofort riesengroßes Medienecho und wurde prompt zum Publikumsliebling. Mit der Duchess, also der Herzogin, ist die Britische Georgina Spencer aus dem 18. Jahrhundert gemeint. Sie war neben einer politischen Figur auch eine Modeikone und Ehefrau des Herzogs von Devonshire. „Ich schätze ihren Charakter. Sie war voller Widersprüche. In der Öffentlichkeit eine starke Politikerin, aber privat sehr verletzlich“ beschreibt die englische Schauspielerin Keira Knightley ihre Rolle. Das Publikum schätze an dem Film auch, dass er eine historisch perfekt authentische Darstellung der damaligen Gesellschaft wiedergibt. Dass die Gräfin am Schluss bei ihrem unterdrückerischen Ehemann bleibt, erklärt Knightley: „Ich glaube, Sie hatte keine Wahl. Sie musste große Opfer hinnehmen, aber jede andere Mutter würde auch nicht anders handeln“.

Ralph Finnes, der den Herzog von Devonshire spielt, zu seiner Rolle: „Beim ersten Lesen des Drehbuches war er für mich der typische Bösewicht. Ich habe aber versucht ihm eine menschliche Note zu geben.“

Kleines Detail am Rande: Georgina Spencer war eine Vorfahrin der verstorbenen Prinzessin Diana. Der Regisseur Saul Dibb dazu: „Mich faszinierte die historische Figur der Herzogin. Dass Parallelen gezogen werden, war mir klar“

Überraschungswerk: Flash of Genius

Bisher ausschließlich tätig als Hollywood Produzent, versuchte sich Marc Abraham nunmehr als Regisseur. Er brillierte, denn sein Filmerstlingswerk erntete riesen Beifall in Toronto. „Der Film bietet große Emotionen, aber nicht durch großartige schauspielerische Darstellungen, sondern durch ganz subtile Filmeffekte“, so der stolze frischgebackene Regisseur.

Flash of Genius ist die wahre Geschichte über Robert Kearns. Er war ein Techniker, der eine große Erfindung machte, die dann vom Autogroßkonzern Ford gestohlen wurde. „Es war mir wichtig, die Ungerechtigkeit in jede Szene zu packen“, sagte Abraham zur Epoch Times. Der Zuschauer durchlebt den quälenden Prozess eines Streits gegen den übermächtigen Gegner, der auch die Beziehung mit der Familie arg strapaziert. Der Darsteller Greg Kinnear (As good as it gets): „Ich wollte immer, dass er schlussendlich Gerechtigkeit findet. Aus Gesprächen mit seiner Familie weiß ich, dass er sie nie gefunden hat.“

Deutscher Beitrag „Krabat“: Regisseur Marco Kreuzpaintner machte mit der Verfilmung des Romans „Krabat“ von Otfried Preussler Deutschland alle Ehre. (Seven Pictures Film Krabat)
Deutscher Beitrag „Krabat“: Regisseur Marco Kreuzpaintner machte mit der Verfilmung des Romans „Krabat“ von Otfried Preussler Deutschland alle Ehre. (Seven Pictures Film Krabat)

Deutschlands „Krabat“

Der Rosenheimer Regisseur Marco Keutzpaintner machte in Kanada dem deutschen Film alle Ehre. Sein Krabat ist die Verfilmung des Romans von Otfried Preussler. Der Film spielt im Jahr 1646 und handelt vom 14-jährigen Jungen Krabat. Aus Gründen wirtschaftlicher und gesundheitlicher Not reist er aufs Land, wo er bei einer Mühle als Lehrling aufgenommen wird. Sehr bald findet er heraus, dass die Mühle ein schwarzer Orden ist. „Wir hielten uns streng an die Buchvorlage. Das Buch war ein Bestseller, und auch der Film soll für die ganze Familie wertvoll sein“ erklärte der deutsche Regisseur.

Text erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 41/08

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