Der CSU-Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag Joachim Herrmann, Karin Stoiber und der bayerische Ministerpraesident Edmund Stoiber, von links, vor den Kroenungsinsignien und der Krone des ersten bayerischen Koenigs Max I. Joseph.Foto: AP Photo/Diether Endlicher

Der Freistaat feiert seine Krone

Epoch Times29. März 2006 Aktualisiert: 29. März 2006 22:22
Vor 200 Jahren wurde Bayern zum Königreich erhoben - Ausstellung in der Münchner Residenz

München – Bayern steht 2006 im Zeichen der Krone: Genau 200 Jahre ist es her, dass das Kurfürstentum zum Königreich erhoben wurde. Im einstigen Machtzentrum der Herrscher, der Münchner Residenz, schildert eine Ausstellung die Situation Bayerns um 1806, die Reformen nach der Proklamation und zeigt auch die Kroninsignien des ersten bayerischen Königs. Böllerschüsse krachten am Mittwoch, als Ministerpräsident Edmund Stoiber, gemeinsam mit Schirmherr Herzog Franz von Bayern die sehenswerte Sonderschau eröffnete.

Mehr als ein Jahrhundert hatten bayerische Fürsten nach der Königswürde gestrebt, am 1. Januar 1806 war es – mit Hilfe des französischen Kaisers Napoleon – endlich soweit: Maximilian I. Joseph verkündete, dass er den Titel des Königs von Bayern annehme. Dies geschehe zum Wohle des Volkes. Außerdem wollte der neue König sein Reich stärken. Denn Pfalz-Bayern lag eingekeilt zwischen der europäischen Supermacht Frankreich und dem restlichen Teil des zerfallenden Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

Der Staatsakt zur Erhebung in den Königsstand fiel bescheiden aus – nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Außerdem wurde noch diskutiert, ob Max zum König gekrönt werden sollte. Vorsorglich ließ der Herrscher für sich und seine Frau Karoline aber in Lyon, dem Zentrum der französischen Seidenmanufaktur, Krönungsmäntel anfertigen. Das Finanzministerium protestierte erfolglos gegen den hohen Preis. Auch Futter und Besatz aus edelstem Hermelin erschienen den Kämmerern zu teuer.

Die beiden »Krönungs Costume« genannten Kostbarkeiten aus rotem Seidensamt mit goldenen Stickereien und weiß-blauen bayerischen Rauten zählen zu den prunkvollsten Stücken der Ausstellung. »Die Mäntel folgen genau dem Vorbild der napoleonischen Krönungsmäntel« und hätten deshalb nur auf einer Seite einen kurzen Ärmel, erläuterte Johannes Erichsen, Vizepräsident der bayerischen Schlösserverwaltung und verantwortlich für die Ausstellung.

Knapp vier Meter lang ist jeder der beiden Mäntel und mehr als drei Meter breit. Mit einem Gewicht von rund 30 Kilogramm wären sie wohl auch für ein Königspaar recht unbequem gewesen. Offiziell getragen wurden die Mäntel allerdings nie, weil es nicht zur Krönung Max I. Josephs kam. Auch seine fünf Nachfolger benutzten den schweren Mantel nicht.

Nie getragen wurde auch die kunstvoll verzierte und mit prächtigen Edelsteinen geschmückte, goldene Krone des bayerischen Königs, die in der Schatzkammer der Residenz zu sehen ist. Neben dem Symbol für die Alleinherrschaft finden sich die anderen Insignien der Macht: das Zepter als Symbol für die Befehlsgewalt, das Schwert für die unabhängige äußere Politik, der Reichsapfel als Zeichen für die Herrschaft über Bayern und der Siegelkasten als Instrument höchster Beglaubigung. 

Reformen des ersten Königs prägen Bayern noch heute

»Fabelhaft«, lobte Seine Königliche Hoheit, Herzog Franz von Bayern, beim Rundgang. »Ich finde die Ausstellung wunderbar. Anschaulich und sehr lebendig.« Neben zahlreichen Bildern und Büchern, Servicen und Statuen werden in vielen Dokumenten auch die einschneidenden Reformen geschildert, die König Max I. gemeinsam mit seinem Minister Maximilian Graf von Montgelas durchsetzte.

Die Modernisierer schafften in Bayern eine effiziente Staatsorganisation mit dreistufiger Verwaltung und unabhängigen, fest besoldeten Beamten, sie richteten Fachministerien ein und führten die allgemeine Schulpflicht ein. Mit Religions- und Pressefreiheit und der Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz begründeten Max und Montgelas den Rechtsstaat.

Außerdem bemühten sich die Reformer, alte und neue Landesteile des Königreichs zu einen. Denn nach dem Wiener Kongress hatte Bayern als Ausgleich für Verluste links des Rheins große Teile Frankens und Schwabens zugeschlagen bekommen. Ministerpräsident Stoiber zitierte in seiner Festrede einen schwäbischen Pfarrer, der damals den Stoßseufzer ausstieß: »Dann sind wir also bayerisch. Wahrscheinlich haben wir es wegen unseren Sünden nicht anders verdient.«

Die Reformen im neuen Königreich würdigte Stoiber als »eine beispiellose Revolution von oben. Am Ende hatten Max I. Joseph und Montgelas ein neues Bayern geschaffen.« Die grundlegenden Veränderungen prägten das Land bis heute. Angesichts solch wegweisender Reformen mahnte der Ministerpräsident für heute »mehr Mut zu notwendigen Veränderungen« an, um in einer sich immer schneller wandelnden Welt Schritt halten zu können.

Die Ausstellung »Bayerns Krone 1806« ist bis zum 30. Juli in München zu sehen, täglich von 09.00 bis 18.00 Uhr. Zum bayerischen Jubiläumsjahr laufen zudem parallel die Schau »200 Jahre Franken in Bayern« in Nürnberg und eine Ausstellung über das Handwerk »Bayerns Weg in die Moderne« im Deutschen Museum in München.

Irene Preisinger



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