Haus der Kulturen der Welt in Berlin, Seitenansicht.Foto: Sabine Wenzel

Der Internationale Literaturpreis wird am 25. Juni in Berlin verliehen!

Von 13. Juni 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 16:51
Der Internationale Literaturpreis zählt zu den etablierten Auszeichnungen für internationale Erzählliteratur der Gegenwart und deren Erstübersetzung ins Deutsche. Am 14. Juni wird das Preisträger-Duo bekanntgegeben, gefeiert wird am 25. Juni.

Bereits zum achten Mal öffnet das Haus der Kulturen der Welt in Berlin seine Pforten, um gemeinsam mit der Stiftung Elementarteilchen am 25. Juni den Internationalen Literaturpreis zu feiern. Das Haus der Kulturen der Welt wird durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie durch das Auswärtige Amt gefördert.

Der Internationale Literaturpreis zählt zu den etablierten Auszeichnungen für internationale Erzählliteratur der Gegenwart und deren Erstübersetzung ins Deutsche. In einer medial globalen Welt führt die Übersetzung in andere Sprachen nicht nur dazu, gesellschaftliche Horizonte zu erweitern, sondern auch erlebte Erfahrungen anderer Kulturen kennenzulernen und den Blick für anders Denkende zu erweitern.

Im Mittelpunkt stehen herausstechende internationale Romane, sowie deren Übersetzerinnen und Übersetzer. Deutschsprachige Verlage reichten insgesamt 151 Titel ein, übersetzt aus 31 Sprachen. Hier lag der Fokus besonders auf den Themen Krieg, traumatische Erlebnisse der Geflüchteten in eine neue Heimat, wie aber auch skurril-phantasievolle Geschichten einer modernen Zeit.

Jedes Jahr werden Tausende von internationalen Büchern ins Deutsche übersetzt, und nicht selten werden die Übersetzer mehr oder weniger verkannt. Jede Übersetzung bietet die Möglichkeit, mit neuen Sprachmelodien und Metaphern den literarischen Kanon zu erweitern und der deutschen Sprache neue Formen zu gewähren. Besonders in der Übersetzung liegt die Kunst, das Besondere der Geschichte aus der Originalsprache ins Deutsche transferieren zu können, ohne den Stil und die Intention des Autors zu verletzen. Das Gespür für die Töne, um den Klang der Sprache adäquat ins Deutsche zu übersetzen, ist eine hohe Kunst an sich.

Wenn man‘s genau nimmt, sind die Übersetzer eigenständige Autorinnen und Autoren, die den Figuren und der Geschichte eine neue Heimat bieten müssen. Handwerkliches Geschick, ein hohes Maß an Fantasie und ein Wissen um die verschiedenen Kulturen beider Länder sind die Voraussetzungen  für eine gute und gelungene Übersetzung.

Zu Recht wurde das Preisgeld in diesem Jahr neu aufgeteilt. Die Preissumme von 35.000 € wird in 20.000 € für den Autor bzw. die Autorin aufgeteilt und 15.000 € gehen an die Übersetzerin, den Übersetzer. Letztes Jahr lag der Anteil für den Autor höher und für die Übersetzung gab es weniger Geld.

Aus der Vielfalt der Einsendungen wählte eine unabhängige Jury die sechs Titel der Shortlist. Diskutiert wurden Erzählstimmen und Perspektiven, der Blick auf Welthaltigkeit, literarische Brillanz, fiktional- narrative Strukturen und natürlich die übersetzerische Leistung ebenso wie die Sprach- und Formentwicklung der einzelnen Figuren.

Der Jury 2016 gehören an:

Die Übersetzerin und Islamwissenschaftlerin Leila Chammaa,

der Autor und ehemalige Verleger des Hansaverlages Michael Krüger,

der Schriftsteller und Publizist Marko Martin,

die Sinologin und Redakteurin Sabine Peschel,

der Literaturkritiker und Kulturjournalist Jörg Plath,

die Literaturkritikerin und Journalistin Iris Radisch

sowie die Schriftstellerin und Essayistin Sabine Scholl.

Die Shortlist 2016:

Foto: Cover Verlag Luchterhand

Ein Sturm wehte vom Paradiese her (En storm kom från paradiset )

Johannes Anyuru. Aus dem Schwedischen übersetzt von Paul Berf.

Luchterhand Literaturverlag 2015, Nordstedts, Stockholm 2012.

Johannes Anyuru erzählt in seinem Roman über seinen ugandischen Vater und seiner Verlorenheit als Flüchtling. Der Verlust der Heimat, das Suchen nach einer neuen Identität stehen ebenso im Mittelpunkt wie auch das persönliche Umgehen mit Krisen und dem Leben an sich.

Foto: Cover Verlag Suhrkamp

Der Perser (epc)

Alexander Ilitschewski. Aus dem Russischen übersetzt von Andreas Tretner.

Suhrkamp Verlag 2016. Astrel Moskau 2010.

Der Autor entwirft eine Psychogeographie des ölhaltigen Grenzgebietes zwischen Aserbaidschan und dem Iran, inspiriert von den Sprach- und Denkexperimenten des futuristischen Dichters Chlebnikov.

Foto: Cover Edition Nautilus

Erschlagt die Armen! (Assommons les Pauvres!)

Shumona Sinha. Aus dem Französischen übersetzt von Lena Müller.

Edition Nautilus 2015. Editions de L´Olivier, Paris 2011.

Dieser Roman ist eine furiose Wutrede über die zerstörerischen Konflikte zwischen Geflüchteten und den verbeamteten Asylentscheidern. Eine mehr als aktuelle Angelegenheit, die ganz Europa betrifft.

Foto: Cover Verlag A1

Double Negative (Double Negative)

Ivan Vladislavic. Aus dem Englischen übersetzt von Thomas Brückner.

A1 Verlag 2015. Umuzi, Kapstadt 2010.

Mit den Metaphern der Fotografie entwirft der Protagonist ein Vexierbild von Johannesburg während und nach der Apartheid.

Foto: Cover Verlag Antja Kunstmann

Die Geschichte Meiner Zähne ( La historia de mis dientes)

Valeria Luiselli. Aus dem Spanischen übersetzt von Dagmar Ploetz.

Verlag Antja Kunstmann 2016. Editorial Sexto Piso, Mexiko 2014.

Ein geistreicher und heiterer Roman einer dentalen Biografie, über den kreativen Prozess, den Wert von Kunst, den Kult um literarische Berühmtheiten, in dessen Zentrum ein Mann mit einem Mund voller Horror und einem Leben voller Geschichten steht.

Foto: Cover Suhrkamp

Dunkel, fast Nacht. (Ciemno, prawie noc)

Joanna Bator. Aus dem Polnischen übersetzt von Lisa Palmes.

Suhrkamp Verlag 2016.W.A.B., Warschau 2012.

In diesem mehr als beklemmenden Roman begibt sich die Protagonistin in ihre alte Heimat zurück. Mit der Reise in die Vergangenheit deckt sie Gräueltaten der Gegenwart auf. Zeitgleich wird sie mit ihrer eigenen Familiengeschichte konfrontiert. Ein mehr als wichtiger Roman um die Kriegsenkelgeneration, aus der Perspektive der Opferseite.

Die Begründung der Jury zur Shortlist 2016:

„Die diesjährige Shortlist versammelt Erzähltexte, deren Autorinnen und Autoren und auch Figuren allesamt ungefestigt zwischen Sprachen, Kulturen und Systemen leben, ins Deutsche gebracht von Übersetzern und Übersetzerinnen, die ihre Sprache auf faszinierende Weise dynamisieren und manchmal neu erfinden.“

Welche literarischen Transaktionen zwischen Autoren, Lesern, Übersetzern und Verlegern prägen gegenwärtiges Erzählen? Wie bedingt transnationale Autorenschaft Weltzugriffe jenseits nationaler Kultur- und Denkökonomien? Zu welchen Formen findet die Praxis des Übersetzens angesichts sich immer schneller wandelnder Sprachcodes?

All dieses wird am 25. Juni ab 14 Uhr beim Fest der Shortlist & Preisverleihung diskutiert und besprochen. Hier kommen die nominierten Autoren mit ihren Übersetzern im Haus der Kulturen der Welt zusammen. In Lesungen, Materialgesprächen und Roundtables verhandeln sie die Ausweitung der Lesezone und das facettenreiche erzählerische Spektrum der Shortlistautoren und ihrer Übersetzer.

Haus der Kulturen der Welt

John- Foster- Allee 10

10557 Berlin

25. Juni ab 14 Uhr: Fest der Shortlist & Preisverleihung


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