Die Kraftregionen der Stauferzeit

Von 6. Oktober 2010 Aktualisiert: 6. Oktober 2010 14:38

Die Erwartungen waren groß – und tatsächlich, eine Woche nach der Eröffnung der Stauferausstellung in Mannheim wurden bereits 10.000 Besucher gezählt. 1000 Gruppenanmeldungen von Deutschland, Österreich, der Schweiz, sogar aus den USA sollen eingegangen sein. Die Arbeit hat sich gelohnt, denn schließlich brauchte es vier Jahre Vorbereitungszeit, um am 19. September 2010 die Tore der Ausstellung „Die Staufer und Italien – drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa“ in Mannheim für die Besucher zu öffnen. Es war ein „ehrgeiziges Projekt“, wie es der Bürgermeister für Kultur und Wirtschaft, Michael Grötsch, nannte. Für die „Premiere in der deutschen Kulturlandschaft“ sei auch die Kooperation der Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen eine einmalige Sache gewesen.

33 Jahre ist es nun her, dass die große Kulturausstellung über die Staufer in Stuttgart zu sehen war und Besucher dafür eine halbe Stunde haben anstehen müssen. Die Kuratoren der diesmaligen Ausstellung in Mannheim haben ein Herz für die Besucher und vorgebeugt. „Es werden mehr Kassen eröffnet, damit es zu keinem Stau kommt“, so der Museumsleiter Wieczorek bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Ausstellung.

Bedeutendstes europäisches Herrschergeschlecht im Mittelalter

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Keine andere mittelalterliche Dynastie ist in vergleichbarem Maße Gegenstand mythischer Verklärung geworden wie die der Staufer. Die Besucher werden im Ausstellungsgebäude von einem großen verzerrten Bildnis von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, einem Abbild des Kyffhäuserdenkmals, empfangen. Mit dem der Sage nach im Kyffhäuser schlafenden Friedrich Barbarossa, der eines Tages erwachen und die Herrlichkeit des Reiches wiederbringen werde, und mit Friedrich II., dem „ersten modernen Menschen auf dem Thron“, der seiner Zeit weit voraus gewesen sei, verfügten die Staufer über zwei Protagonisten, die sich in besonderem Maße für die politisch motivierte Ausdeutung eignen sollten.

Im „staufischen Jahrhundert“, zwischen 1138 und 1268, vollzogen sich in ganz Europa weitgreifende Veränderungs- und Umschichtungsprozesse. Es war eine Blütezeit des Mittelalters. Neue künstlerische Aktivitäten und Ausdrucksformen entwickelten sich, eine blühende Wissenskultur entstand, höfisches Leben entfaltete sich in ungeahnter Pracht und Größe, kirchliche Strukturen wurden erneuert. Radikal veränderten sich auch die wirtschaftlichen Bedingungen.Die neun staufischen Herrscher, Konrad III., Friedrich Barbarossa, Philipp von Schwaben, Friedrich II., Heinrich VI., Heinrich (VII.), Konrad IV., Konradin und Manfred, hatten hieran maßgeblichen Anteil.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die drei Regionen Rhein-Main-Neckar-Gebiet, Oberitalien und Sizilien, die sogenannten Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa. Hier fanden wesentliche gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen statt, die weit über die Regionen hinausweisen und die abendländische Epoche des 12. und 13. Jahrhunderts prägen sollten.

„Staufer sind Nationalhelden für die Italiener und von ihnen möchten sie sich nicht so gerne trennen“, so der Museumsleiter. Die Kulturarbeitenden hatten es nicht immer einfach, Exponate aus Italien für die Ausstellung zu bekommen. Aber schließlich war es ihnen gelungen, ihren Traum zu verwirklichen. 70 Prozent der Exponate wurden noch nie zuvor gezeigt; das Schwerste wiegt 7,5 Tonnen und damit gerieten die Aufstellungsarbeiten manches Mal zu einer logistischen Herausforderung. Insgesamt sind es über 520 Exponate, die die Besucher zu Gesicht bekommen.

Begegnung der Kulturen

Der Oberbürgermeister der Stadt Mannheim verwies darauf, dass die Ausstellung die größte Kulturausstellung in diesem Jahr sei. Ein Aspekt der Stadt sei das Zusammenleben der verschiedenen Nationen. Das Thema der Ausstellung sei eine Frage der Begegnung der Kulturen und wie es in früherer Zeit war, so ergänzt Dr. Stefan Weinfurter von der Universität Heidelberg den Oberbürgermeister.

Eine Sensation für dieses Sinnbild der Begegnungen der verschiedenen Kulturen ist der Grabstein, der Anna, einer Mutter eines Priesters gewidmet war und mit einer Gravur in den Sprachen Hebräisch, Latein, Griechisch und Arabisch versehen ist. Er stammt aus dem Jahr 1149 und wurde in Palermo gefertigt.

Wieczorek verriet, dass er großen Gefallen daran hatte, mit so einem großen Team interdisziplinär zusammen gearbeitet zu haben. So wolle er den Kollegen in Italien danken, die ihre Schatzkammern für die Ausstellung geöffnet hatten.

 

Foto: Verlag Konrad Theiss

Begleitbücher zur Ausstellung der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, vom 19. September bis 20. Februar 2011. Ausstellungskatalog: „Die Staufer und Italien – drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa“, 2 Bände, 800 Seiten mit rund 900 Abbildungen, Ladenpreis: 59,90 EUR, erschienen im Konrad Theiss Verlag, Stuttgart. ISBN 978-3-8062-2366-8.

 

 

 

 

 

Foto: Verlag Schnell und Steiner

Begleitbuch zur Ausstellung: „Reiselust Stauferzeit – Ausflugsziele an Rhein, Main und Neckar“. Eva-Marie Günther, Alfried Wieczorek (Hg.). ISBN 978-3-79-2405-3. 14,90 EUR, Verlag Schneller und Steiner GmbH.

 

 

 

 

 

 


 

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