„Don Giovanni” in der Oper Bonn: Urbild des Verführers

Von 13. Dezember 2016 Aktualisiert: 13. Dezember 2016 8:46
Kein Zweifel: Im „Don Giovanni“ geht es nicht nur um individuelle Unmoral und deren Bestrafung. Wie im „Figaro“ wird auch hier am Vorabend der Französischen Revolution in gedanklicher Vorwegnahme das absolutistisch-feudalistische Herrschaftssystem bereits versuchsweise zu Grabe getragen.

Er kriegte sie alle. Beneidenswert? Nicht so für Lorenzo da Ponte, der Don Giovanni, den Titelhelden seines Librettos, an dessen letztem Lebenstage über eine rote Linie stolpern lässt, die dieser mit dem Mord am Komtur leichtfertig überschreitet. Ein dramatischer Handlungsstrang großer Gefühle, noch überhöht von Mozarts meisterlicher Musik, die stets gewürzt mit humorvoller Spritzigkeit, schließlich umschlägt ins zerstörerisch Dämonische.

Gestandenes Mannsbild

Kein Zweifel: Im „Don Giovanni“ geht es nicht nur um individuelle Unmoral und deren Bestrafung. Wie im „Figaro“ wird auch hier am Vorabend der Französischen Revolution in gedanklicher Vorwegnahme das absolutistisch-feudalistische Herrschaftssystem bereits versuchsweise zu Grabe getragen. Hervorragend Giorgos Kanaris in seiner Rolle als Don Giovanni, der als gestandenes Mannsbild ohne zu zögern die Privilegien seiner sozialen Position ausnutzt, um schamlos Beute zu machen.

Prototypisch wie der Herr verhält sich auch dessen Diener Leporello (Martin Tzonev). In Atem beraubendem Zwiespalt ist er hin und her gerissen zwischen absolutem Gehorsam und unverhohlener Schlitzohrigkeit. In diesem wundervoll bis an die Ränder ausgestalteten Spannungsfeld präsentiert er nicht ohne klammheimliche Freude seinen berüchtigten „Leporello“ . Sicherlich ist er sich dabei der Pikanterie seines nicht gerade einfühlsamen Vorgehens gegenüber Donna Elvira bewusst. Penetranten Hammerschlägen gleich ertönt sein „Mille tre“. Eine stattliche Anzahl, auf das es sein Herr mit seinen amourösen Erfolgen allein bei der Frauenwelt Spaniens gebracht hat.

Lebemann statt Ehrenmann

Neben diesen offensichtlichen Vorzügen der Inszenierung von Jakob Peters-Messer ist es die empathisch präzise Charakterisierung der unterschiedlichen Frauenrollen, die im Stück angelegt sind. Vor allem kommt Don Giovanni die in ihren Rachegelüsten unerbittliche Donna Anna (Sumi Hwang) von Anfang an in die Quere. In ihrer ausgeprägten Vaterbindung an den ermordeten Komtur (Leonard Bernad) widersteht sie nicht nur bravourös den Verführungskünsten Don Giovannis. Vielmehr spannt sie mit ihren zumindest vorläufigen Zurückweisungen auch noch Don Ottavio (Christian Georg) auf die Folter, der ihr in aufrichtiger Liebe zugetan ist.

Demgegenüber steht Donna Elvira (Susanne Blattert), die es als Don Giovannis einstige Ehefrau besser wissen müsste. In immer neuen erwartungsvollen Annäherungsversuchen versucht sie, aus dem egoistischen Lebemann doch noch einen moralischen Ehrenmann zu machen. Doch ihr mit hohen Emotionen vorgetragener Missionierungsversuch bleibt erfolglos, ohne auch nur den geringsten moralischen Wandel in ihm auszulösen.

Wiederauferstehung

Wie anders dagegen Zerlina (Kathrin Leidig), die selbst an ihrem Hochzeitstag den Verführungskünsten Don Giovannis gegenüber nicht abgeneigt ist. Treibt sie die Lust am sexuellen Abenteuer oder der Ehrgeiz zum sozialen Aufstieg, den sie dem zu erwartenden Alltag einer Bäuerin vorzuziehen scheint? Wohltuend dagegen ist die eindeutige Reaktion ihres Bräutigams Masetto (Daniel Pannermayr), der für den hochrangigen Eindringling in sein Revier eine ungewöhnlich harsche und dazu selbstbewusste Antwort bereithält. Auch sie sind beide Teil einer durchweg hervorragenden gesanglichen Gesamtleistung.

Als spannend erweist sich zudem, wie die Einheiten des Bühnenbildes (Markus Meyer) in Form einer nicht enden wollenden Wendeltreppe zu immer neuen Kombinationen zusammen gefügt werden. Kombiniert mit der Lichtregie (Max Karbe) ist hier in der Tat ein fantasievoller Rahmen gelungen, in den sich die ständig wechselnden Handlungsstränge jeweils nahtlos einfügen. Der frenetisch vorgetragene Schlussapplaus gilt natürlich auch dem Chor des Theater Bonn (Choreinstudierung: Marco Medved) sowie dem Beethoven Orchester Bonn, das das unter der Leitung von Stephan Zilias den „Don Giovanni“ einfühlsam wieder auferstehen lässt.

Weitere Aufführungen: 18., 22. Dez. 2017; 8., 14., 26., 31. Jan; 3., 10., 16. Feb; 5., 23. März 2017

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