Dunkle Schatten

Von 18. November 2008 Aktualisiert: 18. November 2008 16:24
Planungschaos und ein bizarrer Kompetenzstreit treiben die Kosten des Hamburger Prestigeprojektes Elbphilharmonie in die Höhe

Ein Leuchtturm für Europas größtes innerstädtisches Bauprojekt sollte sie einst sein und wirft nun dunkle Schatten. Die Elbphilharmonie, die gegenwärtig im Hamburger Hafen im schmucklosen Kaispeicher A entsteht, sollte ab 2010 einen der zehn besten Konzertsäle der Welt beheimaten und Hamburgs neues Wahrzeichen, vergleichbar mit der Oper in Sydney, darstellen.

Explodierende Baukosten, Verzögerungen und Kommunikationsmängel zwischen Politik, Bevölkerung und Bauträger lassen jedoch mittlerweile immer mehr an der Sinnhaftigkeit des elitären Prestigeobjektes zweifeln. Nach der letzten Kostenerhöhung von 241 auf 380 Millionen Euro und einer Verschiebung des Eröffnungstermins um zwei Jahre auf das Jahr 2012 feuerte Hamburgs erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) den Geschäftsführer Hartmut Wegener, der für die Realisierung der Elbphilharmonie (ReGe) zuständig war. Seit September waren die Verhandlungen zwischen Stadt und Investor Hochtief über den Fortgang des ehrgeizigen Projektes nun auf Eis gelegt. Der von Kultursenatorin Karin von Welk (parteilos) erkorene Nachfolger Heribert Leutner soll noch im November diese Kopflosigkeit beenden, die den Steuerzahler mit zusätzlich 800.000 Euro für Standkosten für Kräne, Personal, Preissteigerungen und Zinsen pro Monat belastet. Zudem sind hoch bezahlte Juristen im Auftrag der Stadt und des ausführenden Essener Baukonzerns Hochtief damit beschäftigt, sich wechselseitig für die ausufernden Baukosten und Verzögerungen haftbar zu machen.

SPD : „Desaströses Krisenmanagement“

Hochtief lässt verlauten, sich nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen, SPD-Fraktionschef Michael Neumann sagt: „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht, weitere Steuermittel werden durch uns nicht bewilligt.“ Bürgermeister Ole von Beust sieht in all dem keine Dramatik, ist das Großprojekt der Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron doch bislang von CDU, SPD und GAL gemeinsam getragen worden. Hamburgs Alt-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi prognostizierte jüngst in der Bild-Zeitung mit Kosten von 580 Millionen Euro einen drei Mal höheren Preis als den ursprünglich veranschlagten Festpreis von 187 Millionen Euro. Zu den nach oben schießenden Kosten sagt Kultursenatorin Karin von Welk: „Wir sind anfangs etwas naiv herangegangen, dachten zunächst, die Elbphilharmonie würde die Stadt gar nichts kosten.“ Ursprünglich war geplant, dass Stiftungen und Mäzene den Bau großzügig realisieren. Angesichts der nun bekannt gewordenen Realitäten liegen jedoch bei den Beteiligten der Elbphilharmonie in der Kulturstadt Hamburg, dem „Tor zur Welt“, die Nerven blank.

Kultursenatorin von Welk: „Positive Resonanz im Ausland“

Kultursenatorin von Welk verweist aufgrund des schwindenden öffentlichen Rückhalts lieber auf die inter-
nationale Konkurrenzfähigkeit und die positive Resonanz im Ausland.

Elbphilharmonie-Generalintendant : „Alle Beteiligten sind überfordert“

Die SPD und der Bund der Steuerzahler sprechen von einem „desaströsen Krisenmanagement“ und einem „fahrlässigen Umgang mit Steuergeldern“. Elbphilharmonie-Generalintendant Christoph Lieben-Seutter erkannte: „Alle Beteiligten sind überfordert.“ Er betonte: „Sollte das Konzerthaus erst 2013/14 öffnen, wäre das ein guter Grund für mich, nicht mehr dabei zu sein.“

Ein prominenter Unterstützer der Elbphilharmonie sagte zur Grundsteinlegung am 2. April letzten Jahres: „Kultur gibt es nicht zum Nulltarif“ und fügte an: „Hätten wir damals das Volk gefragt, ob es Beethovens Neunte Symphonie gewollt hätte, –wir hätten sie nicht bekommen.“

Thilo Gehrke, 41, ist Journalist, Fotograf und freier Autor in Hamburg. Er hat die deutsche Wiedervereinigung unter sozialen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Aspekten medial begleitet und ist Mitglied im Wissenschaftlichen Forum für Internationale Sicherheit an der Führungsakademie der Bundeswehr.

Erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 46/08

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