eBay verändert den Handel mit Antiquitäten

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(AP Photo/Paul Sakuma)
Von 18. Juni 2009

Mit dem Erscheinen der Online-Versteigerungswebsite eBay vor mehr als einem Jahrzehnt fürchteten Archäologen, dass jetzt der Antiquitäten-Schwarzhandel viel zugänglicher sein wird und es zu vermehrten Plünderungen von antiken Fundstellen kommen würde.

Das blieb aus, doch dafür hat eBay unbeabsichtigt einen riesigen Markt für gefälschte Kunsterzeugnisse geschaffen, so Dr. Charles „Chip“-Stanish, Professor der Anthropologie an der Universität von Kalifornien und Experte für Anden-Archäologie.

Fälschungen in rasantem Tempo

Dr. Stanish hat seit neun Jahren Eintragungen auf eBay verfolgt, die als Antiquitäten aufgeführt wurden. Er hat auch mit dem US-Zolldienst zusammengearbeitet und Werkstätten in Peru und Bolivien besucht, die sich auf Reproduktionen von Töpferwaren spezialisiert haben. Anstatt ihre Energie in Plünderungen zu investieren, „produzieren [griechische], chinesische, bulgarische, ägyptische, peruanische und mexikanische Werkstätten in rasantem Tempo Fälschungen,“ schreibt Dr. Stanish in der Mai/Juni Ausgabe der Zeitschrift Archaeology.

„Leute, die sich bisher einige Dollars verdienten, indem sie einen erbeuteten Kunstgegenstand an einen Zwischenhändler in ihrem Dorf verkauften, können jetzt ihre eigenen „fast  genauso gut wie die alten“‘ Gegenstände produzieren und direkt zu einer Person in einer nahe gelegenen Stadt gehen, die einen EBay-account hat,“ sagte er. „Sie werden denselben Betrag oder sogar mehr bekommen als sie für wirkliche Antiquitäten erhalten könnten.“

Die starke Zunahme von Fälschungen hat den Wert von echten Kunsterzeugnissen gedrückt, und dadurch sind Plünderungen auch noch einmal weniger lukrativ, sagte Dr Stanish.

Als er damit begann, eBay-Verkäufe von südamerikanischen Antiquitäten zu verfolgen, schätzte Dr. Stanish, dass das Verhältnis von echten Kunstwerken zu gefälschten 50:50 war. Fünf Jahre später waren es 95 Prozent Fälschungen. Aber die Qualität der Fälschungen hat sich so viel verbessert, dass Dr Stanish zugibt, dass er in seinem Urteil nicht immer sicher sein kann. Er schätzt, dass zurzeit ungefähr 30 Prozent der als „Antiquitäten“  verzeichneten Gegenstände offensichtliche Fälschungen sind, und nur 5 Prozent echt.

Die Fälscher-Techniken sind heutzutage so gut, dass es fast „unmöglich“ oder unerschwinglich teuer ist, Gegenstände mit den gegenwärtigen Methoden zu authentifizieren, sagte Dr. Stanish.

So lange es Leute gibt, die bereit sind, die „echten“ Töpferwaren der Peruanischen Moche* zu kaufen, die zurzeit für gerade mal 160 US-$ auf eBay verkauft werden (ein echter Topf ist über 16.000 US-$ wert), wird der Handel weiter gedeihen, und die Qualität der Reproduktionen ebenso.

Plünderungen sind das Verderben für Archäologen, weil Plünderer selten die Kunstgegenstände mit den entsprechenden wissenschaftlichen Methoden entfernen, oder aufzeichnen, wo die Gegenstände herkamen. So wird es schwierig, ihre Verbindung zum breiteren Zusammenhang des Fundortes und des kulturellen Erbes zu finden, wenn es dadurch nicht vollständig unmöglich gemacht wird.

* Das peruanische Volk der Moche waren die Vorfahren der Azteken und Inkas. Sie lebten von etwa 100 bis 700 n.Chr. in den Tälern Nordperus. Die Moche bauten Pyramiden, die heute noch zu bewundern sind.



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