Eckart von Hirschhausen: Wohin geht die Liebe, wenn …?

Von 8. November 2012 Aktualisiert: 8. November 2012 16:00

 

Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?

In den Darm, könnte man ganz banal diese Frage beantworten. Aber der Leser erwartet von Eckart von Hirschhausen natürlich mehr, als nur eine medizinisch-biologische Abhandlung des Themas Liebe.

Genau betrachtet, ist dieses Thema so umfassend, dass man alle Facetten des menschlichen Miteinanders beleuchten kann und genau das ist es, was Eckart von Hirschhausen in seinem allerneuesten Buch tut. Die Liebe kann man in alltäglichen Situationen finden, wir stehen nicht nur in Beziehung zu unserem Partner, sondern in Beziehung zu allem, was sonst noch lebendig ist. Und hier wird dieses allzu menschliche Gefühl immer wieder Zerreißproben ausgesetzt, sei es auf verbaler, gefühlsmäßiger oder körperlicher Ebene.

Aber wäre es ein von Hirschhausen, wenn man bei alledem nicht auch Hilfe zur Selbsthilfe erhalten würde? In so vielversprechenden Kapiteln wie „Basketballspielen für Schüchterne“, „Der Preis der Schönheit“ oder „Fahren und fahren lassen“ gibt es Lebenshilfe zum Thema Hemmungen und Berührungsängste überwinden, genauer gesagt, wie wir angstvolle Situationen mit Humor betrachten und dadurch auflösen können. Tröstend dabei: „Ängste wachsen, schrumpfen und ändern sich mit den Aufgaben“, so von Hirschhausen.

Liebe in einer größeren Dimension

„Seltsam, wie leicht man vergisst, dass alles, was du tust, für immer ist.“ Dieses Zitat von Wiglaf Droste findet sich schon fast am Ende des Buches und lässt noch einmal aufhorchen. Nachdem Eckart von Hirschhausen auf satirische Art und Weise das uralte Thema der Liebe in vielen Facetten durchleuchtet hat, deutet er am Schluss doch auf eine größere Dimension, die all unserem Fühlen und Handeln zugrunde liegt. Eine Liebe, die im wahrsten Sinne des Wortes durch uns hindurchgeht, die wir aufnehmen, verdauen, transformieren und nicht als Abfallprodukt, sondern im Idealfall in einer höheren Form wieder abgeben. Und dieser Prozess kann ein ganzes Leben lang dauern.

Eckart von Hirschhausen drückt es am Ende seines Buches in seiner Pinguingeschichte so aus: „Wenn man sich mit dem Gedanken der Endlichkeit etwas anfreunden kann, konzentriert man sich automatisch auf die Dinge, die ihren Wert behalten. Alles, was wir in Liebe bekommen und in Liebe weitergeben. Alles, was wir jemandem gezeigt und erklärt, was wir gesät und gepflanzt, was wir gezeugt und bezeugt haben, bleibt. Wenn du dein bester Pinguin bist, reicht ein Flügelschlag, um irgendwo im großen Ozean des Bewusstseins eine Welle auszulösen, die es ohne dich nie gegeben hätte. Mehr wird von uns gar nicht verlangt.“

Und genau das ist es, was von Hirschhausen in seinem Buch selbst beherzigt. Hinter all seinem Witz und seiner Ironie steckt doch eine gewisse Ernsthaftigkeit, die ermuntern soll, unser Denken und Tun selbst zu hinterfragen. Mit einer Mischung aus Schulmedizin, Wissenschaft, Alternativmedizin, Philosophie und einer gehörigen Portion Altruismus, nein, er lässt wirklich keine Nische einer ganzheitlichen Betrachtungsweise aus, verhilft er uns dazu, das Leben mit Humor zu betrachten, mit dessen Hilfe wir ein positives Lebensgefühl bekommen und dadurch des Liebens immer fähiger werden.

Resultiert tief empfundenes Glück nicht aus einem Gefühl des Einsseins mit allem und jeden? Und ist dies nicht ein Zustand, der über das Gefühl des Verliebtseins weit hinausgeht? Vielleicht ist das der Ort, an den die Liebe geht, wenn sie durch den Magen durch ist. Wer weiß.

Cover: rororoCover: rororo

rororo Taschenbuch, 2012, 384 S. für 14,99 €, ISBN: 978-3-499-62620-3

 

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