Heinz Berggruen. (Mary Ellen von Schacky-Schulz, Berlin)

Ein Mensch der Klarheit und der Versöhnung

Von 2. März 2007 Aktualisiert: 2. März 2007 15:15
Heinz Berggruen, der Kunstmäzen und Museumsstifter

Man konnte ihm begegnen inmitten seiner Kunstsammlung, dem Ehrenbürger Berlins, dem Weltbürger, dem Kunstmäzen, der vor den Nationalsozialisten fliehen musste und mit einer Sammlung von Schätzen zurückkehrte in seine Heimatstadt, Heinz Berggruen.

Er versteckte sich selbst nicht hinter Bodyguards oder in elitären Zirkeln, und seine Kunstsammlung landete nicht im Tresor. „Bilder leben, wenn man sie anschaut, wenn man sie immer wieder betrachtet, ob man sie nun liebt oder sich wieder abwendet“ das war seine Maxime.

Seit der Eröffnung der Sammlung Berggruen im westlichen Stülerbau gegenüber dem Schloss Charlottenburg im Jahr 1996, gab es in Berlin einen neuen Maßstab, wie man Kunst präsentieren kann. Benachbart dem ebenfalls aus einer Privatsammlung erwachsenen mit Sorgfalt gestalteten Bröhan Museum für die Zeit des Jugendstils, machte sein Museum die Gegend am Charlottenburger Schloss zu einem Anziehungspunkt für Kunstliebhaber.

Man konnte auch mit ihm sprechen in seinem Museum, er behielt es im Blick, er fragte täglich im angeschlossenen Buchladen, wie die Geschäfte liefen, er war ein Liebhaber der Kunst und er war kein Träumer. Der Blick, mit dem der eher zierliche Mann seine Besucher anschaute war voll von wachem Interesse und gleichzeitiger Distanz. Man kam auf den Prüfstand, bis schließlich eine liebevolle Akzeptanz aufleuchtete, wenn man die Probe bestanden hatte. Ein wohlwollender aber bemerkenswert wacher Prüfstand bis ins hohe Alter.

Er verlangte keine Ovationen, er wollte Kommunikation. Er belebte das geistige Berlin und inspirierte mit journalistischen Betrachtungen in der FAZ. Den zweiten Schwerpunkt seiner Sammlung bilden neben Picasso über 60 Bilder von Paul Klee. Kleinformatig und fragil lebt in ihnen die poetische Welt des Malers von 1917 bis 1940. Mit hintergründigem Humor ließ Klee seinen Blick auf die Menschen und auch auf seine Träume erkennen. Für mich war dieser Teil der Sammlung im oberen Stock des Museums immer der eigentliche Schatz. Als brauchte er das große Schiff Picasso und Matisse, um heil zu überleben in einer Welt von Kriegen und Verfolgung. Ebenso wie sein Verehrer Heinz Berggruen, der überleben wird im Gedenken als ein Mensch, der Hass mit Klarheit begegnete und der keine Rache nahm, sondern Großzügigkeit zeigte und Versöhnung.

Er starb am 23. Februar in Paris im Alter von 93 Jahren. Er wurde heute in seiner Heimatstadt Berlin beerdigt.



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion