Mode aus 150 Jahren kann man in der Ausstellung „Mode für den Alltag“ im Rheinischen Freilichtmuseum in Kommern bewundern. (Foto: GTE/PP/AGENTUR PROFIPRESS)

Ein Querschnitt aus 150 Jahren Mode und Bekleidung

Von 12. Juni 2007 Aktualisiert: 12. Juni 2007 11:49
Im Freilichtmuseum in der Eifel

Das Freilichtmuseum Kommern eröffnete am 21. Mai die neue Dauerausstellung „Mode für den Alltag – Kleidung von 1820 bis heute“ und zeigt wie veränderlich Mode im Laufe der Jahrhunderte ist. Die Vitrinen mit historischen Kleidern von 1805 bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts, ergänzt durch Puppenstuben und Spielzeug der jeweiligen Epoche, laden zu einem Bummel durch die Jahrhunderte ein.

Mode ist Träger von Botschaften und gibt Auskunft über die Vorstellungen der Menschen von ihrem Körper und über die Einordnung des Einzelnen in seine Umwelt. Ebenso ist sie Ausdruck der gesellschaftlichen Entwicklung.

Ein historischer Wandel der sozialen Strukturen verändert auch die Kleidergewohnheiten. Zu Zeiten der Französischen Revolution waren die Frauenkleider beispielsweise noch tief ausgeschnitten und frei fallend, so wie es zu dieser Zeit auch eine gewisse Freizügigkeit in der Gesellschaft gab. In der Biedermeierzeit, 1815 bis 1840, wurden die Kleider wieder länger. Die Frauen wurden nicht nur durch Korsetts eingeschränkt, sondern auch gesellschaftlich.

Bis 1870 schrieb die Mode zwar wieder kürzere Kleider vor, aber da mussten die Frauen Stiefel tragen, um die nackten Knöchel vor fremden Blicken zu schützen. Etwas für die betuchteren Schichten waren Krinolinen, eine Art mit Fischbein verstärkte, steife Unterröcke, durch die Kleider aufgebauscht wurden. Die Röcke wurden seit den 1840er Jahren so weit, dass sich die Frauen der besseren Gesellschaft kaum die Hände reichen konnten. Ein Rocksaum konnte bis zu 10 Metern im Umfang messen.

Arbeiten konnte man damit nicht. Bäuerinnen und Fabrikarbeiterinnen trugen zweckmäßigere Sachen. Korsetts oder mit per Drahtgestell ausgestellte Röcke hatten den Zweck, die Frau als „Ausstellungsstück“ auszustaffieren. Die Männerkleidung wurde dagegen dunkler, schlichter und unauffälliger. Dadurch stellten sich die Männer als rational handelnde, zielstrebige Erfolgsmenschen dar, die auch an ihrem äußeren Erscheinungsbild keine Verspieltheiten zuließen.

Um 1870 zog das weit verbreitete extreme Schnüren der Frauentaille erste medizinische Warnungen nach sich: Neben den bekannten Ohnmachten kam es durch die Korsetts zu Schädigungen der Rippen. Das Korsett wurde von Ärzten des ausgehenden 19. Jahrhunderts als „modernes Folterinstrument“ bezeichnet und von Ärzten sowie von Frauenrechtlerinnen abgelehnt.

Bis zur Mode der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts spannen die Ausstellungsstücke einen Bogen über 150 Jahre Textil- und Volksgeschichte. Die ergänzend präsentierten Puppenstuben sind Kostbarkeiten für sich. Bis etwa 1920 waren das keine Kinderspielzeuge, wie wir sie heute verstehen. Damit durfte nur unter Aufsicht gespielt werden. Manche Puppenstuben gehörten ausschließlich erwachsenen Frauen, nicht Kindern.

Nach den 50er Jahren wandelte sich die Mode immer rascher, wobei die Formen seit der Minimode immer freier wurden. Heute scheinen viele Formen, vom langen Rock bis zum Minirock, gleichzeitig zu existieren. Die Hose, insbesondere die Jeans, finden heutzutage ihren festen Platz bei nahezu allen gesellschaftlichen Anlässen. Der Stil der Frauen wurde immer schlichter und wie der Modeschöpfer Karl Lagerfeld zu sagen pflegt: „Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode.“

Die Ausstellung „Mode für den Alltag – Kleidung von 1820 bis heute“ ist noch bis zum 31. März 2008 zu sehen.

www.kommern.lvr.de

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN