Eine faszinierende Stimme zieht sich aus dem Musikleben zurück!

Von 16. September 2005 Aktualisiert: 16. September 2005 23:50
Kammersänger Peter Schreier

Ein letztes Mal durchschreitet Kammersänger Peter Schreier bei den Darmstädter Residenzfestspielen als Evangelist die JohannesPassion.
„Ein faszinierendes Werk, eine faszinierende Stimme und ein faszinierender Dirigent“ –- so stand es auf der Eintrittskarte zum
Kirchenkonzert am 21. August in der Stadtkirche Darmstadt geschrieben.

Die Johannes-Passion von Bach das Werk, Kammersänger Peter Schreier die erhabene Stimme, und, man höre und staune: Peter Schreier auch Leitung und Dirigent! Ein letztes Mal wollte der  wohlbekannte Tenor in diesem Jahr den Evangelisten in der Johannes-Passion singen, bevor er sich als Sänger aus dem Musikleben zurückzieht. Stehende Ovationen – ein beglückender Konzertabend, den man nicht so schnell vergessen wird!

Mit Bachs Musik herangereift

Man kann ohne Übertreibungen sagen, dass Peter Schreier im Laufe seiner Karriere alles erreicht hat, was man sich für einen klassisch gebildeten Sänger wünschen kann. Geboren wurde Schreier am 29. Juli 1935 in Meißen als Sohn eines Kantors und Lehrers und wuchs in einem kleinen Ort in der Nähe von Dresden auf. Als Zehnjähriger wurde Schreier Mitglied des berühmten Dresdner Kreuzchores. Schon als Mitglied des Dresdener Chores wurden ihm viele solistische Aufgaben übertragen, wie die Partien des Alt-Solisten in Bach-Oratorien. Nach einer privaten Gesangsausbildung studierte er schließlich (zu unser aller Glück) von 1956 bis 1959 Dirigieren und Gesang an der Dresdner Musikhochschule. Nach dem Studium ging’s dann in geordneten Schritten stetig voran. 1959 das Bühnendebüt in Beethovens „Fidelio“. 1961 die Mitgliedschaft an der Staatsoper Dresden und im folgenden Jahr der erste große Erfolg als „Belmonte“ in Mozarts „Entführung aus dem Serail“.

Peter Schreier gilt heute als ein führender Mozart-Tenor mit großem Repertoire. 1963 verpflichtete ihn dann die Deutsche Staatsoper Berlin mit einem Gastvertrag und schon drei Jahre später sang Schreier bei den Bayreuther Festspielen. 1967 trat er zum ersten Mal bei den Salzburger Festspielen auf, wo er in Nachfolge 25 Jahre gastierte. Das Debüt als „Tamino“ an der New Yorker Metropolitean Opera und weitere Auftritte an den großen Opernhäusern führten ihn als gefragten Tenor rund um den Globus.

Als Vorzeige-Künstler der ehemaligen DDR weitgehende Reisefreiheit

Peter Schreier war einer der bekannteste Opern- und Konzertsänger
der damaligen DDR. Seit Mitte der 1960er Jahre war er auch zunehmend international gefragt und konnte weitgehend ungehindert als Vorzeige-Künstler in die Welt reisen.

Schreier wusste aber immer um seine Verwurzelung in der sächsischen Heimat, die ihm Tankstelle und Kraftspender für neue Taten war. So hat er im Laufe seiner Schaffensjahre viele schöne Auszeichnungen bekommen, wie den Nationalpreis 1. Klasse (1972, 1986), den Leonie-Sonnigs-Musikpreis, Kopenhagen (1988). 1994 wurde ihm der Georg-Philipp-Telemann-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg verliehen, im gleichen Jahr erhielt er den Wartburg-Preis. Für seine Verdienste in Mozarts Werken bekam er die „Wiener Flötenuhr“und 1988 wurde er in München mit dem Ernst-von-Siemens-Preis geehrt, der auch an Leonard Bernstein, Wolfgang Sawallisch und Claudio Abbado verliehen wurde.

Bayern, Österreich und die ehemalige DDR ernannten Peter Schreier außerdem zum Kammersänger. Seit September 1981 ist Peter Schreier Honorar-Professor für Gesang. Er wurde Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde Wien (1986), Akademiemitglied in München und Berlin (seit 1989) und ist Mitglied der Königlich-Schwedischen Kunstakademie seit Mai 1989.

Chor- und Orchesterdirigent

Seit 1979 tritt Peter Schreier auch als Dirigent in der Öffentlichkeit
hervor. In beeindruckender Weise übernimmt er in Bach-Passionen oder dem Weihnachtsoratorium die Leitung des Ensembles als Dirigent und singt die Partie des „Evangelisten“. Am 29. Juli ist der weltbekannte Opern- und Konzertsänger 70 Jahre alt geworden. Geschätzt wird er heute ebenso als Dirigent wie als sensibler und intelligenter Lied-Interpret. Ende 2005 will er seine Gesangskarriere beenden und nur noch dirigieren.

Wir werden seine schöne Stimme in den Konzertsälen und Stadtkirchen vermissen, freuen uns aber auf seine weisen und erfahrenen „Führungen“ als Dirigent! Zum Abschluss dieses schöne
Zitat aus der sächsischen Zeitung vom 29.07.2000:

„Es ist eine Stimme, die unter Hunderten sofort auffällt, so warm, so hell, so leicht. Und wie ausdrucksstark und differenzierend diese Stimme klingen kann, aufbrausend, flehend, beschwörend. Solche Innigkeit erreichen wenige Sänger.“

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